{"id":56337,"date":"2021-12-09T10:21:58","date_gmt":"2021-12-09T10:21:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturaktiv.org\/geschichten-und-erinnerungen-von-barbara\/"},"modified":"2022-05-03T09:23:28","modified_gmt":"2022-05-03T09:23:28","slug":"geschichten-und-erinnerungen-von-barbara","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturaktiv.org\/en\/geschichten-und-erinnerungen-von-barbara\/","title":{"rendered":"Stories and memories of Barbara"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group alignwide is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top is-style-default\" style=\"grid-template-columns:auto 30%\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Gorbitz-2_C_Elena_Pagel_021-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53834 size-full\" srcset=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Gorbitz-2_C_Elena_Pagel_021-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Gorbitz-2_C_Elena_Pagel_021-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Gorbitz-2_C_Elena_Pagel_021-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Gorbitz-2_C_Elena_Pagel_021-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>At <strong><em><a href=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/en\/treffpunkt-ostzone-remember-and-shape\/\">Treffpunkt ostZONE. Remembering and Shaping<\/a><\/em><\/strong>, every biography was valued &#8211; across generations and interculturally. Some participants wrote down their stories and memories about life in the GDR or expanded their personal collections, which had been created well before the project. The focus was on short stories about life and everyday life in the GDR.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara <\/strong>gave us her notes and agreed to publish them.<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-palette-color-5-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-palette-color-1-color has-text-color\"><strong>Stories and memories of Barbara<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-palette-color-1-color has-text-color has-small-font-size\"><a href=\"#1\">Plattenbaugebiet als Zentrum<\/a> | <a href=\"#2\" data-type=\"internal\" data-id=\"#2\">Regen \u00fcberall<\/a> | <a href=\"#3\">Schreck in der Morgenstunde<\/a> | <a href=\"#4\">Ausflug im Trabi<\/a> | <a href=\"#5\">Futterneid<\/a> | <a href=\"#6\">Nachl\u00e4ssigkeit<\/a><br><a href=\"#7\">Eistr\u00e4ume aus Kindertagen<\/a> | <a href=\"#8\">Dornen und Stacheln<\/a> | <a href=\"#9\">Schl\u00fcpfrigkeiten<\/a> | <a href=\"#10\">Einkaufen macht Spa\u00df<\/a> | <a href=\"#11\">Falsche Interpretation<\/a><br><a href=\"#12\">Mein Wagen<\/a> | <a href=\"#13\">Experiment mit Radieschen<\/a> | <a href=\"#14\">Nacktblende<\/a> | <a href=\"#15\">Sauer macht nicht immer lustig<\/a> | <a href=\"#16\">Der Affenbrotbaum<\/a><br><a href=\"#17\">Volksr\u00f6ntgenaktion in der DDR<\/a> | <a href=\"#18\">Spickzettel<\/a> | <a href=\"#19\">Pionierveranstaltung mit Folgen<\/a> | <a href=\"#20\">Naivit\u00e4t<\/a> | <a href=\"#21\">Wo steht mein Bett?<\/a> | <a href=\"#22\">Ehekredit<\/a><br><a href=\"#23\">Der Freitaler Wasserfall<\/a> | <a href=\"#24\">Alles Banane<\/a> | <a href=\"#25\">Die T\u00e4uschung<\/a> | <a href=\"#26\">Graue Gardinen<\/a> | <a href=\"#27\">Der kleine Unterschied<\/a> | <a href=\"#28\">Freesien im Oktober<\/a><br><a href=\"#29\">Das pupsende Kleinkind<\/a> | <a href=\"#30\">P\u00e4dagogik, die nicht griff<\/a> | <a href=\"#31\">Ernst muss weg<\/a> | <a href=\"#32\">Spieglein, Spieglein an der Wand<\/a><br><a href=\"#33\">Der Tod geh\u00f6rt zum Leben<\/a> | <a href=\"#34\">Die Spinne<\/a> | <a href=\"#35\">Das falsche Geburtstagsgeschenk<\/a> | <a href=\"#36\">Der Zoo im Auto<\/a> | <a href=\"#37\">L\u00fcgen haben kurze Beine<\/a><br><a href=\"#38\">Spiegelung des Verhaltens oder Wie erziehe ich einen Mann<\/a> | <a href=\"#39\">Der Punkt<\/a> | <a href=\"#40\">Die Kuckucksuhr<\/a> | <a href=\"#41\">Die goldenen Zwanziger<\/a><br><a href=\"#42\">Die Henne und das Ei<\/a> | <a href=\"#43\">Anordnung zur Corona &#8211; Schutzimpfung<\/a> |  <a href=\"#44\">Gedanken zum 40. Jahrestag der Grundsteinlegung f\u00fcr das Neubaugebiet Dresden&nbsp;&#8211;&nbsp;Gorbitz<\/a><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"1\"><strong>Plattenbaugebiet als Zentrum<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Genau wie mit meinen ersten vier Kindern, \u00fcbte ich auch mit meinen letzten zwei S\u00f6hnen im Grundschulalter flei\u00dfig. Besonders vor Klassenarbeiten gingen wir den Lehrstoff nochmals durch. In der 3. Klasse ging es im Fach Sachkunde in einer Arbeit um Geographie. Der \u00c4lteste von beiden bereitete sich intensiv darauf vor. Trotzdem passierte es. Eine Aufgabe bestand darin, f\u00fcnf L\u00e4nder Europas zu benennen. Da sein Vater ein ehemaliger DDR &#8211; Vertragsarbeiter aus Vietnam ist, holte er dieses Land gleich einmal nach Europa. Ist das nun gelungene Integration?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sein j\u00fcngerer Bruder musste vier Jahre sp\u00e4ter auch diese Arbeit schreiben. Erneut \u00fcbte ich auch mit ihm. Die L\u00e4nder Europas kannte er. Nur fiel ihm unter dem Druck der Arbeit die Hauptstadt von Deutschland nicht ein. Ganz unkompliziert machte er Dresdens gr\u00f6\u00dftes Plattenbaugebiet Gorbitz zur Hauptstadt. Mit rotem Stift schrieb die Lehrerin ganz gro\u00df \u201eKlasse\u201c dahinter. Versehen mit drei Ausrufezeichen. Auch ich habe eigentlich nichts gegen diese Idee einzuwenden. Ist doch der Draht nach \u201eoben\u201c dann recht kurz f\u00fcr mich.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"2\"><strong>Regen \u00fcberall<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Unbezahlbar, wer Geschwister hat. Mit Bruder oder Schwester entwickelt sich zum Gl\u00fcck oft eine lebenslange Freundschaft, die sich durch nichts ersetzen l\u00e4sst. Zwar streiten sich Geschwister auch hin und wieder \u2013 h\u00e4ufig im Kindesalter \u2013 jedoch der Zusammenhalt ist st\u00e4rker. Besonders, wenn es gegen die Eltern geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im November 1960 bekam ich zu meinem 3. Geburtstag neben einem Puppenwagen einen kleinen Regenschirm. Ich liebte ihn sehr. Auch Jahre sp\u00e4ter noch. Im Fr\u00fchjahr 1964 gab es mal wieder einen Regentag. Es regnete in Str\u00f6men und wollte nicht aufh\u00f6ren. Fasziniert standen mein 3-j\u00e4hriger Bruder und ich an der Balkont\u00fcr und schauten und h\u00f6rten dem Szenarium zu. Meine Mutter musste dringend einkaufen. Die Gesch\u00e4fte waren gleich gegen\u00fcber. Sie entschloss sich, uns zu Hause zu lassen. Kein Betteln half.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Damals hatten wir noch kein Kinderzimmer. In der Stube nahm ich meinen Kinderstuhl aus der Spielecke und stellte ihn vor die Balkont\u00fcr. Ein Stuhl vom Esstisch war schnell dahinter ger\u00fcckt. Zuerst setzte ich meinen Bruder auf den Kinderstuhl und dr\u00fcckte ihm den aufgespannten Regenschirm in die Hand. Er besa\u00df eine kleine Gie\u00dfkanne mit T\u00fclle. Ich stellte mich auf den gro\u00dfen Stuhl dahinter und lie\u00df es regnen. Es h\u00f6rte sich an<s>,<\/s> wie drau\u00dfen. Dann wechselten wir.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der Stube war zu DDR-Zeiten Spannteppich ausgelegt. Das war Filz als Untermaterial und dar\u00fcber Linoleum. Dieses wurde dann am Rand gespannt und mit Leisten festgenagelt. Als meine Mutter wieder nach Hause kam, schwamm bereits die Stube. Sie hatte M\u00fche, alles schnell wieder aufzuwischen. Denn w\u00e4re das Wasser an einer Stelle unter das Linoleum gekommen, h\u00e4tte der Belag ausgetauscht werden m\u00fcssen. Meine Mutter lie\u00df uns nie wieder allein.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"3\"><strong>Schreck in der Morgenstunde<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auf einer Messe gewann ich als kleines Kind per Los ein Kaninchen. Ich wusste nicht, dass es sich um ein schlachtreifes handelte. In einem kleinen Verschlag kam es bei meinen Eltern auf den Balkon. Als Erstes sah ich jeden Morgen nach meinem Murkel. Erst danach fr\u00fchst\u00fcckte ich. Wir zwei waren ein Herz und eine Seele. Nur welch ein Schreck! Eines Morgens war die T\u00fcr des Verschlages offen. Nirgends konnte ich meinen Murkel auf dem Balkon finden. \u201eEs ist bestimmt vom Balkon gesprungen\u201c, sagte meine Mutter. Entsetzt schaute ich nach unten. Nur, auch dort lag kein Kaninchen. \u201eIhr sagt doch immer, dass wir auf dem Balkon vorsichtig sein m\u00fcssen. Wenn wir runterfallen, sind wir tot. Unten liegt unser Kaninchen nicht\u201c, erwiderte ich. \u201eKaninchen sind klein und leicht. Sie \u00fcberleben das. Es ist bestimmt davon gehoppelt\u201c, tr\u00f6stete mich meine Mutter. Ein wenig war ich beruhigt, aber immer noch traurig. Dass ich am n\u00e4chsten Tag zu Mittag meinen Murkel gegessen habe, verschwiegen mir meine Eltern.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"4\"><strong>Ausflug im Trabi<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wir schreiben das Jahr 1986. Mein Bruder war damals 25 Jahre alt. Mit seiner Frau hatte er bereits zwei Kinder. Der \u00c4lteste war acht Jahre und die J\u00fcngste vier&nbsp;Jahre alt. Leider besa\u00df die junge Familie noch kein Auto. Meine Familie bestand&nbsp;ebenfalls aus vier&nbsp;Personen. Unsere T\u00f6chter waren sechs und drei&nbsp;Jahre alt. Und wir hatten einen Trabi.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In den Herbstferien beschlossen wir einen Ausflug in die S\u00e4chsische Schweiz. Nat\u00fcrlich mit acht&nbsp;Personen. Im Felsenlabyrinth konnten sich die Kinder mal so richtig austoben. Die Sonne schien, keine Wolke war am Himmel zu sehen. Wir hatten unseren Spa\u00df und waren gl\u00fccklich und zufrieden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als wir zur\u00fcck auf den Parkplatz kamen, stand neben unserem Trabi ein Mercedes aus Westdeutschland. Ein \u00e4lteres Ehepaar war gerade ausgestiegen. Wir beachteten sie nicht weiter. Sie aber uns. Wir \u00f6ffneten die T\u00fcren. Zuerst stieg unsere \u00e4lteste Tochter ein, dann der Sohn meines Bruders. Sie setzten sich hinten in die Mitte. Dann setzte sich meine Schw\u00e4gerin auf die eine Seite daneben und ich auf die andere. Anschlie\u00dfend nahmen wir die 2 j\u00fcngsten M\u00e4dchen auf den Schoss. Mein Bruder nahm auf dem Beifahrersitz Platz und mein Mann auf dem Fahrersitz. Das \u00e4ltere Ehepaar stand mit offenen M\u00fcndern an seinem Auto. Als mein Mann aus der Parkl\u00fccke rausfuhr, sagte mein Bruder zu ihm: \u201eStopp mal.\u201c Er drehte die Scheibe runter und wandte sich an das Ehepaar. \u201eDamit sie Bescheid wissen, meine Schwester, die hinter mir sitzt, ist schwanger.\u201c Er kurbelte das Fenster wieder hoch und meinte zu meinem Mann: \u201eSo, nun kannst du weiterfahren.\u201c Noch an der Ausfahrt vom Parkplatz konnten wir sehen, dass sich das Ehepaar keinen Schritt bewegt hat. Sie schauten uns noch immer nach. So etwas hatten sie bestimmt noch nicht erlebt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"5\"><strong>Futterneid<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bei manchen Menschen sind die Augen gr\u00f6\u00dfer als der Mund. Andere wiederum k\u00f6nnen gar nicht genug bekommen. Es ist manchmal erstaunlich, wie viel so ein Magen aufnehmen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auch einige Kinder futtern so viel, wie der Teller hergibt und noch mehr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Einer&nbsp;meiner Jungen war so. Mit 18 Monaten kam er in die Kinderkrippe. Schnell merkte er, wo das Essen herkam. Oft entwich er den Erzieherinnen, die ihn dann suchten. Ein L\u00e4cheln konnten sie sich nicht verkneifen. Stets sa\u00df er seelenruhig vor dem Essenslift und harrte der Dinge, die da kommen. Es kam nur nichts. Selbst, wenn ich ihn abholte und die Kinder bei Sonnenschein im Garten spielten, sagte die Erzieherin zu mir: \u201eEr sitzt wieder vor dem Essenslift.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Kindergarten konnte er auch nicht genug bekommen. Es war die Zeit nach der Wende, als die K\u00fcchen in den Einrichtungen abgebaut und das Essen angeliefert wurde. Die Kinderg\u00e4rtnerin erkl\u00e4rte es den Kindern und meinte: \u201eIhr d\u00fcrft mal probieren und sagen, wie es euch schmeckt.\u201c Mein Sohn lie\u00df sich als Erster geben. Er a\u00df schnell auf und stellte sich wieder an. \u201eDanke, es hat gut geschmeckt<s>.<\/s>\u201c, meinte er und hielt seinen leeren Teller wieder hin. Er war der Annahme, dass nach der Kostprobe das richtige Essen kommt. V\u00f6llig entt\u00e4uscht musste er begreifen, dass das bereits sein Essen war. Nach dem Essen holte ich ihn ab. Seine \u00e4lteren Geschwister a\u00dfen nach Schulschluss zu Hause. Oft wollte er auch mitessen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Da er meistens nach dem Mittag bereits Kuchen wollte, musste ich zu einer Ma\u00dfnahme greifen. Vor 15 Uhr gab es keinen Kuchen. Er schaute immer auf die Uhr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der 9. Klasse stand ein Praktikum an. Er kam sp\u00e4t nach Hause. Trotzdem erkl\u00e4rte er mir, dass er dann noch Mittagessen haben m\u00f6chte. &#8216;Na warte, mein Junge. Jetzt kriege ich dich<s>.