
Kultur Aktiv, AG Kurzfilm & DORF präsentieren:
“BalkanMusikDokuNacht+”
25.9.2012, Kino Thalia, Dresden
27.9.2012 Kronenkino Zittau (ohne DORF-Filme)
Balkan+Musik+Film=Kusturica+Bregović? Dieser klassischen Formel fügt die BalkanMusikDokuNacht einige + hinzu, dabei bleibt es aber turbulent, mal humoresk – mal melancholisch. Gemeinsam mit der mazedonischen Regisseurin Biljana Garvanlieva und Toni Šarić (Organisator des Musikdokufestivals DORF/Kroatien) kommen Facetten des Alltagslebens, insbesondere der Musiker, auf die Leinwand und in die Diskussion. Immer spielt das Überleben unter schwierigen Umständen ein zentrale Rolle: Do-It-Yourself-Management und der Glaube an sich selbst. Der musikalische Bogen reicht dabei von Punk über Klassik bis zu hierzulande unbekannten jazzigen Gypsy-Grooves; historisch von Tito über Milosevic bis in eine ungewisse Zukunft in der EU. Eine feine DokuNacht für Balkanfans & Musikliebhaber, mit spannenden Gästen! Mit Moderation.
20:30 “Good bye – How are you” (SER 2009), 65’, R.: Boris Mitić, OmU
22:00 “Die Akkordeonspielerin” (D 2006), 30‘, R.: Biljana Garvanlieva
Im Anschluss: Diskussion mit der Regisseurin und Toni Šarić (DORF Festival), Moderation: Uwe Penckert
23:00 – 1:00
Musikdoku-Kurzfilme aus dem Festivalprogramm DORF (Kroatien):
Dolgcajt (SLO 2006), 47‘, R.: Igor Zupe, OmUengl.
The Cinkuši (CRO 2008), 27’, R.: Ljiljana Šišmanović, OmUengl.
Olah Vince – On no man’s land (SER 2008), 29‘, R.: Miro Karadžić, OmUengl.
Eintritt: 8 Euro Gesamtticket, Ermäßigungen für Teiltickets
Bilder aus dem Thalia in Dresden findet ihr hier:
Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Förderprogramms Grenzgänger der Robert Bosch Stiftung unterstützt.
Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden (Abt. Europäische u. Internationale Angelegenheiten).
This project is funded by the European Union.
Informationen zu den Filmen
Weitere Materialien (Photos, Pressekits etc. auf Anfrage: claudia.raemisch@kulturaktiv.org )
„Good Bye – How Are You“
„Serbiens paradoxe Wirklichkeit steht im Mittelpunkt des Dokumentarfilms. Er zeigt die satirisch-essayistische Reise eines desillusionierten Don Quichotte, der für das in den Tod gehen würde, an das er glaubt.
Doch leider glaubt er inzwischen an gar nichts mehr. Vom Leben enttäuscht, beschließt er, sich in die absurdesten Duelle mit zu Ikonen aufgestiegenen Alltagspersönlichkeiten zu begeben. So zieht er gegen den Geschäftsmann im humanitären Gewand ebenso zu Felde wie gegen den korrupten Arzt und den skrupellosen Gläubigen. Doch all diese Typen sind längst zu Schießbudenfiguren geworden, desavouiert und lächerlich gemacht von allen Seiten. Am Ende findet sich für den Protagonisten nur ein würdiger Gegner weit und breit – er selbst. Wenn man Dinge nicht ändern kann, dann immerhin die Sicht auf die Dinge.
Über einen Zeitraum von drei Jahren gefilmt und gesammelt auf ziellosen Reisen durch den Balkan, wird in diesem Dokumentarfilm subversive Alltagsphilosophie zur verlässlichen Lebenshilfe.
Eine Satire über Serbiens ärgste Feinde – die Serben! – drehte Filmemacher Boris Mitic in seiner Heimat. Auf seiner satirisch-essayistischen Reise quer durchs Land trifft er auf zahlreiche Stereotype, die er mit viel schwarzem Humor porträtiert.“ Text: einsfestival
Die Akkordeonspielerin
aus der 3sat-Reihe Mädchengeschichten
„Mit 8 Jahren spielte ich Klavier. Eifrig. Erfolgreich. Ich konnte aber nicht weiterkommen, weil meine Eltern mir kein professionelles Klavier kaufen konnten. Nach einem Besuch bei meiner Familie in Makedonien fielen mir die Parallelen zu meiner Cousine Emilija auf. Die Idee für einen Film wurde geboren und ich beschloss Anfang 2006 eine Recherchereise zu unternehmen. Während dieser stellte ich fest, dass Emilija zwar aus einer armen, aber ungeheuer musikalischen und lebenslustigen Familie kommt. Als eine der wenigen Akkordeonspielerinnen Makedoniens lernt sie, sich in der Männerwelt durchzusetzen und kämpft dafür, an einem weiteren internationalen Wettbewerb in diesem Frühjahr teilnehmen zu dürfen. Gut genug spielt sie, doch Voraussetzung für die Teilnahme ist ein professionelles und für sie unbezahlbares Akkordeon. Daraus entstand ein emotionaler Film, der auch den Zuschauer emotional ansprechen soll, denn “Alles was aus dem Herz kommt geht direkt ins Herz”, sagt meine Cousine Emilija.
