{"id":56342,"date":"2021-12-20T11:48:14","date_gmt":"2021-12-20T11:48:14","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturaktiv.org\/?p=56342"},"modified":"2022-05-03T09:26:51","modified_gmt":"2022-05-03T09:26:51","slug":"stories-and-memories-of-wolfgang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturaktiv.org\/en\/stories-and-memories-of-wolfgang\/","title":{"rendered":"Stories and memories of Wolfgang"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group alignwide is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top is-style-default\" style=\"grid-template-columns:auto 30%\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Prohlis-2_C_EmilyOrt-59-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-54154 size-full\" srcset=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Prohlis-2_C_EmilyOrt-59-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Prohlis-2_C_EmilyOrt-59-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Prohlis-2_C_EmilyOrt-59-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Treffpunkt-ostZONE-2021_Biografie-Kunstworkshop-Prohlis-2_C_EmilyOrt-59-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>At <strong><em><a href=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/en\/treffpunkt-ostzone-remember-and-shape\/\">Treffpunkt ostZONE. Remembering and Shaping<\/a><\/em><\/strong>, every biography was valued &#8211; across generations and interculturally. Some participants wrote down their stories and memories about life in the GDR or expanded their personal collections, which had been created well before the project. The focus was on short stories about life and everyday life in the GDR.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wolfgang <\/strong>gave us her notes and agreed to publish them.<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-palette-color-5-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-palette-color-1-color has-text-color\"><strong>Stories and memories of Wolfgang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-palette-color-1-color has-text-color has-small-font-size\"><a href=\"#1\">Kleine Nachtmusik oder Gro\u00dfvaters Geigenspiel<\/a> | <a href=\"#2\">Opel Blitz 3t.<\/a> | <a href=\"#3\">Begegnung der Br\u00fcckenbauer oder die verpasste Chance<\/a><br><a href=\"#4\">Von \u201eStreet&nbsp;fighting&nbsp;man\u201c bis \u201eLangeweile\u201c. Sp\u00e4tpubert\u00e4re Wunschtr\u00e4ume<\/a> | <a href=\"#5\">Gestrandet \u2013 Eine Jugends\u00fcnde<\/a><br><a href=\"#6\">Aufgemuckt<\/a> | <a href=\"#7\">\u201eJe t`aime\u201c eingehakt<\/a> | <a href=\"#8\">Der Steuermann<\/a> | <a href=\"#9\">Westbesuche<\/a> | <a href=\"#10\">Volle Drehung<\/a> | <a href=\"#11\">Toccata und Fuge d-Moll<\/a><br><a href=\"#12\">Augen auf und durch<\/a> | <a href=\"#13\">\u00dcberfahren<\/a> | <a href=\"#14\">Mutter und Vietnam<\/a> | <a href=\"#15\">Eine Frage an den Genossen Wolf<\/a><br><a href=\"#16\">Das Jahr 1989 &#8211; ein pers\u00f6nlicher Bericht<\/a> | <a href=\"#17\">Wie ich den 4. November 1989 erlebte<\/a><br><a href=\"#18\">5 DM f\u00fcr einen Stadtplan<\/a> | <a href=\"#19\">Wie das Jahr 1989 f\u00fcr mich endete und das Jahr 1990 f\u00fcr mich begann<\/a><br><a href=\"#20\">Meuterei?<strong> <\/strong>Beelitz \u201eFriedrich-Wolf-Kaserne\u201c 2. Januar 1990<\/a> | <a href=\"#21\">Wanzen k\u00f6nnen n\u00fctzlich sein<\/a><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"1\"><strong>Kleine Nachtmusik oder Gro\u00dfvaters Geigenspiel<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ob die folgende Begebenheit meiner Erinnerung oder der meiner Eltern entspringt, kann ich nicht eindeutig beantworten. Jedenfalls ist sie wahr. Ich muss nicht \u00e4lter als drei Jahre gewesen sein und war mit den Eltern und meiner j\u00fcngeren Schwester zu Besuch bei den Gro\u00dfeltern. Die wohnten zu der Zeit in einem kleinen havell\u00e4ndischen Dorf. Ihr Haus hatte einen kleinen Hof, auf dem wir Kinder gerne spielten. Eines Abends kam Opa Scheder auf die Idee, uns etwas auf seiner Geige vorzuspielen, damit meine Schwester und ich schneller einschlafen. Als wir im Bett lagen, holte er seine Geige und begann&nbsp;leise&nbsp;zu spielen. Statt einer Gute-Nacht-Geschichte kam nun eine kleine Nachtmusik. Sein Spiel, aber vor allem die Geige beeindruckten mich so sehr, dass ich trotz geschlossener Augen nicht m\u00fcde wurde. Immer, wenn er zu spielen aufh\u00f6rte, weil er glaubte, wir schliefen, war ich wieder voll da und sagte \u201eweiter\u201c oder \u201enoch mal\u201c zu ihm. Anfangs fand er das noch am\u00fcsant, aber nach mehreren \u201eWunsch-Zugaben\u201c f\u00fcr mich gab er schlie\u00dflich etwas genervt auf.