<\/s>&#8216; , dachte ich. Als er kam, stellte ich ihm&nbsp;sein Mittagessen hin. Dazu ein St\u00fcck Obst, wie \u00fcblich. Auf dem n\u00e4chsten Teller lagen zwei St\u00fcck Kuchen. Dahinter ein Teller mit zwei belegten Schnitten, denn es war bereits 18 Uhr. Dazu das Obst f\u00fcr das Abendessen. Mal sehen, wenn er streikt. Zu&nbsp;meinem Erstaunen a\u00df er alles hintereinander auf, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich konnte nur meinen Kopf sch\u00fctteln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Jetzt, mit 31 Jahren, hat er sein Essverhalten ge\u00e4ndert, nachdem er merkte, dass \u00fcber 90 kg K\u00f6rpergewicht doch nicht ideal sind. 78 kg reichen zu.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"6\"><strong>Nachl\u00e4ssigkeit<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gottes M\u00fchlen mahlen langsam, jedoch sie mahlen. Dies gilt auch f\u00fcr weltliche Beh\u00f6rden und \u00c4mter. Selbst Gerichte sind nicht ausgenommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Sommer 2016 lag ein Gerichtsschreiben in meinem Briefkasten. Keiner mag solche Briefe. Ich auch nicht. Es stellte sich heraus, dass endlich der Versorgungsausgleich gekl\u00e4rt werden sollte. Fast 20 Jahre nach der Scheidung. Wow! Allerdings gab es ein Problem. Durch das Elbehochwasser im August 2002 wurden viele archivierten Akten vernichtet. Aus diesem Grund sollte ich Akten beibringen. Mein erster Gedanke war der, dass ich mein damaliges Aktenzeichen vom Sozialamt angebe. Vielleicht existieren dort noch die Unterlagen. Schlie\u00dflich hatten sie jahrelang jedes Blatt f\u00fcr ihre Akten kopiert. Ich entschied mich anders. Eine Woche sp\u00e4ter rief ich beim Gericht an und vereinbarte mit der Bearbeiterin einen pers\u00f6nlichen Termin. Sie sollte selber schauen, was sie braucht. Ich hatte \u00fcber 100 Seiten. Die nette Dame erkl\u00e4rte mir noch, dass sie im Anbau sitzt. Von au\u00dfen kannte ich diesen. Ich nahm an, dort befinden sich nur B\u00fcros. Fehlanzeige! Als ich f\u00fcnf Minuten vor dem Termin ankam, musste ich feststellen, dass auch hier Kontrollen durchgef\u00fchrt werden. Ein wenig Panik stieg, wegen des Zeitdrucks, bei mir auf. Ich liebe Handtaschen mit mehreren kleinen F\u00e4chern. Dadurch muss ich nicht w\u00fchlen, sondern wei\u00df stets, wo sich was befindet. Die Dame schaute zuerst in meinen Stoffbeutel mit den Akten. Dann \u00f6ffnete sie von meiner Handtasche kurz das Hauptfach und lie\u00df mich passieren. Puh, noch einmal gut gegangen. P\u00fcnktlich klopfte ich an der Zimmert\u00fcr.&nbsp; Nachdem wir alles gekl\u00e4rt hatten, fragte ich, was die Kontrollen im Erdgeschoss sollten. \u201eSie wissen doch, dass im Juli 2009 bei einer Gerichtsverhandlung die \u00c4gypterin&nbsp;Marwa&nbsp;El-Sherbini&nbsp;erstochen wurde.\u201c \u201eJa.\u201c sagte ich. \u201eEs geht auch um ihre Sicherheit. Die Kontrollen im Erdgeschoss sollten eigentlich gr\u00fcndlich sein. Schauen sie mal, was ich hier habe.\u201c Ich holte aus meiner Handtasche mein kleines Damentaschenmesser, was ich immer dabeihabe. Entsetzt sah mich die Bearbeiterin an. Bei der n\u00e4chsten Dienstberatung wollte sie das Thema ansprechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Anschlie\u00dfend hatte ich Zeit. Ich beschloss, noch einmal die Dame am Einlass anzusprechen. \u201eSie sollten etwas sorgf\u00e4ltiger kontrollieren<s>.<\/s>\u201c, sagte ich ihr, \u201eich habe ein Taschenmesser dabei.\u201c Im besten Dresdner Dialekt antwortete sie mir: \u201eNu, warum sagen sie das nicht?\u201c Ich machte, dass ich nach drau\u00dfen kam. Dort konnte ich einen Lachanfall nicht unterdr\u00fccken. &#8216;Am besten,&#8217; dachte ich, &#8216;ihr h\u00e4ngt ein Schild \u00fcber euren Tresen mit dem Text: Mordabsichten hier anmelden! Dazu Anmeldeformulare in mehreren Sprachen. Der letzte Abschnitt, vor der&nbsp;Unterschriftenleiste, sollte lauten: Unternehmen Sie nichts. Warten Sie auf unsere abschl\u00e4gige Antwort.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"7\"><strong>Eistr\u00e4ume aus Kindertagen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Es \u00fcberkam mich wieder einmal. Kein Weg ging daran vorbei. Das Ziel zog mich magisch an. Endlich stand ich vor der original Eisbar an der St. Petersburger Stra\u00dfe in Dresden. Am liebsten h\u00e4tte ich mir eine gro\u00dfe Portion, eingeh\u00fcllt in drei muschelf\u00f6rmigen Waffeln, gekauft. Nur mit 63 Jahren bekommt man \u00dcbergewicht schwerer wieder runter. Also eine mittlere Portion mit 2 Waffeln tut es auch. Obwohl dieses leckere Eis weniger Kalorien hat, als man glaubt. Das Eis tut der Seele gut. Es werden Kindheitserinnerungen wach. Oft stand ich mit meinen Gro\u00dfeltern oder Eltern am&nbsp;Fucik-Platz,&nbsp;dem&nbsp;heutigen Stra\u00dfburger Platz, am mobilen Haselbauer-Wagen. Mein Bruder und ich freuten uns auf das Eis. Das Warten nahmen wir in Kauf. Sogar mit K\u00fchltaschen standen Leute an. Durch kleine Spielchen verk\u00fcrzte Opa oft die Wartezeit.&nbsp;Meistens wurde der Ausflug mit einer Fahrt in der Pioniereisenbahn (heute Kindereisenbahn) verbunden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auch in der Jugendzeit endete ein Vogelwiesenbesuch bei Haselbauer. Manchmal kaufte man sich als Paar ein Eis. Zuerst schleckte man am Eis wechselseitig und anschlie\u00dfend seinen Partner\/Partnerin ab. Erste kleine zarte, liebevolle Ann\u00e4herungsversuche.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Jahre nach der Wende war ich entsetzt, als ich von der Aneignung des Wortes \u2013 Haselbauer \u2013 durch eine fremde Person h\u00f6rte. Zum Gl\u00fcck verf\u00fcgt sie nicht \u00fcber das Original-Rezept. Der Traditionsfamilie halte ich weiterhin die Treue und kann das Eis bestens weiterempfehlen. Schaut einfach mehrmals an der St. Petersburger Str. 32 vorbei.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"8\"><strong>Dornen und Stacheln<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auch wenn ich es mir kaum vorstellen kann, ich war einmal ein Kleinkind und mein Vater ein junger Mann. Mit Leidenschaft sammelte er Kakteen und Sukkulenten. Meiner Mutter waren es oft zu viele.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als ich 2 Jahre alt war, stand ein Umzug ins Haus. In der neuen Wohnung musste alles wieder an seinen Platz gestellt bzw. ein neuer gefunden werden. Das dauert seine Zeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Eine Kiste mit den gro\u00dfen stachligen Kakteen stand noch auf dem Fu\u00dfboden und wartete darauf, aufger\u00e4umt zu werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am Abend durfte ich in die neue Badewanne. Welch ein Vergn\u00fcgen! Ausgelassen planschte ich im Wasser. Als meine Mutter mich&nbsp;rausholte&nbsp;und abtrocknen wollte, entwischte ich ihr und rannte nass und nackig um den runden Esstisch herum. Dabei verlor ich die Balance und landete mit meinem Hintern in der Kakteenkiste. Schreiend legte mich meine Mutter auf dem Bauch auf unseren Esstisch. Mittels Pinzette holte sie mir in einer schmerzhaften Prozedur jeden Stachel und jede Dorne einzeln aus dem&nbsp;Hintern. Es dauerte seine Zeit, wie man sich vorstellen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bis heute habe ich ein gespaltenes Verh\u00e4ltnis zu Kakteen. Ich erfreue mich lieber an Zimmerpflanzen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"9\"><strong>Schl\u00fcpfrigkeiten<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wer kennt sie noch? Diese alten Baumwollschl\u00fcpfer, die st\u00e4ndig so rau waren und kratzten? Da sie w\u00e4rmen sollten, gingen sie bis zum Knie. Schrecklich! Schon als 2-J\u00e4hrige habe ich mich dagegen gewehrt. Ich wollte sie nicht anziehen und machte stets Theater. Damals wohnten meine Eltern noch mit meinen Gro\u00dfeltern gemeinsam in einer Wohnung. Meine Omi versuchte es \u00f6fters&nbsp;mit \u00dcberredungsk\u00fcnsten. \u201eSchau, ich trage doch auch solche.\u201c&nbsp;sprach sie&nbsp;und hob als Beweis ihren Rock hoch. Es kam, wie es kommen musste. Schon Ende der 50er<s>&nbsp;<\/s>Jahre gab es beim Einkaufen Warteschlangen. Die sozialistische Wartegemeinschaft war bereits damals Realit\u00e4t. Mir wurde langweilig. Pl\u00f6tzlich fiel mir ein, dass meine Omi mir heute noch nicht ihre Unterw\u00e4sche gezeigt hatte. Mit der Lautst\u00e4rke eines Kleinkindes fragte ich: \u201eOmi hast du heute wieder den langen Schl\u00fcpfer an?\u201c Gleichzeitig hob ich ihren Rock hoch. Alle lachten. Nur meine Omi nicht. Mit hochrotem Kopf und mir an der Hand verlie\u00df sie den Laden. Nie wieder hob sie in meiner Gegenwart ihren Rock hoch.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"10\"><strong>Einkaufen macht Spa\u00df<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Anfang der sechziger Jahre wurden in der damaligen DDR die ersten Selbstbedienungsl\u00e4den von der HO er\u00f6ffnet. Mein Bruder ist&nbsp;im&nbsp;M\u00e4rz 1961 zur Welt gekommen. An einem sch\u00f6nen Sommertag ging meine Mutter mit uns Kindern einkaufen. Friedlich schlief mein Bruder im Kinderwagen. Wie&nbsp;seinerzeit \u00fcblich, stellte meine Mutter den Kinderwagen vor dem Laden ab. Mit meinen 3 Jahren beobachtete ich alles. Meine Mutter nahm, wie die anderen Frauen auch, am Eingang einen Metallkorb. Dann&nbsp;legten sie aus den Regalen etwas in ihre K\u00f6rbe hinein. Am Ausgang war ein Tisch, wo sich eine Verk\u00e4uferin befand. Dort gingen die Frauen vorbei und wechselten ein paar freundliche Worte mit ihr. Meine Mutter war besch\u00e4ftigt. Also nahm auch ich mir einen leeren Korb. Am S\u00fc\u00dfwarenregal legte ich von jeder Schokolade zwei Tafeln bzw. T\u00fcten in meinen Korb. Die Verk\u00e4uferin am Ausgang war besch\u00e4ftigt und interessierte sich nicht f\u00fcr kleine Kinder. Au\u00dferdem wusste ich nicht, welche Aufgabe sie hatte. Drau\u00dfen legte ich von jeder Sorte eine Tafel bzw. T\u00fcte auf die Kinderwagendecke. Wenn er munter ist, wird mein Bruder sich schon bedienen, dachte ich. Selber setzte ich mich auf die Stufen vorm Laden und \u00f6ffnete eine Tafel Schokolade. Ich konnte nicht verstehen, warum die Erwachsenen auf einmal so aufgeregt waren. Sie haben es doch auch so gemacht. Leider musste meine Mutter die angerissene Tafel Schokolade bezahlen. Alles andere konnte sie zum Gl\u00fcck&nbsp;zur\u00fcckgeben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Kleine Kinder sollte man nie aus den Augen verlieren. Ihre Gedanken sind unergr\u00fcndlich.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"11\"><strong>Falsche Interpretation<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ein gro\u00dfes und wichtiges Ereignis ist f\u00fcr jedes Kind die Schuleinf\u00fchrung. Der Tag wird regelrecht&nbsp;herbeigesehnt. Stolz tr\u00e4gt jeder seine Zuckert\u00fcte nach Hause. Die Fotos bleiben noch Generationen danach erhalten. Jedoch ist der Tag schnell vorbei und das Abenteuer Schule beginnt. Bei mir gab es gleich in der ersten Woche Schwierigkeiten. Und das kam so: zum Pausenklingeln erkl\u00e4rte die Lehrerin: \u201eLiebe Kinder, morgen machen wir an diesem Punkt weiter.\u201c Danach verlie\u00df sie den Klassenraum. Es war ganz in meinem Sinn. Also nahm ich meinen Ranzen und ging nach Hause. Was die anderen Kinder machten, interessierte mich nicht. War deren Sache. Zu Hause angekommen, war meine Mutter total erschrocken. Wahrheitsgem\u00e4\u00df erz\u00e4hlte ich ihr alles. Sofort brachte sie mich zur\u00fcck zur Schule. Dort war der Lehrerin mein Fehlen noch nicht einmal aufgefallen. Diesen Satz h\u00f6rte ich allerdings nie wieder von ihr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sp\u00e4ter konnte sich meine Lehrerin auf gemeine Art und Weise revanchieren. In einem Diktat ging es ums Einkaufen. Bei der R\u00fcckgabe der korrigierten Arbeiten mussten ein Mitsch\u00fcler und ich nach vorn. Unsere Lehrerin warf uns vor, dass wir gestohlen haben. \u201eDas w\u00fcrde ich nie tun.\u201c kommentierte ich diese Anschuldigungen entsetzt. \u201eDoch.\u201c erwiderte sie. \u201eIhr habt in der HO (Handelsorganisation der DDR) Milch, Eier und Butter gestohlen.\u201c Sofort war mir klar, worum es ging. Der Satz im Diktat lautete: Ich stelle in den Korb Milch, Eier und Butter. Mein Mitsch\u00fcler und ich hatten jedoch stehlen geschrieben. Ich war erleichtert, dass der Vorwurf vom Tisch war. Diesen Fehler machte ich nie wieder.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"12\"><strong>Mein Wagen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als ich ungef\u00e4hr 8 Jahre alt war, wurde meine Mutter leider krank. Sie lag fast ausschlie\u00dflich im Bett. Der Arzt machte Hausbesuche. Mein Vater konnte arbeitsbedingt nicht bei der Familie sein. Er kam nur aller 14 Tage zum Wochenende f\u00fcr 1,5 Tage, da damals auch sonnabends gearbeitet wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich half meiner Mutter so gut es ging. Fegen und auch meinen Bruder ins Bett bringen konnte&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ich. Unsere Nachbarin schaute laufend nach uns. Sie kochte auch f\u00fcr uns. Da sie aus Schlesien stammte, schmeckte mir das Essen besonders gut. Es war einmal etwas anderes. Auch einkaufen ging ich. Die L\u00e4den waren nicht weit. Meine Mutter schrieb den Einkaufszettel und legte das Geld dazu. Ich nahm meinen stabilen Puppenwagen. Meine Puppe musste zu Hause bleiben. Am Gem\u00fcseladen angekommen, stellte ich ihn davor ab. Ich ging hinein und \u00fcbergab der Verk\u00e4uferin den Zettel und die Geldb\u00f6rse. Anschlie\u00dfend wurde ich von der Verk\u00e4uferin besorgt gefragt: \u201eWie willst du das denn alles nach Hause tragen?\u201c Ich streckte mich und&nbsp;mit stolz erhobenem Kopf&nbsp;verk\u00fcndigte ich f\u00fcr alle gut h\u00f6rbar: \u201eDrau\u00dfen steht doch mein Wagen.\u201c Warum alle lachten verstand ich nicht. Meiner Mutter wurde diese Geschichte sp\u00e4ter zugetragen. So ist sie bis heute noch Gespr\u00e4ch in der Familie.