Der Film hat viele internationale Preise gewonnen, unter anderem den Deutschen Kurzfilm Preis 2007“ Text: Robert Bosch Stiftung/Literarisches Kolloquium Berlin
Biljana Garvanlieva
wurde 1973 in Skopje, Makedonien, geboren. Nach einem Dramaturgiestudium in Skopje erhielt sie 1999 ein DAAD-Stipendium für Theater- und Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Biljana Garvanlieva lebt und arbeitet heute als freie Autorin und Regisseurin in Berlin. Für 3sat realisierte sie 2006 den mehrfach preisgekrönten Grenzgänger-Dokumentarfilm “Die Akkordeonspielerin”, der u.a. den Deutschen Kurzfilmpreis „Goldene Lola“ gewonnen hat und 2009 „Tabakmädchen“, der mehrere Regiepreise erhalten hat. Für den neuen Grenzgänger-Film „Die Näherinnen“ hat Garvanlieva 2010 den „Heart of Sarajevo“ – Preis für den besten Dokumentarfilm beim 16. Sarajevo Film Festival erhalten.
DORF Festival
Seit 2007 findet das Internationale Filmfestival für Rockmusik-Dokumentationen in Kroatien statt. In der ostkroatischen Stadt Vinkovci geboren, feiert es mittlerweile auch in der Adriastadt Rijeka Publikumserfolge. Einzigartig ist das DORF-Festival, da es im Geiste der Musik und des Films die neuentstandenen Grenzen im ehemaligen Jugoslawien überschreitet und als grenzübergreifende Initiative eine gemeinsame Identität stiftet. Getragen von einer Menge Enthusiasmus und besten Kontakten wird DORF vom gleichnamigen Verein umgesetzt. Erstmals präsentiert sich das Festival von Toni Šarić mit einer kleinen Filmauswahl im Ausland.
Dolgcajt
„Dolgcajt“ ist der erste Film über das gleichnamige bedeutendste slowenische Rockalbum der Band Pankrti. Dieses Album ist eines der besten Belege aus der Punkszene des ehemaligen Jugoslawien. Es veränderte das Leben einer ganzen Generation verängstigter Jugendlicher in dieser abgefuckten Gegend. Der Film dokumentiert auch die Zeit von Titos Tod und die Folgen für die jugoslawische Gesellschaft. Die Länge des Films entspricht der Länge des Albums der Band und bringt dieselbe Schnelligkeit, Dynamik und Energie rüber. Der Film gewann das erste DORF-Festival 2007 und wurde auf vielen wichtigen internationalen Festivals gezeigt.
The Cinkuši
Nenn‘ es Ethnopunk oder sowas, aber in der Geschichte der kroatischen Popmusik gab es nicht besseres als die Jungs von „The Cinkuši“. Irland hat die Pogues, Paris hat Mano Negra, Kroatien aber wartet auf das nächste Album oder Konzert dieser Gruppe. Die Kurzgeschichte in der Art des „Making Of“ bietet eine hilfreiche Chance des Kennenlernens für jene, die bislang nicht in den Genuss eines Konzertes kamen. Mit ein bisschen mehr Marketing könnten die Jungs weltweit bekannt sein…
Olah Vince – On no man’s land
Die Story von Olah Vince zeigt einen Romamusiker aus Novi Sad, der sich aus der Masse der Balkanbrassbands abhob und in die Legion der virtuosen Solisten ganz in der Nähe des Jazz einreihte. Mit seiner Unterstützung begeistert die Earth Wheel Band ihr Publikum und liefert einen anderen Blickwinkel auf die zeitgenössische Romamusik: eben nicht Bregović oder Kusturica. Interessante Gedanken dazu sowie moderne künstlerische Methoden machen diesen Film sehenswert.