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In dem Moment, in dem er seine Geige wieder einpackte, schlief ich beruhigt ein.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"2\"><strong>Opel Blitz 3t.<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dieser LKW geh\u00f6rt zu den Fahrzeugen, die mich in meiner Schulzeit in Plaue\/Havel sehr beeindruckten. Von der Einschulung 1957 bis zur 8. Klasse 1965 geh\u00f6rte der Sohn eines Kohlenh\u00e4ndlers zu meinen Klassen- und gelegentlich auch Spielkameraden. Wolfgang Reimanns Vater lieferte mit diesem Fahrzeug die Kohlen an die Haushalte im Ort aus, so auch an meine Familie in der damaligen Karl-Marx-Stra\u00dfe 12. Die Kohlenhandlung Reimann befand sich auf dem Hof des Lebensmittelgesch\u00e4fts \u201eEhrenberg\u201c an der Plauer Hauptstra\u00dfe. Manchmal hielt auch ich mich dort auf und konnte Wolfgangs Vater bei der Vorbereitung der Kohletransporte oder der Fahrzeugwartung zusehen. Mindestens einmal durfte ich auf der langen Sitzbank im Fahrerhaus Platz&nbsp;nehmen, die mit dunkelgr\u00fcnem Kunstleder bespannt war, und eine kleine Tour mitfahren.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"3\"><strong>Begegnung der Br\u00fcckenbauer oder die verpasste Chance<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In meinem Heimatort Plaue\/Havel, einem Ort bei Brandenburg an der Havel, gelegen an der Fernverkehrsstra\u00dfe 1 (F1) von Berlin nach Magdeburg, ereignete sich im Fr\u00fchjahr 1965 folgende Begebenheit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Es muss an einem Wochentag gewesen sein, denn ich wollte zur KONSUM-Verkaufsstelle im Ort, die direkt an der F1 lag. Was ich kaufen wollte oder ob es Vor- oder Nachmittag war, wei\u00df ich nicht mehr. Der KONSUM lag auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite, aber ich konnte die Stra\u00dfe wegen des starken Verkehrs nicht \u00fcberqueren. Aus Richtung Magdeburg kam eine mir endlos scheinende Milit\u00e4rkolonne der NVA&nbsp;(Nationale Volksarmee)&nbsp;und der Verkehr aus der Gegenrichtung war gezwungen, auf der \u00e4u\u00dferst rechten Seite zu halten. Bei den Milit\u00e4rfahrzeugen handelte sich um gro\u00dfe und breite LKW mit Pontons und um Schwimmwagen, also Technik zum Br\u00fcckenbau.&nbsp;Fast auf H\u00f6he des KONSUMs war auch ein Reisebus der tschechischen Marke SKODA zum Stehen gekommen, der mir wegen seiner Insassen und der Art ihres Gep\u00e4cks besonders auffiel. Sie hatten eine sehr dunkle Hautfarbe und f\u00fchrten Beh\u00e4lter f\u00fcr Instrumente mit sich. Einige von ihnen hatten den Bus inzwischen verlassen, um zu rauchen oder&nbsp;sich nur die F\u00fc\u00dfe zu vertreten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als angehender 15-J\u00e4hriger, dessen Eltern in ihrer Schallplattensammlung auch Jazz-Platten hatten, ahnte ich in diesem Moment schon, um welche Musiker es sich hier handelte. Aus etwa 10 Meter Entfernung konnte ich an einem der Busfenster das runde Gesicht eines offensichtlich kleinen beleibten Mannes gut erkennen. Jetzt war ich mir sicher, dass es sich nur um Louis Armstrong handeln konnte. Mein erster Impuls war, die Stra\u00dfe sprungartig zu \u00fcberqueren, was m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, und an die ge\u00f6ffnete Bust\u00fcr zu treten, um ihn um ein Autogramm zu bitten. Mein Schul-Englisch h\u00e4tte dazu gereicht. Mir fehlte aber der Mut und ich z\u00f6gerte wohl einige Minuten zu lange. Die&nbsp;Bust\u00fcren wurden wieder geschlossen und der Reisebus bewegte sich mit der langen Warteschlange langsam vorw\u00e4rts.&nbsp;Noch am selben Tag oder am n\u00e4chsten h\u00f6rte ich im&nbsp;DDR-Rundfunk von der DDR-Tournee der Louis Armstrong-Band. Sp\u00e4ter wurde im DDR-Fernsehen ein Bericht vom Auftritt Louis Armstrongs in Magdeburg gesendet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">PS: Am 1.Mai 1965 trat Louis Armstrong in der Festhalle Magdeburg auf. Es war eines von 17 umjubelten Konzerten in der DDR.