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"13\"><strong>Experiment mit Radieschen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Jedes Jahr war meine Mutter \u00f6fters voll besch\u00e4ftigt mit dem Einkochen von Obst und Gem\u00fcse. F\u00fcr uns Kinder sah es nach viel Arbeit aus und wir mieden die K\u00fcche. Was uns aber nicht davon abhielt, heimlich Kirschen zu stibitzen. Auch gr\u00fcne Bohnen schmeckten uns roh. Die fertigen Gl\u00e4ser kamen wohl geordnet, mit Datum versehen, in den Keller ins Regal. Eines Tages kam mein Vater auf die Idee, Radieschen einzukochen. Als Chemiker h\u00e4tte er es eigentlich besser wissen m\u00fcssen. Meine Mutter versuchte vergeblich, ihn vom Gegenteil zu \u00fcberzeugen. Mein Vater \u00fcbernahm sein Experiment h\u00f6chst&nbsp;pers\u00f6nlich. Er verstaute seine zwei&nbsp;Gl\u00e4ser im Keller bei den anderen. Sechs&nbsp;Monate sp\u00e4ter kam meine Mutter mit den beiden Gl\u00e4sern&nbsp;in der Hand aus dem Keller. Sie stellte sie auf den K\u00fcchentisch. In einer total milchigen Br\u00fche waren nur vereinzelt rote Punkte zu sehen. Meine Mutter wollte die Gl\u00e4ser so, wie sie waren, entsorgen. Mein Vater bestand darauf, ein Glas probeweise zu \u00f6ffnen und tat es auch. Ich rannte fluchtartig aus der K\u00fcche. Diesen fauligen modrigen Gestank hielt kein Mensch aus! Mir wurde schlecht und ich musste mich \u00fcbergeben. Wochenlang hielt sich der&nbsp;Geruch, trotz st\u00e4ndigen L\u00fcftens und Durchzug, in der Wohnung. Selbst heute noch, 55 Jahre sp\u00e4ter beim Aufschreiben der Geschichte, wird es mir gedanklich schlecht. Ich habe dann diesen \u00fcblen Geruch wieder in der Nase.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"14\"><strong>Nacktblende<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein Vater war nicht nur leidenschaftlicher Kakteensammler. Er fotografierte auch sehr gern. Bei Spazierg\u00e4ngen, Feiern und Urlauben&nbsp;hatte er neben seinem&nbsp;Fotoapparat auch eine kleine Tasche mit verschiedenen Blenden bei sich. \u00d6fters wechselte er diese an seiner Kamera. Es war die Zeit der Dias. Zu Hause erfolgten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden bei schlechtem Wetter die Diavortr\u00e4ge.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich war damals 8 Jahre alt. Einmal verga\u00df mein Vater, ein Dia im Voraus raus zu nehmen. Es war ein Aktfoto von meiner Mutter, aufgenommen im Sommer im Abendlicht. Sie lag zwischen kleinen Tannenb\u00e4umchen. Ich war entsetzt. Schon am FKK-Strand hatte ich mich anfangs geziert, jedoch schnell daran gew\u00f6hnt. Aber das hier ging mir eindeutig zu weit. Ich stellte meinen Vater zur Rede. \u201eDie Mutti war angezogen<s>.<\/s>\u201c,&nbsp;beruhigte er mich. \u201eIch besitze eine Nacktblende. Diese blendet bei Menschen die Kleidung aus.\u201c Ich glaubte ihm&nbsp;und war f\u00fcr den Moment beruhigt. Allerdings hatte mein Vater zwei&nbsp;Jahre lang nun mit mir ein Riesenproblem. Ich lie\u00df mich von ihm nicht mehr fotografieren. Die Angst, unbekleidet auf den Fotos zu erscheinen, war zu gro\u00df. Auch die Versicherung meines Vaters, dass er anf\u00e4nglich gelogen hatte, half nicht. Ich glaubte ihm&nbsp;nicht mehr. Mit zunehmender Reife kam aber bei mir die Erleuchtung und Fotografieren war erlaubt.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"15\"><strong>Sauer macht nicht immer lustig<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bereits bei meinen ersten Leseversuchen bekam&nbsp;ich von meinen Eltern die ABC &#8211;&nbsp;Zeitung zum Geburtstag geschenkt. Sie erschien einmal monatlich. Genauso, wie die&nbsp;Fr\u00f6si&nbsp;(Fr\u00f6hlich sein und singen). Nach den Anfangsjahren verdr\u00e4ngte diese bei mir die ABC &#8211;&nbsp;Zeitung. In der&nbsp;Fr\u00f6si&nbsp;standen jedes Mal auch verschiedene Gerichte und Backrezepte zum Ausprobieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Einmal entdeckte ich ein Rezept, nach welchem S\u00fclze selbst hergestellt werden konnte. Mein Vater und ich a\u00dfen sehr gern Saures. S\u00fclze war einfach lecker. Mein Vater war bereit, es mit mir zu probieren. Meine Mutter wurde beauftragt, die Zutaten zu besorgen. Sie wandte zwar ein, dass ein Druckfehler enthalten war. Ihrer Meinung nach war bei der Angabe der Essigmenge das Komma verrutscht. Da bei ihr S\u00fclze nicht auf dem&nbsp;Speiseplan stand, wurde sie von uns \u00fcberstimmt. Schon bei der Zubereitung stank die K\u00fcche nach Essig. Sp\u00e4ter a\u00dfen mein Vater und ich tapfer die S\u00fclze, obwohl sie ungenie\u00dfbar war. Die Bl\u00f6\u00dfe wollten wir uns nicht geben. Es dauerte nicht lange und uns wurde schlecht. Wir lagen in unseren Betten, wenn wir nicht gerade auf der Toilette waren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Einen Monat sp\u00e4ter erschien in der n\u00e4chsten Ausgabe der Zeitschrift die Berichtigung. Der Druckteufel hatte zugeschlagen. Meine Mutter hatte recht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201eDas haben wir am eigenen Leib gesp\u00fcrt\u201c,&nbsp;war mein einziger Kommentar dazu.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"16\"><strong>Der Affenbrotbaum<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zu meinem 13. Geburtstag bekam ich einen Affenbrotbaum geschenkt. Meine erste Zimmerpflanze. Ein Blumenstrau\u00df stand immer auf dem Geburtstagstisch, aber noch nie eine Zimmerpflanze. Die Freude meinerseits war gro\u00df. T\u00e4glich k\u00fcmmerte ich mich um sie. An Wasser mangelte es nicht, davon bekam sie von mir reichlich. Irgendwann ging sie ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zu meinem 14. Geburtstag w\u00fcnschte ich mir ein Buch \u00fcber Zimmerpflanzen. Ich bekam es auch. Schnell schlug ich es auf und wollte wissen, was ich falsch gemacht habe. Unter der Rubrik Affenbrotbaum war der erste Satz:&nbsp;\u201eDer Affenbrotbaum ist eine unverw\u00fcstliche Pflanze.\u201c&nbsp;W\u00fctend schmiss ich das Buch in die Ecke und habe es nie wieder benutzt. Bis heute habe ich keinen gr\u00fcnen&nbsp;Daumen. Entweder \u00fcberleben die Pflanzen bei mir oder nicht. Meine Schw\u00e4gerin hat mir schon einen kleinen Affenbrotbaum angeboten, um mein Verh\u00e4ltnis zu Pflanzen wieder gerade zu r\u00fccken. Ich z\u00f6gere noch.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"17\"><strong>Volksr\u00f6ntgenaktion in der DDR<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zur Fr\u00fcherkennung von Tuberkulose wurde in der DDR viel getan. Es gab regelm\u00e4\u00dfig Volksr\u00f6ntgenaktionen. Die bekannten R\u00f6ntgenbusse waren gefragt und beliebt. Die Bev\u00f6lkerung lie\u00df sich stets r\u00f6ntgen. Auch ich kann mich noch gut an die Busse auf unserem&nbsp;Schulhof erinnern. Ein R\u00f6ntgenbus war f\u00fcr die Frauen und der andere f\u00fcr M\u00e4nner.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auch mein Vater ging zum R\u00f6ntgen. Eines Tages klingelte es an unserer T\u00fcr. Meine Mutter \u00f6ffnete. Zwei M\u00e4nner standen davor. Sie fragten nach meinem Vater. Er war auf Arbeit. Meine Mutter wurde kreidebleich. Das R\u00f6ntgenbild h\u00e4tte ergeben, dass er sterbenskrank w\u00e4re. Direkt von seiner Arbeitsstelle musste er ins Krankenhaus. Meiner Mutter stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Zum Gl\u00fcck kl\u00e4rte sich bald alles auf und die Farbe kehrte ins Gesicht meiner Mutter zur\u00fcck. Auch mein Vater war erleichtert. Das R\u00f6ntgenbild wurde verwechselt. Mein Vater war kerngesund.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich hoffe nur, dass der Betroffene noch rechtzeitig gefunden wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Insgesamt gesehen, waren diese gro\u00df angelegten Aktionen zu DDR-Zeiten eine gute Sache. Dadurch konnte manches Leben gerettet werden.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"18\"><strong>Spickzettel<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Seit Generationen von Sch\u00fclern gibt es sie. Die Spickzettel. F\u00fcr die Sch\u00fclerschaft der verschiedenen Jahrg\u00e4nge boten sich auch unterschiedliche M\u00f6glichkeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wenn ich heute mit meinen sechs Kindern dar\u00fcber rede, bekomme ich nur ein m\u00fcdes L\u00e4cheln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nat\u00fcrlich. Im Zeitalter der Technik gibt es ganz andere M\u00f6glichkeiten. Fr\u00fcher hat es aber auch Spa\u00df gemacht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Manchmal habe ich zum Beispiel&nbsp;die offene Art&nbsp;des Spickens gew\u00e4hlt. Unser Klassenleiter war gleichzeitig unser Chemielehrer. Er war ein nerv\u00f6ser, fahriger und zerstreuter Mann. Obwohl mein Vater Diplom-Chemiker war, habe ich Chemie gehasst. In der 8. Klasse war in Chemie wieder eine Arbeit angesagt. Ich schlug das Chemiebuch direkt vor mir auf. Pl\u00f6tzlich bekam ich einen Stupser von meinem Banknachbarn. Es war leider zu sp\u00e4t. Unser Lehrer stand direkt hinter mir. Innerhalb von Sekunden entwickelte ich eine&nbsp;Idee. \u201eK\u00f6nnten Sie mir bitte mal diesen Abschnitt hier erkl\u00e4ren. Ich verstehe es einfach nicht.\u201c Laut f\u00fcr alle erkl\u00e4rte er es bereitwillig. Ihm kam dabei gar nicht in den Sinn, dass wir gerade eine Arbeit schrieben. Meine Klassenkameraden grinsten und beugten sich \u00fcber ihre Arbeit. Ich bedankte mich mit den Worten: \u201eJetzt sehe ich klarer.\u201c In Wirklichkeit verstand ich nichts. Sogar beim Korrigieren der Arbeiten merkte unserer Lehrer nichts, sonst h\u00e4tte ich eine glatte F\u00fcnf gefangen. Das war zu DDR-Zeiten die schlechteste Zensur.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der 10. Klasse w\u00e4hlte ich Chemie als Pr\u00fcfungsfach. Mein Klassenlehrer war entsetzt und stellte mich zur Rede. \u201eSie und mein Vater werden mich schon nicht durchfallen lassen<s>.<\/s>\u201c war meine Antwort. Mein Plan ging auf. Die Drei auf dem Zeugnis hat mir dann auch gereicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als M\u00e4dchen konnten wir damals Anfang der 70er-Jahre unsere super kurzen Minir\u00f6cke benutzen. Der Spickzettel war schnell angeklebt. Keine Lehrerin oder Lehrer w\u00fcrde es wagen, den Saum&nbsp;umzudrehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Eine weitere M\u00f6glichkeit war die Westverwandtschaft meiner Eltern. Ich hatte eine kleine Kiste voller Kugelschreiber. In einem Klarsichtfeld war Werbung untergebracht. Drehte&nbsp;man am Stift, erschien eine neue Werbung. Diese Werbung konnte man entfernen und durch einen Spickzettel ersetzen. Nur musste ein Feld frei bleiben, f\u00fcr den Fall, dass der Lehrer neben einem&nbsp;stand. Da ich damals noch&nbsp;gute Augen hatte, konnte ich in kleiner Schrift viel unterbringen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vieles f\u00e4llt mir noch ein. Man kann ein Buch \u00fcber Spickzettel schreiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Noch ein paar&nbsp;passende Sprichw\u00f6rter zum Schluss: Dumm darf man aussehen, man muss sich nur zu helfen wissen. Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"19\"><strong>Pionierveranstaltung mit Folgen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nach erfolgreichem Abschluss&nbsp;meiner Lehre im Sommer 1976 wurde ich der Abteilung Lohnbuchhaltung zugeordnet. Diese bestand aus 16 Frauen, wovon die H\u00e4lfte \u00fcber 50 Jahre alt war und in absehbarer Zeit mit 60 in ihren wohlverdienten Ruhestand&nbsp;gehen w\u00fcrde. Es musste \u201efrisches Blut\u201c rein. Folgerichtig wurde mir auch gleich die Aufgabe als Verbindungsfrau zur Patenklasse einer nahe gelegenen POS zugewiesen. Dabei unterst\u00fctzte mich eine \u00e4ltere Kollegin. Eine sch\u00f6ne Abwechslung im Arbeitsalltag. Zur Zeugnisausgabe \u00fcberbrachte man kleine Geschenke. Auch bem\u00fchte sich die Patenbrigade, die Klassenkasse f\u00fcr Wandertage und andere Zwecke aufzuf\u00fcllen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Sommer 1977 fuhr ich mit meinem Verlobten an die Ostsee. Einen Tag machten wir einen Abstecher ins nahe gelegene Polen. Unter uns Jugendlichen hatte es sich&nbsp;rumgesprochen, dass es in der grenznahen Stadt in einer Seitengasse einen kleinen Laden gab, der moderne Kleidung verkaufte. Wir entschieden uns f\u00fcr ein wei\u00dfes T-Shirt mit Aufdruck auf der Brust. Mit gro\u00dfen fetten&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Buchstaben stand da in zwei&nbsp;Reihen gedruckt ein polnisches Wort. Wir konnten kein polnisch, aber das war uns egal. Die Buchstaben waren ausgef\u00fcllt mit der Flagge der USA. Sogar im Bindestrich war dies gut erkennbar. Aus einem Bauchgef\u00fchl heraus<s>,<\/s>&nbsp;lie\u00df ich mir den Kassenzettel aush\u00e4ndigen. Ich hatte Bedenken wegen dem Zoll. Doch wir wurden nicht kontrolliert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im September 1977 erhielten wir auf Arbeit die Einladung der Patenklasse zur&nbsp;1. Pionierveranstaltung im neuen Schuljahr, wo auch der Pionierrat der Klasse gew\u00e4hlt wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am Morgen zog ich mein T-Shirt an und ging auf Arbeit. Nach dem Mittag machten meine Kollegin und ich uns auf den Weg. Als Abordnung der Patenbrigade sa\u00dfen wir im Pr\u00e4sidium. Die Veranstaltung verlief ohne Vorkommnisse und wir freuten uns auf unseren vorgezogenen Feierabend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gleich am n\u00e4chsten Morgen zu Arbeitsbeginn musste ich mich bei der Abteilungsleiterin melden. Diese deutete auf mein T-Shirt und fragte:&nbsp;\u201eHatten&nbsp;Sie das gestern an?