Galerie nEUROPA

Bautzner Straße 49 | 01099 Dresden | Deutschland
Galerieteam: Holger Wendland, Simon Wolf | galerie@kulturaktiv.org

Lihie Talmor Adamit – transient microcosm

Ausstellung 24. Mai 2019 - 21. August 2019
Vernissage 24. Mai 2019 um 20:00 Uhr

MAGnEUROPA Lihie Talmor Cover
English version of this text you can find in the MAGnEUROPA magazine.

Etliche autobiografische Konstellationen prägten mich als Mensch und Künstlerin. Ich wurde in Britisch-Palästina geboren und bin in Israel in einer Familie und in Gemeinschaft von europäischen Einwanderern, Flüchtlingen und Vertriebenen aufgewachsen. Seit vielen Jahren wohne und arbeite ich auch in Venezuela. Selbst in Indien lebte ich ein Jahr lang. Häufig reise ich in die Vereinigten Staaten von Amerika und in das Vereinigte Königreich Großbritannien. Mein derzeitiges Wohnhaus und Atelier befindet sich im Norden Israels, unweit der Grenze zum Libanon. Meine Alltagssprachen sind Hebräisch, Spanisch und Englisch, mit diesen agiere ich Seite an Seite wie mit meinen Malereien, Skulpturen, Photographien, Radierungen und Zeichnungen. Seit meiner Kindheit lese ich unersättlich Bücher, Zeitungen und sehe Filme in mehreren Sprachen. So bin ich nie nur an einem Ort.

Künstlerisch startete ich als Malerin. In den letzten 25 Jahren lernte ich es, weitere Techniken zu beherrschen, wie Skulptur und Installation, Photographie und Video. Diese breite Palette von Misch-, Überlagerungs- und Gegenüberstellungstechniken eröffnete mir große kreative Möglichkeiten, da jede ihren Beitrag leistet, die Ausdrucksfreude zu steigern, wie es schon Wassily Kandinsky artikulierte. Vielfalt, die untrennbar mit meiner Lebenserfahrung verbunden ist, kennzeichnet meinen künstlerischen Arbeitsprozess. Momentan bevorzuge ich es, Photo-Radierungen und traditionelle Radiertechniken mit innovativen und alternativen Methoden der Druckgrafik zusammenführen. Der Begriff „Mischtechnik“ erfasst dies nicht vollständig.

Beim ständigen Wechsel zwischen unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Lebensstilen und Traditionen hat mich meine, manchmal widersprüchliche Interkulturellität für Fragen der Migration, des Exils und der menschlichen Dramen sensibilisiert, die durch diese hervorgerufen und verursacht werden. Da ich allzeit in bewusster Bewegungfreiheit lebe, habe ich ein tiefes Mitgefühl mit allen, die ihres Schicksals wegen und für diejenigen, die sie lieben, gezwungen sind, anderswohin umzusiedeln. Durch dieses Bewusstsein – und die Tatsache, dass die Länder, in denen ich zu Hause bin, in Kämpfe um Zugehörigkeit und Ausgrenzung verwickelt sind – beschäftigt sich meine Arbeit mit sehr aktuellen Fragestellungen, wie den sich ständig ändernden Konzeptionen von Territorium und Grenze, dem Status von Wasser und anderen Ressourcen, die über internationale Grenzen hinweg fließen.

Meine Arbeit ist politisch. Sie interessiert sich aber nicht vordergründig für Politik an sich, sondern dafür, wie diese die Schicksale von Menschen und Gruppen gestaltet. Weder eine historische noch eine journalistische Herangehensweise, weder Zeugnis noch eine Darstellung von Konflikten ist dabei meine Intention. Im Gegenteil, die Räume, die ich durch meine Arbeit (wieder er-)schaffe, sind eher symbolisch als geografisch zu verstehen.

Auf einem kurvenreichen Weg zwischen Photographie, Radierung, Malerei und anderen Techniken schaffe ich Fiktionen. Wie Roland Barthes in seiner Schrift „Die helle Kammer“ erklärt, erwerben selbst die Orte, die von einer Vergangenheit durchdrungen sind, die aber in der Zeit eingefroren zu sein scheinen (wie bei biblischen Orten), eine mehrdeutige und verstörende Zeitlichkeit, die zwischen dem Ewigen und dem Flüchtigen schwankt: „Was die Photographie bis zur Unendlichkeit reproduziert, ist nur einmal passiert: Die Photographie wiederholt mechanisch das, was existentiell nie wiederholt werden konnte.“ Dieser Endpunkt bzw. dies abschließende Urteil erweist sich als Möglichkeit und Herausforderung in meiner Arbeit, da das photographische Bild eher Anfang als Ende des Abbildungsprozesses ist. Das Wesentliche entsteht danach, durch gemalte oder radierte Okklusionen, die das photographisch Dargestellte verdecken, um unsichere und undefinierte Räume anzudeuten, deren Realität verdächtig ist. Zwischen dem Ausgangspunkt – einer Photographie eines tatsächlichen Ortes – und dem Endergebnis – einem künstlerischen Bild – schaffe ich einen unschlüssigen Raum des Aufenthaltes oder Verweilens im Angesicht des Unbestimmten.

Lihie Talmor Adamit
Das Magazin zur Aussellung MAGnEUROPA kann kostenfrei heruntergeladen werden oder in der Galerie erworben werden.
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