\u201c Daher weht der Wind, schoss es mir durch den Kopf. Entweder die Pionierleiterin oder die Klassenleiterin, vielleicht auch die Elternaktivvorsitzende hat mich beim Direktor der Schule verpetzt. Dieser rief wiederum den Betriebsdirektor an, welcher seine Wut an der Abteilungsleiterin auslie\u00df. \u201eJa\u201c, antwortete ich. \u201eWas wagen Sie sich\u201c, knurrte sie mich an. Mit unschuldiger Miene fragte ich zur\u00fcck: \u201eWieso? Dieses T-Shirt habe ich im Sommer im sozialistischen Bruderland Polen in einem staatlichen Laden gekauft. Der Kassenzettel ist noch in meinem Besitz.\u201c Sofort wurde ich nach Hause geschickt, ihn zu holen. In der Zwischenzeit wurde meine Kollegin angeh\u00f6rt, warum sie das Ganze nicht verhindert hat. Dann h\u00f6rte ich reichlich 3 Wochen nichts. Bis ich doch noch eines Tages den Kassenzettel von der Abteilungsleiterin zur\u00fcck erhielt. \u201eIn Polen ist nicht alles so, wie es sein sollte. Dort muss noch viel Aufkl\u00e4rungs- und Propagandaarbeit geleistet werden. Tragen Sie bitte ihr T-Shirt nur in der Freizeit.\u201c Und damit war die Sache abgetan. Viel Wind um nichts.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"20\"><strong>Naivit\u00e4t<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Campingurlaube stehen bei mir \u00fcberhaupt nicht<strong>&nbsp;<\/strong>hoch im Kurs. Leider hatte man fr\u00fcher nicht viele M\u00f6glichkeiten, seinen Urlaub anders zu verbringen. Im Sommer 1977 bin ich mit meinem Verlobten an die Ostsee gereist. Im Gep\u00e4ck hatten wir ein kleines Zweimannzelt, in dem man noch nicht einmal stehen konnte. Die Gegend war wunderbar. Tag und Nacht h\u00f6rte man das Rauschen der Wellen. Leider war der Sommer sehr feucht. Am wohlsten f\u00fchlten wir uns abends im geheizten&nbsp;Zeltkino. Der&nbsp;Film war Nebensache. Danach wurde ein kr\u00e4ftiger Schluck aus der Flasche genommen. War man von innen gew\u00e4rmt, ging es ab in den Schlafsack.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Durch den Zeltplatz verlief eine asphaltierte Stra\u00dfe, die nachts stark beleuchtet war. Unweit fing der Wald an. Im Schlafsack geh\u00fcllt, h\u00f6rte ich eines Nachts, wie sich einige Leute unterhielten. \u201eSchaut mal, dort am Waldesrand. Das sind ja mehrere Bachen mit vielen Frischlingen.\u201c Ich bekam es mit der Angst zu tun. Hatten wir doch im Zelt, direkt an der Zeltwand, unsere Vorr\u00e4te liegen. Unter anderem einen&nbsp;Sack Kartoffeln. \u201eDie Wildschweine gehen nicht \u00fcber die beleuchtete Asphaltstra\u00dfe. Das trauen sie sich nicht\u201c beruhigte mich mein Verlobter. Ich glaubte seinen Ausf\u00fchrungen und schlief schnell und tief ein. Erst zu Hause erkl\u00e4rte er mir, dass er am n\u00e4chsten Morgen Spuren um unser Zelt herum gesehen hat. Sogar das ist mir nicht aufgefallen. Am liebsten h\u00e4tte ich ihn&nbsp;nachtr\u00e4glich \u00fcbers Knie gelegt. Anderseits \u2013 eine riesige Naivit\u00e4t meinerseits l\u00e4sst sich nicht leugnen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"21\"><strong>Wo steht mein Bett?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Prag ist eine sehr sch\u00f6ne Stadt und nicht nur f\u00fcr Verliebte ein beliebtes Ziel. Es war das Jahr 1978. Mein Verlobter und ich verbrachten dort ein wundersch\u00f6nes, verl\u00e4ngertes Wochenende. Ein Hotel war schnell gefunden. An der Rezeption schenkte man uns bei der Ankunft einen Stadtplan. Wir genossen die Tage. Am letzten Abend wollten wir uns die kleinen h\u00fcbschen Bars n\u00e4her anschauen. Zum Schluss landeten wir in einem Weinkeller. Es war gem\u00fctlich und schmeckte hervorragend. Der Wein tat sein \u00dcbriges. Gegen 2 Uhr in der Fr\u00fche&nbsp;verlie\u00dfen wir das Lokal. Mein Verlobter hielt sich an mir fest. Seine Sprache war alles andere als deutlich. Ich lehnte ihn gegen die Hauswand und kramte den Stadtplan hervor. Wie ich ihn auch drehte und wendete, ich fand keinen Ansatzpunkt. Im Gegenteil. Irgendwie<strong>&nbsp;<\/strong>hatte ich das Gef\u00fchl, dass es sich um eine imagin\u00e4re 3 D Karte handelte. Auf der anderen Stra\u00dfenseite beobachtete uns ein junger Mann. Ich bemerkte ihn nicht. Er kam her\u00fcber. Mit leichtem Akzent sprach er mich im perfekten Deutsch an. \u201eWohin willst du?\u201c \u201eNa, ins Bett.\u201c&nbsp; war meine knappe Antwort. \u201eUnd wo steht dein Bett?\u201c wollte er l\u00e4chelnd wissen. \u201eNa, im Hotel.\u201c erkl\u00e4rte ich. Immer noch freundlich, versuchte er es weiter. \u201eUnd wo ist das Hotel?\u201c \u201eNa, in Prag.\u201c kam meine spontane Antwort. Jetzt musste er laut lachen. \u201eDa sind wir<s>.<\/s>\u201c war sein Kommentar. Zum Gl\u00fcck hatte ich einen Gedankenblitz. \u201eIrgendwo auf der Karte muss ein Stempel vom Hotel sein.\u201c sagte ich. Er fand ihn. Das Hotel war gleich um die Ecke. Allerdings dauerte der Weg aufgrund unseres Zustandes eine Weile. Ich entlohnte den jungen Mann reichlich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am n\u00e4chsten Morgen wollten wir noch einen kurzen Spaziergang machen, ehe wir zum Bahnhof mussten. Vor dem Hotel wartete der junge Mann.&nbsp;\u201eNa, brauchst du einen Stadtf\u00fchrer?\u201c, bot er sich an. Ich erkl\u00e4rte ihm, dass es keinen Sinn hat. Mein Verlobter fragte mich: \u201eWann hast du ihn denn kennengelernt?\u201c Ich sch\u00fcttelte nur den Kopf. \u201eSelbst, wenn in deiner Anwesenheit Konkurrenz naht, bekommst du es nicht einmal mit.\u201c&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"22\"><strong>Ehekredit<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der DDR waren die j\u00e4hrlichen Zahlen der Trauungen hoch. Leider auch die der Scheidungen. Man heiratete sehr jung. Oft spielte auch die Aussicht auf eine Wohnung eine Rolle. Die Regierung f\u00f6rderte Eheschlie\u00dfungen mit einem&nbsp;zinslosen Ehekredit in H\u00f6he von 5000 Mark. Nat\u00fcrlich waren daran ein paar Bedingungen gekn\u00fcpft. Diese waren jedoch nicht sehr hoch. F\u00fcr beide Partner musste es die erste&nbsp;Ehe sein. Keiner durfte \u00e4lter als 25 Jahre alt sein. Und das monatliche Gesamtbruttoeinkommen durfte nicht \u00fcber 1400 Mark liegen. Dann stand keine H\u00fcrde mehr im Wege. Man hatte ein Jahr Zeit, das Geld auszugeben. Vielen half das Geld bei der Einrichtung des&nbsp;eigenen Hausstandes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bei der Geburt eines Kindes wurden 1000 Mark erlassen. Kam das zweite Kind zur Welt, waren es bereits 1500 Mark. Damit brauchte man nur 2500 Mark&nbsp;zur\u00fcckzahlen. Wenn innerhalb von&nbsp;acht&nbsp;Jahren ein drittes Kind geboren wurde, bekam man alles zur\u00fcck, was man bereits eingezahlt hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im August 1979 heiratete ich. Mein monatliches Bruttogehalt betrug 699 Mark. F\u00fcr meinen Mann war&nbsp;der August der letzte Monat seines Studentenlebens. Also konnten wir den Ehekredit in Anspruch nehmen. Unter anderem&nbsp;kauften wir davon eine Schrankwand. In der ehemaligen DDR waren solche G\u00fcter teuer. Im M\u00e4rz 1987 erblickte unser drittes Kind das Licht der Welt. Somit waren die 5000 Mark ein Geschenk.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Heute w\u00fcnschte ich Brautpaaren auch diese M\u00f6glichkeit. W\u00e4re begr\u00fc\u00dfenswert.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"23\"><strong>Der Freitaler Wasserfall<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nach meiner Hochzeit im Sommer 1979 zog ich zu meinem Mann nach Freital. Er bewohnte bereits eine kleine 2-Raum-Dachgeschosswohnung in einem 6-Familienhaus. Die Wohnung bestand nur aus drei&nbsp;R\u00e4umen \u2013 K\u00fcche, Stube und Schlafzimmer. Nur die Stube war beheizbar. Au\u00dferhalb der Wohnung befand sich das Plumpsklo. Das Schlafzimmer war bereits baupolizeilich gesperrt. In der K\u00fcche an der Sp\u00fcle war die einzige Wasserstelle. Das Abwasser floss von der Sp\u00fcle in die Regenrinne und von dort mittels Fallrohr in die Erde. Manchmal war es im Winter so kalt, dass mein Mann nach der Arbeit mittels Bunsenbrenner das vereiste Rohr unterhalb der Sp\u00fcle wieder durchg\u00e4ngig machen musste.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Juni 1980 kam unsere Tochter zur Welt. Es waren andere Zeiten. Jeden Tag wusch ich bei 95 Grad Celsius die Windeln in meiner WM 66. Auch war es seinerzeit \u00fcblich ein Neugeborenes t\u00e4glich zu baden. Da ich nicht stillte, mussten auch die Flaschen stets ausgekocht werden. Das hei\u00dfe Wasser kippte ich einfach in die Sp\u00fcle. Vielleicht passierte es dadurch. Da am gesamten Haus der Putz nur noch bruchst\u00fcckhaft zu sehen war, l\u00f6sten sich die Schellen vom Fallrohr und es ragte schr\u00e4g in die Luft. Wir meldeten dies noch am gleichen Tag mit entsprechendem&nbsp;Dringlichkeitsvermerk der Kommunalen Wohnungsverwaltung, kurz KWV. Was blieb&nbsp;uns&nbsp;\u00fcbrig? In die Jauchengrube konnte ich das Wasser nicht sch\u00fctten. Schlie\u00dflich rechnete mein Mann aus,&nbsp;dass wir mit Baby t\u00e4glich 250 &#8211;&nbsp;300 Liter Wasser verbrauchten. Also goss ich es weiterhin in die Sp\u00fcle. Der ehemalige Hausbesitzer hatte hinter dem Haus seine Werkstatt und ums Haus herum seine Grabsteine zum Verkauf aufgestellt. Also platschte das Wasser auf die Grabsteine. Von dort spritzte es gegen die Hauswand oder auf den Fu\u00dfweg.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Reichlich drei&nbsp;Wochen sp\u00e4ter war es immer noch nicht repariert. Eines Tages klingelte es pl\u00f6tzlich an meiner Wohnungst\u00fcr Sturm, au\u00dferdem wurde wie wild geklopft. Ich \u00f6ffnete und vor mir stand ein Mann etwa Anfang 50. Er fuchtelte wild mit einem Ausweis vor meiner Nase rum, so dass ich nichts erkennen konnte. Er schrie mich an, dass ich kein Wasser benutzen d\u00fcrfte, bis alles wieder in Ordnung ist. Ganz ruhig sagte ich ihm:&nbsp;\u201eDie&nbsp;KWV wei\u00df es seit reichlich drei Wochen. Ich habe ein neun&nbsp;Wochen altes Baby und brauche Wasser. Sie k\u00f6nnen mir ihre Wohnungsschl\u00fcssel geben und selber&nbsp;derweil hier&nbsp;einziehen.\u201c W\u00fctend, vor sich her fluchend, verschwand er wieder.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am n\u00e4chsten Morgen klopfte es pl\u00f6tzlich gegen mein K\u00fcchenfenster. Ungew\u00f6hnlich bei einer Dachgeschosswohnung. Der Arbeiter auf dem Hubwagen meinte: \u201eLassen Sie jetzt mal bitte kein Wasser runter. Wir arbeiten daran.\u201c&nbsp;<s>\u201e<\/s>Ich&nbsp;konnte mir eine spitze Bemerkung nicht verkneifen:&nbsp;\u201eAch&nbsp;doch so schnell.\u201c Grinsend sagte er zu mir: \u201eWenn Sie auch dem&nbsp;2. Parteisekret\u00e4r von Freital kochend hei\u00dfes Wasser \u00fcber die R\u00fcbe sch\u00fctten, tut sich was.\u201c<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"24\"><strong>Alles Banane<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">1979 verk\u00fcndete Erich Honecker, dass es in der DDR keine Mangelwirtschaft, sondern nur vereinzelte Rhythmusst\u00f6rungen in der Versorgung der Bev\u00f6lkerung g\u00e4be. Diese nahmen allerdings fl\u00e4chendeckend zu. Somit gab es auch im B\u00fcro immer weniger zu verwalten. Man besch\u00e4ftigte sich anderweitig. Beliebt waren Scherze am 1. April.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Meine Mutter arbeitete zu der Zeit an der beliebten&nbsp;Borsbergstra\u00dfe&nbsp;in Dresden in einem kleinen \u201eTante-Emma-Laden\u201c. Am 1. April rief ich dort an und gab mich dem Chef gegen\u00fcber mit verstellter Stimme als Mitarbeiterin vom Gro\u00dfhandel aus. \u201eEntschuldigung, bei der vorhin ausgeh\u00e4ndigten&nbsp;Bananenlieferung ist uns leider ein Versehen unterlaufen. Es handelt sich nicht um B-, sondern um A-Ware. Bitte halten Sie diese noch zur\u00fcck. Unser Fahrer ist bereits mit dem&nbsp;korrigierten&nbsp;Lieferschein unterwegs.\u201c&nbsp; \u201eOh, vielen Dank\u201c, kam vom anderen Ende der Leitung, \u201edas ist ja gerade noch mal gut gegangen.\u201c&nbsp; Nachdem ich auflegte, mussten meine Kolleginnen und ich lachen. \u201eSchade\u201c, meinte ich, \u201eer hat meine Stimme wahrscheinlich erkannt.\u201c&nbsp; Oder sollte vielleicht doch&#8230;<s>..<\/s>&nbsp;\u00fcberlegte ich. Ach Quatsch, ausgeschlossen. Vorsichtshalber rief ich f\u00fcnf&nbsp;Minuten sp\u00e4ter nochmals an und verlangte meine Mutter. \u201eMutti, den Aprilscherz soeben habt ihr doch erkannt und nehmt ihn mir nicht \u00fcbel?\u201c fragte ich. Im ersten Moment war Funkstille. Dann gluckste meine Mutter. \u201eAuch, wenn du es nicht glaubst\u201c, sagte sie, \u201ewir haben heute ein paar Bananen bekommen. Reicht nat\u00fcrlich nur f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Kundschaft und ist B-Ware. Ich gehe jetzt zum Chef. Der steht vorm Laden und wartet auf den Fahrer. Du Scherzkeks, Tsch\u00fcss\u201c. Auf beiden Seiten wurde noch jahrelang \u00fcber diese Geschichte geschmunzelt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"25\"><strong>Die T\u00e4uschung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Endlich konnten wir aus unserer total nassen Dachgeschosswohnung in Freital ausziehen. Im Juni 1982 hatten wir endlich die Zuweisung f\u00fcr eine Plattenbauwohnung, im vorletzten Stock, in Gorbitz erhalten. Ohne meine<s>r<\/s>&nbsp;zweite<s>n<\/s>&nbsp;Schwangerschaft w\u00e4ren wir in der Dringlichkeit bei der staatlich gesteuerten Wohnungsvergabe nicht aufgestiegen. Im August 1982 zogen wir um. Das Umfeld sah noch schlimm aus. Kein Gr\u00fcn, nur Schlamm und Dreck. Ringsherum wurde noch gebaut. Der Block gegen\u00fcber stand schon da. Dahinter wurde die erste Kinderkombination (Krippe und Kindergarten) hochgezogen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Eines Tages schaute ich aus meinem K\u00fcchenfenster. Pl\u00f6tzlich hatte ich das Gef\u00fchl, dass sich alles dreht. Schnell setzte ich mich auf den Fu\u00dfboden. Eine Schwangerschaft ist halt kein Spaziergang, dachte ich. Nach kurzer Zeit merkte ich, es geht mir blendend. Nach einem zweiten Blick aus dem Fenster wurde mir klar, dass der Kran gegen\u00fcber langsam abgesenkt und abgebaut wurde. Wie sch\u00f6n, ich hatte mich nur get\u00e4uscht.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"26\"><strong>Graue Gardinen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Meine Gro\u00dfcousine hatte in den 80er-Jahren ein kleines Einfamilienhaus aus dem Jahre 1930 in Reideburg bei Halle geerbt. Das Grundst\u00fcck war sch\u00f6n gro\u00df und die Kinder hatten viel Platz zum Spielen und Toben. Das Haus lag idyllisch auf dem Land, es war ruhig ringsherum. Ideal f\u00fcr Gro\u00dfst\u00e4dter zum Erholen. Ich genoss die Zeit dort. Bei der Gelegenheit wollte ich mich auch erkenntlich zeigen und n\u00fctzlich sein. Das Haus hatte eine Eingangst\u00fcr mit einem kleinen Fenster. Die Gardine, die dort hing, war bereits schwarz. Sie hatte bessere Zeiten erlebt. Auf der Toilette gab es ein noch kleineres Fenster mit einer noch kleineren Gardine. Sie sah nicht besser aus. Ich suchte mir in der K\u00fcche eine Sch\u00fcssel und f\u00fcllte diese&nbsp;mit lauwarmem Wasser. Anschlie\u00dfend nahm ich beide Stores&nbsp;ab und tauchte sie zum Einweichen hinein. Nach einer Stunde wollte ich sie per Hand waschen. Nur war mein Schreck riesengro\u00df. Als ich sie&nbsp;herausnahm, hielt ich nur noch Fetzen in der Hand. Welch ein Gl\u00fcck, dass kein Spiegel in der N\u00e4he war. Mein dummes Gesicht h\u00e4tte ich nicht sehen wollen. Es war mir \u00e4u\u00dferst peinlich. Ich musste das Versehen meiner Gro\u00dfcousine beichten. Gleichzeitig versprach ich ihr, neue Stores&nbsp;zu besorgen. Sie winkte ab.&nbsp;\u201eIch&nbsp;wusste, dass die Gardinen nur noch vom Dreck zusammen gehalten werden. Deshalb lie\u00df ich sie so h\u00e4ngen, wie sie waren.\u201c Das war ihr einziger Kommentar dazu. Diese Lebenseinstellung ist bestimmt Nerven schonend und sch\u00fctzt vor einem&nbsp;Herzinfarkt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"27\"><strong>Der kleine Unterschied<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Irgendwann merkt jedes Kind, dass auf Erden zweierlei Geschlecht wandelt. Bei meiner \u00c4ltesten war dies 1983, zu Beginn ihres Kindergartenlebens, der Fall. Im Kindergarten sind die Toilettenbecken auf&nbsp;die Bed\u00fcrfnisse der Kleinen abgestimmt und entsprechend niedrig. Wegen der Sicherheit gibt es keine abschlie\u00dfbaren Kabinen. Meine Tochter hat wahrscheinlich beobachtet, dass es Jungs gibt, die im Stehen pullern. Zu Hause versuchte sie es auch einmal, indem sie sich auf die Toilettenbrille stellte und so urinieren wollte. Das ging nat\u00fcrlich v\u00f6llig schief. Sie traute sich nicht wieder runter und schmutzig war auch alles. Nach diesem gescheiterten Versuch schien ihr der Kindergarten daf\u00fcr geeigneter. Sie wurde von der Kinderg\u00e4rtnerin erwischt. Das Theater war gro\u00df. Selbstverst\u00e4ndlich hatte ich ihr zu Hause schon mit Hilfe eines kindgerechten Buches den Unterschied zwischen Jungen und M\u00e4dchen erkl\u00e4rt. Trotzdem wollte es meine Tochter wissen. Beim 2. Versuch stellte sich meine Tochter einfach im Waschraum \u00fcber den Abfluss im Fu\u00dfboden. Wiederum wurde sie erwischt. Dieses Mal wurden sogar meine Erziehungsmethoden in Frage gestellt. Ich musste zur Leiterin zu einem kl\u00e4renden Gespr\u00e4ch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Erst als ein Junge der Gruppe einen heftigen Balltreffer im Schritt&nbsp;abbekam, akzeptierte sie ihr M\u00e4dchendasein und war zufrieden und gl\u00fccklich.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"28\"><strong>Freesien im Oktober<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Meine Omi v\u00e4terlicherseits siedelte im Fr\u00fchjahr 1977, nach dem Tod meines Opas, von der DDR in die BRD \u00fcber. Zwei ihrer S\u00f6hne lebten dort. Sie war bereits 74 Jahre alt. Ende Januar 1983 stand ihr 80. Geburtstag an. Ich bekam eine Einladung. Da mein zweites Kind Ende 1982 kommen sollte, entschied ich mich zu einer Besuchsreise. Im November 1982 wollte ich in Dresden im Polizeirevier Tharandter Stra\u00dfe einen Antrag stellen. \u201eSie wollen f\u00fcr ein Rentnerpaar die Antr\u00e4ge abholen?\u201c wurde ich gefragt. \u201eNein\u201c,&nbsp;sagte ich, \u201eich m\u00f6chte meine Omi in der BRD besuchen.\u201c Nochmals wurde nachgefragt: \u201eSie wollen Westbesuch empfangen?\u201c. \u201eNein\u201c wiederholte ich. Verdutzte Gesichter auf der Gegenseite. Mir wurde mein Ausweis abgenommen. Ich wartete. Irgendwann erschien ein Schrank von einer Polizistin und f\u00fchrte mich in ein extra Zimmer, dessen Fenster vergittert waren. Sie fragte mich ausf\u00fchrlich nach der Reise. Ich musste den Anlass angeben, den Zeitraum und wer&nbsp;mitfahren&nbsp;m\u00f6chte. Dann verlie\u00df sie den Raum und schloss mich ein. Hochschwanger sa\u00df ich nun 40 Minuten lang allein in dem Zimmer. Danach kam sie wieder und verk\u00fcndete mir, dass ich nicht&nbsp;zu dem Personenkreis&nbsp;geh\u00f6re, der&nbsp;eine Besuchsreise genehmigt bekommt. Ich bekam meinen Ausweis wieder und durfte gehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Oktober 1987 wurde der j\u00fcngere Bruder meines Vaters, welcher mit seiner Familie in H\u00fcrth wohnte, 50 Jahre alt. Wieder startete ich einen Versuch. Dieses Mal gelang es dank der Reiseerleichterungen. Hocherfreut startete ich die Reise und kam abends in K\u00f6ln an. Am n\u00e4chsten&nbsp;Morgen wollte ich f\u00fcr meinen Onkel zum Geburtstag einen kleinen Blumenstrau\u00df kaufen. Der Blumenladen war leer, kein Kunde zu sehen. Meine Augen wussten gar nicht, wohin sie zuerst schauen sollten. Und es duftete stark nach Freesien. Moment mal, dachte ich, wir haben Oktober. Freesien sind Fr\u00fchjahrsbl\u00fcher. Mein Blick fiel auf einen Eimer mit Freesien, der neben der Ladentheke stand. Die Verk\u00e4uferin kam und begr\u00fc\u00dfte mich freundlich. Ich zeigte mit dem Finger auf den Eimer. \u201eSind das Freesien?\u201c \u201eOh, Entschuldigung\u201c, meinte sie, \u201eich verga\u00df die Schaufensterware zu entsorgen.\u201c Schnell verschwand sie mit dem Eimer nach hinten. F\u00fcr mich unfassbar. Zu Hause bekam ich zu den Geburtstagen meiner Kinder kaum Blumen. Gehen Sie mal in der DDR am 12. Juni \u2013 Lehrertag \u2013 mit diesem&nbsp;Anliegen los. Aussichtslos. Am 24. Dezember haben wir Frauen im Krankenhaus geschmunzelt, weil die frisch gebackenen V\u00e4ter die Alpenveilchen der M\u00fctter oder Schwiegerm\u00fctter gepl\u00fcndert haben, um nicht mit leeren H\u00e4nden zu kommen. Mein Sohn kam am 8. M\u00e4rz zur Welt.&nbsp;Den&nbsp;Frauentag konnten Sie blumentechnisch in der DDR vergessen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201eSie stammen wohl aus der DDR?\u201c, fragte mich die Verk\u00e4uferin mitleidig. Ich konnte nur nicken. Die gekauften Blumen trug ich stolz, wie einen&nbsp;Brautstrau\u00df, vor mir her.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich durfte sogar ein zweites Mal in die BRD fahren. 1988 begleitete mich meine Schw\u00e4gerin. Dieses Mal ging es zum Bruder meiner Mutter nach B\u00fcckeburg. Auf der Familienfeier war, au\u00dfer uns zwei, keiner unter 60 Jahre alt. Eine Bekannte meinte: \u201eHier habt ihr etwas Geld. Geht und kauft euch ein paar Strumpfhosen. Es ist hier nur langweilig f\u00fcr euch. Aber nur die.\u201c \u201eDanke sch\u00f6n\u201c, meinten wir&nbsp;h\u00f6flich, \u201ewo sollen wir sie denn kaufen?\u201c. \u201eEgal\u201c, war die Antwort. \u201eSupermarkt, Rossmann-Drogerie \u2013 wo ihr wollt. Aber nur die.\u201c \u201eSehr gern und welche sollen wir kaufen?\u201c \u201eNa, nur die. Das sind die Besten, die haben Qualit\u00e4t.\u201c Wir waren verwirrt. Eine kurze Weile ging das Gespr\u00e4ch in diesem Stil weiter. Dann wurde es meinem Onkel zu bunt. Er fauchte die Bekannte etwas barsch an: \u201eJetzt sage ihnen endlich, dass nur die eine Marke ist.\u201c \u201eAch so\u201c, meinte ich, \u201enun&nbsp;ist alles klar. \u00dcbrigens, wenn ich dich bei mir zu Hause nach&nbsp;Immergut&nbsp;losschicke, ist dir auch nicht klar, dass es sich dabei um Kaffeesahne handelt.\u201c<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"29\"><strong>Das pupsende Kleinkind<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Erwartungsvoll sa\u00df die gesamte Familie am festlich gedeckten Kaffeetisch. Der Kuchen sah schon lecker aus, der Kaffee duftete.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein 1-j\u00e4hriger Sohn sa\u00df im Kinderst\u00fchlchen neben mir. Traurig schaute er mich an. \u201eWas hast du denn, mein Liebling?\u201c fragte ich. Die Antwort kam prompt. F\u00fcr alle gut h\u00f6rbar entwich die Luft aus seinem K\u00f6rper in die Windel. Er strahlte mich an. Ich l\u00e4chelte zur\u00fcck. \u201eDu darfst das noch. Jetzt bist du erleichtert. Sch\u00f6n.\u201c Alle lachten. Pl\u00f6tzlich erhob mein Bruder seine Stimme.&nbsp;\u201eDass er sich erleichtert f\u00fchlt, sieht man ihm an. Aber eigentlich sind es doch Gase, die in dem Moment unserem&nbsp;K\u00f6rper entweichen. Und Gase sind leichter als Luft. Also m\u00fcssten wir doch schwerer werden.\u201c Sofort stiegen die M\u00e4nner aus der Runde in die Diskussion ein. Sogar die K\u00fche wurden erw\u00e4hnt, auch das immer gr\u00f6\u00dfer werdende Ozonloch. Bei Anwesenheit eines Biologen, eines Chemikers und eines Physikers wollte das Thema kein Ende nehmen. Nach 30 Minuten beendete ich die hitzige Debatte mit den Worten:&nbsp;\u201eJetzt&nbsp;ist Schluss. Ich m\u00f6chte meinen Kaffee genie\u00dfen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">So konnte auch 23 Jahre danach noch kein abschlie\u00dfendes wissenschaftliches Fazit gezogen werden.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"30\"><strong>P\u00e4dagogik, die nicht griff<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bei dem Thema Versicherungen erhitzen sich auch au\u00dferhalb der Medien die Gem\u00fcter oft und schnell. Meistens wird geschimpft \u2013 zu hohe Beitr\u00e4ge und im Schadensfall wird nur z\u00f6gerlich bezahlt oder \u00fcberhaupt nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vor vielen Jahren konnte ich ebenfalls in dieser Richtung meine Erfahrungen machen, jedoch anders als gedacht. Und das kam so:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein Versicherungsmann war eine Naschkatze. Kein Nutella-Glas war vor ihm sicher. Er wusste, dass ich stets eins im K\u00fcchenschrank hatte. Wenn er im Wohngebiet dienstlich unterwegs war, rief er vorher bei mir an und lud sich zu einem 2. Fr\u00fchst\u00fcck ein. Ich hatte nichts dagegen. War es doch eine gelungene Abwechslung und man konnte sich austauschen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Eines Tages, kurz vor den Sommerferien, war es etwas sp\u00e4ter geworden. Der Mittag nahte. Mein Sohn, der die 6. Klasse besuchte, kam aus der Schule. Sofort \u00fcberreichte er mir einen Brief. Ich erfuhr, dass er wegen unsachgem\u00e4\u00dfer Behandlung zwei Schulb\u00fccher bezahlen musste. Sofort zog ich ihn zur Rechenschaft. \u201eWie oft habe ich euch erkl\u00e4rt, dass man Schulb\u00fccher ordentlich behandelt?\u201c, schimpfte ich. \u201eWoher soll ich jetzt das Geld nehmen?\u201c Anstatt mir zu antworten, schaute er unseren Versicherungsmann nur herausfordernd an. Dieser reagierte prompt. \u201eDerartige Schludereien bezahlt keine Versicherung\u201c, meinte er, \u201eIch werde es dir beweisen. Das entsprechende Formular habe ich mit. Wir f\u00fcllen es jetzt aus und du unterschreibst. Da du noch minderj\u00e4hrig bist, muss auch deine&nbsp;Mutti unterschreiben. In etwa drei&nbsp;Wochen bekommst du Post. Und da<s>s<\/s>&nbsp;steht dann ganz dick als \u00dcberschrift Ablehnung. Du kannst ja lesen.\u201c Nach drei&nbsp;Wochen griff ich zum Telefonh\u00f6rer. \u201eEs steht ganz dick Bewilligung da\u201c konnte ich nur sagen. \u201eDie ganze P\u00e4dagogik im Eimer\u201c, kam&nbsp;vom anderen Ende&nbsp;der Leitung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich musste nun meinem Sohn klar machen, dass Schulsachen ordentlich zu behandeln sind. Er feixte&nbsp;nur.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Jahre sp\u00e4ter kam der j\u00fcngere Bruder aus der Schule und fragte mich: \u201eMutti, deine Versicherungspolice hast du doch noch?\u201c Mir war alles klar.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"31\"><strong>Ernst muss weg<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Jeden Morgen, nach dem Aufstehen, \u00f6ffne ich das Fenster und lasse die frische Morgenluft herein. Im Bad l\u00e4chele ich mein Spiegelbild an. Gern lasse ich mich vom beginnenden Tag verzaubern. Warum sehen viele alles negativ?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich sehe mich im Geist als 6-j\u00e4hriges M\u00e4dchen mit der Zuckert\u00fcte in der Hand. Alle gratulieren mir. Allerdings mit dem Zusatz: \u201eJetzt beginnt der Ernst des Lebens.\u201c Ich fand es faszinierend, wie aus einzelnen Buchstaben durch Aneinanderreihen Worte wurden. In der 5. Klasse kamen neue F\u00e4cher und neue Lehrer hinzu. Wieder wurde von vielen der Ernst zitiert. Derweil ist es interessant, zu begreifen, warum es am \u00c4quator hei\u00df und am Nordpol kalt ist. Der Zauber der Natur \u2013 wie es funktioniert. Mit Beginn der Lehre kam der Ernst angeblich mit. Auch zu meiner Hochzeit musste er laut Allgemeinheit mitfeiern. Die erste Schwangerschaft wurde vom Ernst betreut. Nur ich sah ihn nicht. Ich sah lediglich das Wunder der Natur, wie in meinem Bauch ein kleines Wesen sich entwickelte. Beim zweiten Kind hie\u00df es: \u201eAber jetzt geht es los. Denn ein Kind ist kein Kind. Erst beim zweiten beginnt die Arbeit.\u201c Ich genoss regelrecht die Zeit. Zu meinem Gl\u00fcck lie\u00df mich mein Umfeld in den n\u00e4chsten vier&nbsp;Schwangerschaften in Ruhe. Erst zu meinem 50. Geburtstag stand der&nbsp;Ernst des Lebens wieder auf der Matte. Angeblich kommen da die ersten k\u00f6rperlichen Beschwerden. Zu meinem 60. Geburtstag wurden diese laut Besserwisser schon gr\u00f6\u00dfer. Jedoch kann ich mit dem Ernst des Lebens nichts anfangen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich \u00f6ffne jeden Morgen mein Fenster, atme tief durch, gr\u00fc\u00dfe freundlich mein Spiegelbild und lasse mich vom Tag verzaubern.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"32\"><strong>Spieglein, Spieglein an der Wand<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u201eSpieglein, Spieglein an der Wand. Sag mir, wer ist die Sch\u00f6nste im ganzen Land?\u201c \u201eNa, hallo erst einmal. Nat\u00fcrlich du. In dem kleinen WBS 70-Bad passt ja keine weitere Person rein. Aber, was soll das denn jetzt. Ansonsten begr\u00fc\u00dft du mich jeden Morgen l\u00e4chelnd mit den Worten: Sch\u00f6n, dass du wieder da bist. Ich wei\u00df, du h\u00e4ltst ein Selbstgespr\u00e4ch. Trotzdem finde ich diese Art der Begr\u00fc\u00dfung sch\u00f6n. \u00dcberhaupt habe ich in den reichlich 60 Jahren viel mit dir erlebt. Sch\u00f6nes und weniger Sch\u00f6nes. Als du noch klein warst, bist du immer geh\u00fcpft, um einen Blick in mich&nbsp;zu erhaschen. Und du hast dabei gestrahlt, wenn es dir gelungen ist. Sp\u00e4ter mit ungef\u00e4hr 14 Jahren ging die Schminkzeit los. Es musste schnell gehen. Denn, wenn die Mutter dich erwischte, musste das Zeug (wie sie es nannte) wieder ab. Hin und wieder hast du&nbsp;mir&nbsp;mit Lippenstift ein Herzchen aufgemalt oder einen&nbsp;Kussmund aufgedr\u00fcckt. Das gefiel mir. L\u00e4chelnd hast du dann sogar die Strafarbeit deiner Mutter in Kauf genommen. Seit 1983 hast du angefangen, Reden vor mir zu halten und dabei deine Mimik auch zu kontrollieren. Die \u00dcbungen waren eine sch\u00f6ne Abwechslung f\u00fcr mich. Ansonsten habe ich dich immer nur kurz gesehen. Du warst mehr in den Kinderzimmern. Dann kam die Trennung von deinem Mann. Ich hatte sogar Angst um dich. Eingefallene Wangen und innerhalb von f\u00fcnf&nbsp;Monaten 16 Kilo abgenommen. Zum Gl\u00fcck kam ja ganz schnell wieder ein Mann an deine<s>r<\/s>&nbsp;Seite, der dich aufgep\u00e4ppelt hat. Jetzt gef\u00e4llst du mir wieder. Auch finde ich es gut, dass du deine Falten Falten sein l\u00e4sst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Also begr\u00fc\u00dfe mich bitte weiterhin jeden Morgen wie gewohnt. Dann bleibe auch ich dir froh gelaunt in den n\u00e4chsten Jahren. Lass dir das von deinem Spiegel gesagt sein.\u201c<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"33\"><strong><strong>Der Tod geh\u00f6rt zum Leben<\/strong>&nbsp;<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">F\u00fcr Kinder ist die Erfahrung mit dem Tod ein einschneidendes Erlebnis in ihrem bisherigen Leben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Anfang der 80er-Jahre ging ich im Sommer mit meiner 3-j\u00e4hrigen Tochter spazieren. Unter einer Hecke entdeckte sie einen toten Vogel. Traurig stand sie da. Ich erkl\u00e4rte ihr, dass alte Tiere halt sterben. \u201eSonst w\u00e4re doch die Welt eines Tages mit Tieren \u00fcberf\u00fcllt<s>.<\/s>\u201c sprach ich. Das verstand sie. Hat sie doch schon oft im Gro\u00dfen Garten Entenm\u00fctter mit ihren vielen kleinen K\u00fcken beobachtet. Am n\u00e4chsten Tag gingen ihre Gedanken weiter. \u201eSterben Menschen auch?\u201c fragte sie. \u201eJa\u201c antwortete ich. Schnell holte ich das Fotoalbum aus dem Schrank. Auf einem Foto war meine Tochter im Alter von vier&nbsp;Wochen auf dem Arm&nbsp;ihrer&nbsp;Uromi. Leider ist diese sieben&nbsp;Monate sp\u00e4ter verstorben. \u201eSie ist sehr alt geworden und hatte ein gl\u00fcckliches Leben<s>.<\/s>\u201c beruhigte ich meine Tochter. Wissentlich verschwieg ich, dass diese Frau leider zwei&nbsp;Weltkriege erleben musste und zum&nbsp;Schluss Krebs hatte. Es gab ja noch zwei lebende Uromas.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zwei Tage sp\u00e4ter waren wir wieder an der frischen Luft. Ihre kleine Schwester schlief friedlich im Kinderwagen. Mit einer 3-J\u00e4hrigen kommt man nicht so schnell vorw\u00e4rts. Vor uns lief ein \u00e4lterer Herr mit seiner Gehhilfe. Auch er war nicht schnell. Pl\u00f6tzlich musste meine Tochter ihre Gedanken&nbsp;loswerden. \u201eAls erstes stirbt die eine Uroma, dann die andere<s>.<\/s>\u201c erkl\u00e4rte sie laut. Sie wusste zwar nicht das Alter der einzelnen Familienmitglieder, jedoch die altersgerechte Reihenfolge war ihr bekannt. \u201eZuerst stirbt die eine Uroma, dann die andere, dann der Opi und dann die Omi. Ach nein. Zuerst stirbt die eine Uroma, dann die andere, dann der Opi, dann die Oma, dann der Opa, dann die Omi, dann der Papa, dann du Mama und dann ich.\u201c Sie wusste, dass meine Schwiegereltern meine Eltern vom Alter her einrahmten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der \u00e4ltere Herr vor uns versuchte schneller zu gehen. Es gelang ihm nicht. \u201eAch nein\u201c fing meine Tochter erneut an. Ihr fiel inzwischen noch mein Bruder ein. Er musste noch in der Reihenfolge eingebaut werden. Der Herr vor uns hustete gek\u00fcnstelt. Meine Tochter bemerkte dies nicht. Zu stark war sie mit ihren Gedanken besch\u00e4ftigt. \u201eAch nein\u201c sagte sie laut vernehmlich und fing von vorn an. Da gab es doch noch den Bruder ihres Papas. Und ihre kleine Schwester geh\u00f6rte ganz an hinterste Stelle. Sie durfte nicht vergessen werden. Der Herr vor uns knurrte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Inzwischen fiel meiner Tochter ein, dass sie auch eine Patentante hat. \u201eMutti, wann stirbt sie?\u201c fragte sie mich. Es war sinnlos, sie auf andere Gedanken zu bringen. Also erkl\u00e4rte ich ihr, zwischen welchen Familienmitgliedern ihre Patentante einzugliedern ist. \u201eAlso zuerst stirbt\u2026\u201c Weiter kam sie nicht. W\u00fctend drehte sich der Herr vor uns um. Mit hochrotem Kopf fuchtelte er mit seinem Stock in der Luft herum. \u201eJetzt h\u00f6re mal mit deiner&nbsp;Sterberei&nbsp;auf<s>.<\/s>\u201c schrie er meine Tochter an, \u201edas h\u00e4lt ja kein Mensch aus.\u201c V\u00f6llig verst\u00e4ndnislos sah meine Tochter den Herrn an. Was hatte sie nur falsch gemacht?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich machte dem Herrn einen Vorschlag. \u201eBleiben sie doch mal eine Weile stehen und holen tief Luft. Ich werde sie derweil \u00fcberholen. Wenn sie sich etwas erholt haben, k\u00f6nnen sie ihren Weg&nbsp;fortsetzen. Ich bin dann weit genug weg. F\u00fcr meine Tochter geh\u00f6rt der Tod nun einmal zum Leben und f\u00fcr mich \u00fcbrigens auch<s>.<\/s>\u201c erkl\u00e4rte ich ihm. Gesagt, getan. Und der Tag war f\u00fcr beide Seiten gerettet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Leider hielt sich der Tod sp\u00e4ter nicht an diese vorgesetzte Reihenfolge.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"34\"><strong><strong>D<\/strong>ie Spinne<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Von&nbsp;Kindesbeinen an bin ich tierlieb. Mit f\u00fcnf&nbsp;Jahren habe ich einmal auf einer Kleintiermesse ein&nbsp;schlachtreifes Kaninchen mit einem kleinen Stall dazu gewonnen. Liebevoll pflegte ich es auf dem Balkon. Eines Tages war die T\u00fcr der kleinen Box offen und mein Kaninchen weg. \u201eBestimmt ist es vom Balkon&nbsp;runtergesprungen&nbsp;und davon gehoppelt\u201c, sagten meine Eltern, \u201eKaninchen \u00fcberleben den Sprung.\u201c In Wirklichkeit habe ich es am Sonntag mit verspeist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sp\u00e4ter, und bis heute, liebte und liebe ich Schlangen und Spinnen. Besonders Vogelspinnen haben es mir angetan. Deren Vielfalt und Beweglichkeit, sowie ihr gesamtes Leben faszinieren mich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In meiner Wohnung wird keine Spinne get\u00f6tet, sondern auf den&nbsp;Balkon entlassen. Eine Zeitspanne&nbsp;lang hat mich jeden Morgen im Bad ein Weberknecht besucht. Ich fand es sch\u00f6n. Eines Tages war er verschwunden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nach der Wende wurden im&nbsp;Gorbitzer&nbsp;Plattenbau vielerorts die B\u00e4der saniert. In den Sch\u00e4chten wurden neue Wasserleitungen nebst Wasseruhren eingebaut. Allerdings eine neue Badewanne&nbsp;oder\/und Waschbecken h\u00e4tte man selber bezahlen m\u00fcssen. Man konnte sich dann sogar die Farbe aussuchen. Hat aber in unserem Haus kein Mieter gemacht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nachdem die Handwerker abgezogen waren, h\u00f6rte ich es am n\u00e4chsten Morgen im Schacht leicht pl\u00e4tschern. Nach einem Anruf kam auch bald ein Handwerker vorbei. Es war ein \u00e4lterer Herr. Er steckte seinen Kopf in den Schacht und schimpfte laut: \u201eWer hat diese Spinne in den Schacht gesetzt?\u201c Das ging mir zu weit. Ich bem\u00fche mich ja um Sauberkeit in meiner Wohnung, aber alles ist nicht machbar. \u201eVielleicht k\u00fcmmere ich mich noch um Spinnen im Schacht.\u201c fauchte ich zornig zur\u00fcck. Er zog seinen Kopf zur\u00fcck und schaute mich ganz verdutzt an. Schnell begriff er, dass ich eine ausgesprochene technische Niete bin. Er zeigte mir, dass das Gewirr von Schl\u00e4uchen, die von der Wasseruhr abgingen, Spinne genannt wurde. Diese war nicht fachgerecht eingesetzt worden. Wieder war ich eine Erfahrung reicher. Au\u00dfer meinen geliebten Achtbeinern gibt es also auch noch andere Spinnen.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"35\"><strong><strong>D<\/strong>as falsche Geburtstagsgeschenk<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im M\u00e4rz 1998 wurde mein Sohn elf&nbsp;Jahre alt. Im Vorfeld wollte sein 8-j\u00e4hriger Bruder ihm eine Freude bereiten und von seinem Taschengeld ein kleines Geschenk besorgen. Ich war sehr ger\u00fchrt und gab ihm noch ein wenig Geld dazu. Aufgeregt ging er allein in den nahe gelegenen Supermarkt. Er wusste, dass sich sein \u00e4lterer Bruder auf der einen Seite f\u00fcr Computer interessierte, und f\u00fcr Marzipan hatte er ebenfalls eine Vorliebe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Stolz kam er von seinem Einkauf zur\u00fcck und pr\u00e4sentierte mir seinen Einkauf nebst Kassenbon. Entsetzt starrte ich auf das Geschenk. In einer, mit knisternden Klarsichtpapier versehenen, Verpackung befand sich ein aus Marzipan geformter Minicomputer. Daneben war eine kleine Flasche Pflaumenschnaps (0,1 l). Ich fragte meinen Sohn, ob die Kassiererin nichts gesagt h\u00e4tte. \u201eDoch\u201c, antwortete mein Sohn, \u201eSie wollte wissen, f\u00fcr wen ich das kaufe. Ich sagte ihr, dass es ein&nbsp;Geburtstagsgeschenk f\u00fcr meinen \u00e4lteren Bruder ist.\u201c Ich war w\u00fctend. Sofort nahm ich das Geschenk nebst Kassenbon und meinen Sohn und ging zum Supermarkt. Dort verlangte ich nach dem Leiter. Es war ihm sichtbar peinlich. Er konnte es auch nicht verstehen. Ein Lehrling hatte nicht aufgepasst. Wir bekamen das Geld zur\u00fcck und mein Sohn noch eine kleine T\u00fcte Gummib\u00e4rchen als Entschuldigung obenauf. Nun kauften wir ein angemessenes Geschenk.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich denke, hinter geschlossenen T\u00fcren wird die Geschichte f\u00fcr den Lehrling noch ein Nachspiel gehabt haben.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"36\"><strong><strong>D<\/strong>er Zoo im Auto<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vor allem M\u00e4nner lieben ihre Autos. Sie werden ausgiebig und intensiv gehegt und gepflegt. Oft sogar&nbsp;mehr&nbsp;als die eigene Frau oder Freundin. Hinter ihrem Lenkrad f\u00fchlen sie sich pudelwohl. Sie&nbsp;kennen die Verkehrsregeln und verhalten sich auch meistens r\u00fccksichtsvoll. Nur wehe, vor ihnen springt die Ampel pl\u00f6tzlich von gelb auf rot. \u201eWelches Rhinozeros hat diese Ampel programmiert!&nbsp;Diesem Rindvieh will ich mal die Leviten lesen.\u201c Solche oder \u00e4hnliche \u00c4u\u00dferungen lassen da nicht lange auf sich warten. Selbst, wenn Kinder im Auto sitzen. Bei guter Laune halten sie auch den Sicherheitsabstand zum Vordermann ein. Vorbildlich. Nur sind nicht alle so. Oft springt ein&nbsp;anderer&nbsp;in diese L\u00fccke. \u201eDu Lackaffe, du Hornochse, Kamel! Mit dir werde ich noch Schlitten fahren.\u201c Das Schimpfen nimmt dann manchmal kein Ende. Ausgerechnet diese M\u00e4nner springen ebenfalls mit ihrem Auto in den Sicherheitsabstand eines anderen Autofahrers hinein. Freudestrahlend und mit einem Seitenblick wird die Beifahrerin gefragt: \u201eNa, wie habe ich das gemacht?\u201c \u201eSo, dass hinter uns&nbsp;jetzt der Zoo offen ist\u201c, lautet die Antwort.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"37\"><strong><strong><strong>L\u00fcgen haben kurze Beine<\/strong><\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">17 Jahre&nbsp;sp\u00e4ter war mein j\u00fcngster Sohn acht&nbsp;Jahre alt. Er bestand darauf, seine t\u00e4gliche K\u00f6rperpflege ohne m\u00fctterliche oder v\u00e4terliche Aufsicht zu erledigen. Abgemacht. Im Hintergrund passte ich schon auf, dass er nicht nur das Seifentuch oder die Zahnb\u00fcrste anfeuchtete. Eines Tages kam er mit Hautausschlag zu mir. Mein Gehirn fing an zu \u201erattern\u201c. Hatte ich S\u00fcdfr\u00fcchte gekauft, die vielleicht gespritzt waren? Welche Kinderkrankheit hatte er noch nicht? Beobachten war meine Devise.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zwei&nbsp;Tage sp\u00e4ter fragte mich sein Papa, ob ich sein Duschgel benutze. \u201eEs ist auf einmal so schnell&nbsp;alle.\u201c \u201eDu wei\u00dft genau, dass ich diese Produkte \u00fcberhaupt nicht vertrage.\u201c entgegnete ich. Gleichzeitig kam mir ein Blitzgedanke. Ich fragte meinen Sohn. \u201eSag mal, benutzt du Papas&nbsp;Duschgel?\u201c&nbsp;Mit erhobenem Haupt&nbsp;und fester Stimme meinte er: \u201eDas w\u00fcrde ich mir nie wagen.\u201c \u201eWei\u00dft du, ich vertrage n\u00e4mlich dieses Duschgel nicht. Ich bekomme dann juckenden Hautausschlag. War ja nur so ein Gedanke von mir. Aber da ist ja alles gut. Du kannst wieder in dein Zimmer gehen<s>.<\/s>\u201c sprach ich. Mit zusammengekniffenen Lippen verschwand er. Zwei Minuten sp\u00e4ter war er wieder da. Leise und&nbsp;mit gesenktem Kopf&nbsp;verk\u00fcndete er: \u201eIch war es.\u201c Der Hintergrund war schnell gekl\u00e4rt. Er wollte kein Kinderduschgel oder -bad mehr verwenden. Wir einigten uns, dass er die fast leere Flasche v\u00f6llig entleerte. Noch in derselben Woche gingen wir gemeinsam einkaufen. Er suchte sich ein Gel raus, was seiner Meinung nach von der Aufmachung cool aussah und m\u00e4nnlich roch. Ich studierte die Inhaltsstoffe. So konnten wir uns schnell einigen, der Ausschlag verschwand und das Problem war aus der Welt geschafft.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"38\"><strong>Spiegelung des Verhaltens oder Wie erziehe ich einen Mann<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Manchmal&nbsp;&#8211;&nbsp;aber nur manchmal&nbsp;&#8211;&nbsp;hat man den Eindruck, dass einige M\u00e4nner in der Steinzeit stehen geblieben sind. Je \u00e4lter sie werden, desto gr\u00f6\u00dfer wird das Verlangen ihren Marktwert vorrangig bei j\u00fcngeren Frauen zu testen. Auch ich habe so ein Exemplar erwischt. Selbst in meiner Gegenwart schaute er unverhohlen auf offener Stra\u00dfe j\u00fcngeren Damen hinterher. Als er wieder einmal eingehend den Hintern einer vor uns laufenden Frau studierte, fragte ich ihn von der Seite: \u201eNa, ist dieses Ges\u00e4\u00df genehm?\u201c \u201eGeht so\u201c, knurrte er nur.&nbsp; &#8216;Na warte mein Liebling,&#8217; dachte ich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">&#8216;Du bekommst deine Lektion!&#8217; Ich wusste auch schon wie. Mein Vergn\u00fcgen wollte ich ja auch haben. Dazu nutzte ich eine Eigenschaft vieler M\u00e4nner. Sie haben ein schlechtes Personenged\u00e4chtnis. War ich mit meinem Freund unterwegs und es kam&nbsp;uns&nbsp;ein&nbsp;gutaussehender&nbsp;Mann<s>,<\/s>&nbsp;in meinem Alter&nbsp;entgegen, gr\u00fc\u00dfte ich ihn. Welch eine Freude! Ich konnte f\u00f6rmlich die Gedanken hinter der Stirn lesen. &#8216;Kenne ich diese Frau? Ist es vielleicht eine Freundin meiner Frau. Ich will keinen \u00c4rger.&#8217; So oder \u00e4hnlich haben bestimmt alle gedacht. Freundlich und h\u00f6flich gr\u00fc\u00dfte jeder zur\u00fcck. Irgendwann fragte mich mein Freund: \u201eSag mal, woher kennst du die M\u00e4nner?\u201c \u201eGar nicht\u201c, war meine Antwort. \u201eAber sympathisch sehen sie doch aus, oder?\u201c Er begriff sofort. Ab diesem Zeitpunkt schaute er anderen Frauen nicht mehr hinterher. Zumindest nicht in meiner Gegenwart. Und das gen\u00fcgt mir.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"39\"><strong>Der Punkt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wieder einmal war es soweit. Omas Hausmittel halfen nicht mehr. Auch das Internet brachte keine neuen Erkenntnisse. Das Braun am unteren Teil des Duschvorhanges blieb hartn\u00e4ckig. Ein neuer musste her. Durch Zufall hatte der Supermarkt am gleichen Tag meiner Feststellung welche im Angebot. Auf dem ersten wieherte mich ein Zebra an. Nein, danke! Ich wei\u00df selber, dass ich keine 16, sondern 61 Jahre alt bin. Der zweite zeigte mir die L\u00e4nder der Erde auf. Wenn ich beim Duschen den Vorhang intensiv betrachte und das Wasser laufen lasse, wird es teuer. Doch der dritte gef\u00e4llt mir. In abstrakter Darstellung schweben angedeutete Pusteblumen gen Himmel. Das Ganze ist in blau und gr\u00fcn gehalten. Am unteren Ende dunkelgr\u00fcn. Prima. Zu Hause h\u00e4nge ich ihn schnell auf, ehe die Familie kommt. Aber, was ist das?! Auf halber H\u00f6he befindet sich ein brauner Punkt von etwa 5 mm Durchmesser. Kein Loch, kein Riss, nur ein brauner Punkt. Gut, bei Batikarbeiten ist im Vorfeld auch nicht das Ergebnis vorherzusagen. Es ist halt mein Duschvorhang.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wie \u00fcblich, verschwindet mein Sohn nach seinem Erscheinen sofort im Bad. Gleich danach erkl\u00e4rt er mir: \u201eDen Duschvorhang musst du reklamieren.\u201c \u201eNein\u201c, sagte ich. Er winkte ab und ging mit den Worten: \u201eMit dir dar\u00fcber zu reden, ist sinnlos<s>.<\/s>\u201c in sein Zimmer. Abends geht mein Freund nach getaner Arbeit duschen. Pl\u00f6tzlich fliegt die Badt\u00fcr auf. So, wie Gott ihn schuf, stand er halb drinnen, halb drau\u00dfen. \u201eHast du den Punkt schon gesehen?\u201c, fragte er mich. Verschmitzt l\u00e4chelte ich. \u201eVon welchem Punkt sprichst du?\u201c Er verdrehte die Augen und verschwand wieder im Bad.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am Wochenende kam Besuch. Es dauerte nicht lange und mein Duschvorhang er\u00f6ffnete eine heftige Debatte. Wann sollte man was reklamieren? Wann verlohnt es sich? Sollte man&nbsp;Kleinigkeiten&nbsp;hinnehmen, vielleicht sogar selbst reparieren, wenn man dazu in der Lage ist? Bei der heutigen Massenproduktion wird&nbsp;so viel&nbsp;Ausschuss produziert. Die M\u00fcllberge werden immer h\u00f6her. Sollte man tiefer in die Tasche greifen und auf solide Handwerkskunst setzen? Aber auch da hat man keine 100 % Garantie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am Abend verabschiedeten sich alle mit den Worten: \u201eEs war ein interessanter Tag mit vielen Anregungen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ein paar Tage sp\u00e4ter fand unser&nbsp;M\u00e4delsabend&nbsp;bei mir statt. F\u00fcnf&nbsp;ehemalige Freundinnen haben sich stets viel zu erz\u00e4hlen. Als die Erste aus dem Bad kam, kommentierte sie: \u201eToll, dein neuer Duschvorhang. Aber, er hat einen Punkt.\u201c Sofort sprangen die anderen Drei auf und rannten ins Bad. Wieder da, meinte unser Temperamentb\u00fcndel: \u201eDas ist wieder typisch f\u00fcr dich. Unsereins w\u00fcrde sich \u00e4rgern und aufregen. Aber du nimmst es gelassen.\u201c Die N\u00e4chste sann so vor sich hin: \u201eEigentlich haben wir doch im Laufe unseres Lebens gelernt, bei unseren M\u00e4nnern \u00fcber Dinge hinweg zu sehen, die wir sowieso nicht mehr \u00e4ndern k\u00f6nnen. Da ist so ein Punkt eine Lappalie.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Und ich sa\u00df still in meiner Sofaecke und freute mich schon auf meinen n\u00e4chsten Besuch.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"40\"><strong>Die Kuckucksuhr<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zum Anlass der Goldenen Hochzeit gibt es genug Witze. Einer ist mir besonders im Ged\u00e4chtnis geblieben:&nbsp;Ein frisch verm\u00e4hltes, junges Ehepaar&nbsp;f\u00e4hrt in die Flitterwochen. Der Ehemann&nbsp;interessiert sich in seiner Freizeit f\u00fcr Vogelstimmen. In einem Schaufenster sehen sie eine&nbsp;Kuckucksuhr. Verliebt schaut sie hin und denkt an ihn. Da h\u00e4tte er den Kuckucksruf sogar zu Hause. Er schaut sie von der Seite an. Die Uhr findet er h\u00e4sslich, kauft sie aber ihr zuliebe. Nach 50 Jahren ist diese defekt. Er versucht sie zu reparieren, was ihm nicht so gelingt. Er flucht: \u201eDiese h\u00e4ssliche Uhr!\u201c Sofort erwidert sie: \u201eWegen dir haben wir sie doch gekauft.\u201c&nbsp; Er: \u201eWas, nein!\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als ich meinen Freund kennenlernte, lernte ich auch seinen Kumpel kennen. Bei ihm zeigte er mir den gro\u00dfen F\u00e4cher an der Wand \u00fcber dem Sofa. Ihm gefiel er. Ich kaufte einen \u00e4hnlichen, nur nicht in&nbsp;schwarz und&nbsp;lila gehalten, sondern farbenfreudig. Das war ihm zu viel Farbe. Also legte ich den&nbsp;F\u00e4cher auf den Schrank. Monate sp\u00e4ter hatte ich einen wichtigen Termin. Als ich nach Hause kam, hing \u00fcber dem Sofa der F\u00e4cher an der Wand. Mein erster Gedanke war sofort: Das ist unsere Kuckucksuhr! Inzwischen haben wir unsere Stube anders gestaltet und der F\u00e4cher liegt wieder auf dem Schrank. Entsorgen werde ich ihn nicht. Beim Fr\u00fchjahrs- oder Herbstputz entstaube ich ihn und denke an die Kuckucksuhr. Immerhin sind wir nun fast 25 Jahre zusammen. Weitere kommen hoffentlich hinzu. Bis heute wei\u00df er nichts von meinen Gedanken. Irgendwann werde ich ihm&nbsp;die Geschichte mal erz\u00e4hlen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"41\"><strong>Die goldenen Zwanziger<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wir schreiben das Jahr 2020. Oft wird dieser Beginn&nbsp;eines neuen Jahrzehnts&nbsp;mit den zwanziger Jahren vor 100 Jahren verglichen. Jeder wei\u00df \u00fcber den damaligen Wirtschaftsaufschwung Bescheid. Das Tanzbein wurde reichlich geschwungen und ausgiebig gefeiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein Opa ist 1899 auf die Welt gekommen und meine Omi 1903. Beim Tanzen lernten sie sich 1923 kennen. Nat\u00fcrlich unter Aufsicht ihrer Eltern, meiner Urgro\u00dfeltern. Diese geh\u00f6rten der Mittelschicht an. Gegen eine Heirat hatte keiner etwas einzuwenden. Der Termin wurde festgelegt&nbsp;und alles vorbereitet. Anfang September 1924 war es dann soweit. Am Abend vorher fand, wie damals \u00fcblich, der Polterabend statt. Um Mitternacht kehrte das Brautpaar die Scherben zusammen. Die Braut ging danach schlafen, w\u00e4hrend der Br\u00e4utigam noch intensiv mit Freunden feierte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am n\u00e4chsten Morgen wartete die Braut festlich geschm\u00fcckt mit den G\u00e4sten vor der Kirche. Die Glocken l\u00e4uteten schon. Wer noch fehlte, war der Br\u00e4utigam. Freunde wurden ausgesandt, um ihn zu holen. Niedergeschlagen kamen sie zur\u00fcck.&nbsp;Trotz intensiver Bem\u00fchungen&nbsp;gelang es ihnen nicht, den Br\u00e4utigam zu wecken. Er schlief seinen Rausch aus. W\u00fctend raffte die Braut ihre R\u00f6cke. Und mit den Worten: \u201eNun erst recht, jetzt muss er ran.\u201c, verschwand&nbsp;sie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vier&nbsp;Wochen sp\u00e4ter gelang die Hochzeit und immerhin waren meine Gro\u00dfeltern fast 50 Jahre gl\u00fccklich und zufrieden verheiratet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich h\u00e4tte genauso,&nbsp;wie meine Omi,&nbsp;gehandelt. Die Gene leben weiter. Auch, wenn ich nun schon 62 Jahre alt bin, mal sehen, was die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts&nbsp;f\u00fcr mich&nbsp;bereithalten.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"42\"><strong>Die Henne und das Ei<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nein, es geht hier nicht darum, wer zuerst da war. Die Frage bleibt ewig umstritten. Auch die Tatsache, dass manche H\u00fchner braune und andere wei\u00dfe Eier legen, spielt hier keine Rolle.&nbsp;Vielmehr&nbsp;geht es darum, wie legt die Henne das Ei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zum Wochenende gibt es bei mir f\u00fcr jeden zum Fr\u00fchst\u00fcck ein Ei. Jeder hat seinen Eierbecher. Die Eier koche ich im Eierkocher in der K\u00fcche. Anschlie\u00dfend stelle ich sie in die Eierbecher. Selbstverst\u00e4ndlich so herum, wie sie&nbsp;im&nbsp;Eierkocher waren. Die spitze Seite geh\u00f6rt bei mir nach oben. Nach meinem Verst\u00e4ndnis legt die Henne ihr Ei mit der runden Seite zuerst ins Nest. Mein Freund dreht sein Ei stets um. Er behauptet, die Henne legt ihr Ei genau&nbsp;andersherum. Und so m\u00f6chte er auch das Ei im Eierbecher. Er freut sich immer auf Ostern. Die bunt gef\u00e4rbten Eier&nbsp;stehen in&nbsp;einem Extra-K\u00f6rbchen auf dem Tisch. Jeder darf sich eins aussuchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich sprach mit meinem Sohn \u00fcber dieses Thema. Er fand diese Frage albern. \u201eKindlich\u201c war sein Kommentar.&nbsp;\u201eAch\u201c,&nbsp;konterte ich. \u201eDie Frage deinerseits, ob ich das Klopapier zerkn\u00fclle oder falte, ist wohl hoch wissenschaftlich?\u201c Damals kam ich ihn mit der Gegenfrage: \u201eVorher oder nachher?\u201c Er gab sich geschlagen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Schlie\u00dflich schickte er mir zwei kleine&nbsp;YouTube-Clips. Im ersten legte das Huhn deutlich sichtbar die runde Seite zuerst. Wie freute ich mich schon. Doch im zweiten&nbsp;YouTube-Clip hatte das Huhn es sich genau&nbsp;andersherum&nbsp;\u00fcberlegt. Also bleibt diese Frage ungekl\u00e4rt. Auch Loriot hat dieses Problem nicht&nbsp;er\u00f6rtert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Aber letztendlich ist es egal, wie herum das Ei im Eierbecher steht oder die Henne es legt. Hauptsache es schmeckt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"43\"><strong><strong>Anordnung zur Corona&nbsp;&#8211;&nbsp;Schutzimpfung<\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Besonders f\u00fcr \u00e4ltere Menschen war der Ausbruch der Corona-Pandemie im M\u00e4rz 2020 schwer verst\u00e4ndlich. Wie sollten sie das auch verstehen. So etwas hatte bisher noch keiner erlebt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Besonders in den Alten- und Pflegeheimen gab es schwere Verl\u00e4ufe dieser Krankheit bis hin zum Tod. Alle mussten isoliert werden und vereinsamten. Gegen Ende des Jahres kam endlich Impfstoff auf den Markt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein 87-j\u00e4hriger Vater verglich am Anfang die Krankheit mit einer starken Grippe. Er erz\u00e4hlte&nbsp;stets allen, dass er als Kind ein paar Wochen mit&nbsp;einer heftigen&nbsp;Grippe im Bett lag. Nach seiner&nbsp;Genesung erkl\u00e4rte der Kinderarzt, dass er nun ein Leben lang immun sei. Es dauerte eine Weile, bis er begriff, dass es dieses&nbsp;Mal&nbsp;anders ist. Aber gegen eine Impfung war er weiterhin. Eines Tages meinte er pl\u00f6tzlich: \u201eWenn ich zur Impfung aufgefordert werde, komme ich dem nach. Man muss ja schlie\u00dflich seiner B\u00fcrgerpflicht nachkommen.\u201c Das war der Durchbruch! Mein 31-j\u00e4hriger Sohn hatte eine Idee. Er organisierte im Internet einen Impftermin f\u00fcr seinen Opa. Leider war nur in Pirna etwas frei. Abends kam er zu mir und druckte alles in Farbe aus. Anschlie\u00dfend steckte er die Aufforderung in einen DIN A4 Umschlag. \u201eDeine Handschrift kennt er<s>.<\/s>\u201c meinte er. Er schrieb mit Druckbuchstaben das DRK als Absender darauf. Au\u00dferdem ordnungsgem\u00e4\u00df die Anschrift meines&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vaters. Ich wand ein, dass sein Opa die fehlende, abgestempelte Briefmarke bemerken wird.&nbsp;\u201eDas&nbsp;merkt er nicht\u201c erwiderte er. \u201eIch stecke den Umschlag noch heute Abend in seinen Briefkasten.\u201c Am n\u00e4chsten Morgen rief mich mein Vater an. \u201eIch habe Post bekommen. Im Februar soll ich zum Impfen nach Pirna. Wie komme ich dorthin?\u201c \u201eKeine Angst\u201c sagte ich. \u201eIch rufe deinen&nbsp;Enkel an, er hat ja ein Auto.\u201c Mein Sohn rief abends seinen Opa an. \u201eIch habe geh\u00f6rt, du hast eine Aufforderung zum Impfen bekommen. Ich organisiere den Transport.\u201c Mein Vater bekam seine&nbsp;zwei&nbsp;Impfungen. Noch heute wundert er sich nur, dass er nicht in Dresden, sondern in Pirna geimpft wurde.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"44\"><strong><strong><strong>Gedanken zum 40. Jahrestag der Grundsteinlegung f\u00fcr das Neubaugebiet Dresden&nbsp;&#8211;&nbsp;Gorbitz<\/strong><\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am 21. August 1981 war es endlich soweit. Die Medien feierten das Ereignis geb\u00fchrlich. Und auch die Dresdner waren hocherfreut. War doch die Wohnungsnot in der DDR allgemein bekannt. Das kurz zuvor entstandene Neubaugebiet im Stadtteil Prohlis reichte nicht aus. Ein noch gr\u00f6\u00dferes sollte entstehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auch wir, mein Mann und ich, waren auf Wohnungssuche. Durch die Geburt unserer Tochter 1980 ist unsere Familie gewachsen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nur, wie sah es damals in der DDR aus? Die wenigen Wohnungen, die zur Verf\u00fcgung standen, wurden zentral oder durch die betrieblichen Wohnungskommissionen vergeben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dies lief \u00fcber ein kompliziertes Dringlichkeitsverfahren. Als Ledige hatte man da kaum Chancen. Trotzdem stellte fast jeder mit 18 Jahren einen Wohnungsantrag, denn die Wartejahre spielten auch eine Rolle. Auch ich ging genau an meinem 18. Geburtstag in meinem Ausbildungsbetrieb zur Wohnungskommission und stellte einen Antrag auf eigenen Wohnraum.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als ich im Juni 1975 meinen sp\u00e4teren Mann kennenlernte, wohnte er noch bei seinen Eltern und ich bei meinen. Beide hatten wir noch einen j\u00fcngeren Bruder, mit dem wir uns ein Zimmer teilen mussten. Der Wohnungsantrag meines damaligen Freundes lief bereits zwei Jahre. Er war halt zwei&nbsp;Jahre \u00e4lter. Im M\u00e4rz 1976 hatte er das Gl\u00fcck, dass er in Freital \u2013 Deuben in einem Privathaus eine kleine 2-Raum-Dachgeschosswohnung ohne Bad und mit Plumpsklo au\u00dferhalb der Wohnung beziehen konnte. Da&nbsp;das Dach kaputt war, war die Wohnung nass. Das Schlafzimmer war bereits baupolizeilich gesperrt. Eine Au\u00dfenwand war bereits schwarz vor Schimmel. Im Erdgeschoss des Hauses wohnte seine Oma. Leider verstarb sie im September des gleichen Jahres.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein Freund wollte nicht, dass ich zu ihm ziehe. Er war Student, wollte seine Ruhe f\u00fcr das Studium, wie er betonte. Also blieb ich bei meinen Eltern wohnen. Erst nach der Hochzeit im August 1979 zog ich zu meinem Mann. Der Privatbesitzer hatte ein Jahr zuvor das 6-Familienhaus an die KWV (kommunale Wohnungsverwaltung) verschenkt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Zustand des Daches wurde immer schlimmer und dadurch die Wohnung immer feuchter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Unsere Tochter kam mit sechs&nbsp;Monaten in die Kinderkrippe. Bedingt durch den schlechten Zustand der Wohnung wurde sie oft krank. Manchmal sogar zweimal monatlich. Der Betrieb legte mir nahe, sie krippenunf\u00e4hig schreiben zu lassen. Zum Gl\u00fcck war die Kinder\u00e4rztin dagegen und empfahl in einem Schreiben an den Betrieb, uns eine trockene Wohnung zu versorgen. Auch die Jugendf\u00fcrsorge (heute Jugendamt) reagierte \u00e4hnlich. Nichts half. Im September 1981 gingen wir absichtlich nicht zur Kommunalwahl. Wir warteten, bis es an unserer Wohnungst\u00fcr klingelte. Man versprach uns zu helfen und wir steckten den Zettel in die Wahlurne. Nur tat sich danach wieder nichts. Also musste aus unserer Sicht die Dringlichkeit durch eine weitere Schwangerschaft erh\u00f6ht werden. Das half. Im Juni 1982 erhielten wir die Zuweisung f\u00fcr eine 4-Raum-Wohnung ohne Balkon im neu entstehenden Neubaugebiet Gorbitz. Die Freude war gro\u00df.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die AWG &#8211; Anteile (Arbeiter-Wohnungs-Genossenschaft) von 2400 Mark waren bereits bezahlt. Die geforderten Arbeitsleistungen von 850 Stunden hatten wir mit 375 Stunden teilweise geleistet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein damaliger Mann arbeitete im VTKD (Verkehrs- und Tiefbaukombinat Dresden). Der Betrieb war beim Aufbau von Gorbitz mit beteiligt. Dadurch hatten wir die M\u00f6glichkeit, die restlichen 475 Stunden in Wohnn\u00e4he abzuleisten. Wir k\u00fcmmerten uns mit um den Anstrich der neuen Br\u00fcckengel\u00e4nder \u00fcber den&nbsp;Gorbitzbach. Dabei konnten wir auch gleich die geforderten&nbsp;VMI&nbsp;&#8211;&nbsp;Stunden (Volkswirtschaftliche&nbsp;Masseninitiative) in H\u00f6he von zehn&nbsp;Stunden pro Jahr mit absolvieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Au\u00dferdem mussten wir noch 40 Mark f\u00fcr die Wannenverkleidung und 116 Mark f\u00fcr ein 2.&nbsp;Waschbecken in der Diele bezahlen. Dieses war in gr\u00f6\u00dferen Wohnungen gleich eingebaut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Endlich hatten wir eine trockene Wohnung mit Bad nebst Wanne und flie\u00dfend warmes Wasser aus der Wand. Wir waren \u00fcbergl\u00fccklich. Der fehlende Balkon st\u00f6rte uns gar nicht. Als wir das erste Mal unser gro\u00dfes Wohnzimmer betraten, fanden wir in der Mitte des Zimmers, sch\u00f6n zusammengefaltet, die DDR-Fahne vor. Sie sollte an den Feiertagen, wie 1. Mai und 7. Oktober (Gr\u00fcndung der DDR), stra\u00dfenseitig aufgehangen werden. Keiner im Haus kam dieser Aufforderung nach. Als wir im Januar 1990 aus der Wohnung auszogen, legten wir diese wieder dorthin, wo wir sie vorgefunden hatten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wie alle nahmen wir am Anfang den Dreck und Staub auf der Stra\u00dfe und im Hof in Kauf. Es gab weder B\u00e4ume noch Wiese. Nur Bauschutt, Kies und Sand. Die Anschaffung von Gummistiefeln war f\u00fcr jeden oberstes Gebot.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im September 1982 erlebte ich in Gorbitz einen Sandsturm. Zum sp\u00e4ten Nachmittag bahnte sich ein Sommergewitter an. Dunkle Wolken erschienen am Himmel. Wie so oft k\u00fcndigte vorher ein heftiger Sturm das folgende Gewitter an. Da B\u00e4ume und Wiese noch fehlten, hatte der Wind breite Angriffsfl\u00e4che. Ich wohnte in der&nbsp;Braunsdorfer&nbsp;Stra\u00dfe in der vorletzten Etage. Zum Gl\u00fcck schloss ich rasch die Fenster. Nur wenig sp\u00e4ter konnte ich das Haus vom Asternweg gegen\u00fcber nicht mehr erkennen. So sehr wirbelte der Sturm Bauschutt, Kies und Sand in die H\u00f6he. \u201eIch muss nicht in die W\u00fcste reisen, um einen Sandsturm zu erleben. Das habe ich in Gorbitz auch.\u201c war mein Kommentar dazu.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Heilig Abend 1982 wurde unsere 2. Tochter geboren. Alles war perfekt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Fr\u00fchjahr 1983 wurde endlich Mutterboden angefahren, Gras ges\u00e4t und B\u00e4ume gepflanzt. Jetzt im Jahr 2021 sind die B\u00e4ume sch\u00f6n gro\u00df und dienen als Schattenspender und f\u00fcr V\u00f6gel als Nistplatz. Die&nbsp;Kinder haben viel Raum zum Spielen und Erwachsene<s>n<\/s>&nbsp;k\u00f6nnen auf dem Rasen ein Sonnenbad nehmen und abends grillen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Winter dienen die ehemaligen, inzwischen begr\u00fcnten und bepflanzten Schuttberge in den Innenh\u00f6fen den Kindern als Rodelberge.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Meine sechs Kinder sind in Gorbitz in die Schule gegangen und gro\u00df geworden. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist es das gr\u00f6\u00dfte Gl\u00fcck, dass ich in Gorbitz die Liebe meines Lebens gefunden habe. Ich bin so froh und dankbar dar\u00fcber.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gorbitz ist ein attraktiver Stadtteil geworden. Die Wohnungen wurden nach der Wende nach und nach saniert. Kulturell gibt es f\u00fcr alle Altersklassen vielseitige Angebote. Sogar Sportpl\u00e4tze f\u00fcr Senioren wurden errichtet. Viele Organisationen, Vereine und Initiativen sind in Gorbitz sesshaft geworden. Wer will, kann jederzeit aktiv an der Gestaltung seines Wohngebietes mitwirken. Die M\u00f6glichkeiten sind vielf\u00e4ltig. Ich f\u00fchle mich hier wohl und m\u00f6chte das Wohngebiet nicht mehr verlassen.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-background has-palette-color-6-background-color has-palette-color-6-color\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-palette-color-6-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-left has-small-font-size\"><strong><em>Pers\u00f6nliche Erinnerungen an DDR-Leben und Geschichten mit DDR-Bezug<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-small-font-size\"><em>Unsere Erinnerungs-Bibliothek darf weiterwachsen. Habt Ihr ebenfalls Erinnerungen an das Leben in der DDR oder Geschichten mit DDR-Bezug, die Ihr hier ver\u00f6ffentlichen m\u00f6chtet? Gerne k\u00f6nnt Ihr uns diese per E-Mail (<a href=\"mailto:info@kulturaktiv.org\">info@kulturaktiv.org<\/a>) oder per Post (Kultur Aktiv e.V., Bautzner Stra\u00dfe 49, 01099 Dresden) zuschicken.<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-background has-palette-color-6-background-color has-palette-color-6-color\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Das Projekt <\/em><strong><a href=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/en\/treffpunkt-ostzone-remember-and-shape\/\"><em>Treffpunkt ostZONE. Erinnern und gestalten<\/em><\/a><\/strong><em>&nbsp;wird gef\u00f6rdert durch das&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.hor-dresden.de\/\"><em>House of Resources Dresden&nbsp;+<\/em><\/a><em>.&nbsp;Diese Ma\u00dfnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom S\u00e4chsischen Landtag beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Landesprogrammes&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.willkommen.sachsen.de\/IntM_Flyer.htm\">Integrative Ma\u00dfnahmen<\/a>.<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-d0b3c9c8 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.hor-dresden.de\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/LebensBILD_HORDDplus_Logo_-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43537\" width=\"283\" height=\"114\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.willkommen.sachsen.de\/IntM_Flyer.htm\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1942\" height=\"604\" src=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/darstellungseinheit-logos-intm-300dpi-002.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-49433\" srcset=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/darstellungseinheit-logos-intm-300dpi-002.jpg 1942w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/darstellungseinheit-logos-intm-300dpi-002-1536x478.jpg 1536w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/darstellungseinheit-logos-intm-300dpi-002-1320x411.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1942px) 100vw, 1942px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>At Treffpunkt ostZONE. Remembering and Shaping, every biography was valued &#8211; across generations and interculturally. Some participants wrote down their stories and memories about life in the GDR or expanded their personal collections, which had been created well before the project. The focus was on short stories about life and everyday life in the GDR. 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