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zur politischen Lage im Fr\u00fchjahr 1965:&nbsp;Anfang April (07.04.) tagte der Deutsche Bundestag in West-Berlin. Die Sowjetunion und die DDR sahen darin einen Versto\u00df gegen den 4-M\u00e4chte-Status von Berlin und werteten dies als eine ungeheure Provokation. Der Kalte Krieg war wieder mal auf einem H\u00f6hepunkt. Die Sowjetarmee und die NVA begannen mit Truppen\u00fcbungen, die Teile der Autobahn nach Berlin blockierten und den Stra\u00dfenverkehr rund um Berlin erheblich behinderten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als die wahren Br\u00fcckenbauer zwischen Ost und West erwiesen sich in dieser Zeit die Musiker um Louis Armstrong.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"4\"><strong><strong>Von \u201eStreet&nbsp;fighting&nbsp;man\u201c bis \u201eLangeweile\u201c. Sp\u00e4tpubert\u00e4re Wunschtr\u00e4ume<\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das Schuljahr 1965\/-66 begann f\u00fcr mich an der Erweiterten Oberschule \u201eJohann Wolfgang Goethe\u201c in Brandenburg an der Havel. Heute bezeichnet man eine solche Schule als Gymnasium.&nbsp;Neben der schulischen Ausbildung gab es noch eine Berufsausbildung. Ich hatte mich f\u00fcr die Ausbildung zum Stahlwerker entschieden, weil mein Gro\u00dfonkel Walter Rudel im Stahl- und Walzwerk Brandenburg Lehrobermeister war.&nbsp;Da ich im Ortsteil Plaue wohnte, musste ich t\u00e4glich mit der Stra\u00dfenbahn zur 15 km entfernten Schule oder Berufsschule fahren. Als sogenannter Fahrsch\u00fcler blieb mir aber noch gen\u00fcgend Zeit, meinen Interessen nachzugehen. Au\u00dferdem gab es ja noch die Schulferien.&nbsp;Gern durchstreifte ich mit dem Fahrrad die Umgebung meines Heimatortes. Die Kleinbildkamera \u201eWerra\u201c meines Gro\u00dfvaters hatte ich manchmal dabei. Abends las ich gern Zukunftsromane (heute hei\u00dfen sie Science-Fiction-Romane)&nbsp;oder Fachliteratur \u00fcber Jagdwesen, Kfz-Technik oder Fotografie. Oft h\u00f6rte ich dazu Radiomusik. Zun\u00e4chst mit einem Detektor, den ich unter Anleitung meines Vaters gebaut hatte. Ein Detektor ist ein Radio im Miniformat, bei dem man Kopfh\u00f6rer braucht, um etwas h\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Mit diesem Detektor konnte ich zwei Sender gut empfangen, den \u201eDeutschen Soldatensender\u201c und den \u201eFreiheitssender\u201c. Das waren Sender, die sich mit ihrem Programm ausschlie\u00dflich an die westdeutschen H\u00f6rer wandten, obwohl sie auf dem Gebiet der DDR standen.&nbsp;Ihre Musik war&nbsp;westliche&nbsp;Beat- und Schlagermusik. Diese Musik zog mich immer mehr in ihren Bann. Als sich meine Gro\u00dfeltern ein neues Rundfunkger\u00e4t anschafften, stellten sie ihr altes Ger\u00e4t ins Kinderzimmer. Mit diesem gro\u00dfen Kasten konnte ich nun mehr Sender empfangen. Mein beliebtester Sender wurde der \u201eSender Freies Berlin\u201c, der in West-Berlin stand. F\u00fcr mich war er ein antikapitalistischer Sender, denn er berichtete auch positiv \u00fcber die Studentenproteste und die Anti-Kriegs-Bewegung in Westberlin und Westdeutschland. Solche Titel von den Rolling Stones wie \u201eStreet&nbsp;fighting&nbsp;man\u201c oder \u201eRevolution\u201c von den Beatles bewegten mich sehr. Aber auch romantische Songs wie \u201eAtlantis\u201c von&nbsp;Donavan&nbsp;oder \u201ePictures Of&nbsp;Matchstick&nbsp;Men\u201c von Status Quo befl\u00fcgelten meine&nbsp;Fantasie, denn eigentlich war ich ein Tr\u00e4umer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich tr\u00e4umte vom Sieg des Sozialismus \u00fcber den Kapitalismus, wobei das&nbsp;Beste&nbsp;aus beiden Systemen, aus Ost und West verschmelzen sollte. Vom Westen sollte das unter anderem die Jazz- und Beatmusik sein.&nbsp;Auch gegen\u00fcber M\u00e4dchen war ich eher ein Tr\u00e4umer, das hei\u00dft, mein Verh\u00e4ltnis zu Frauen und M\u00e4dchen war ein platonisches. Ich schw\u00e4rmte von dieser oder jener, aber es blieb bei rein geistiger, also platonischer Liebe. Kurt Tucholsky beschrieb die platonische Liebe treffend, indem er feststellte: \u201ePlatonische Liebe ist wie ewig zielen aber niemals abdr\u00fccken\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Anders verhielt es sich mit meinem Verh\u00e4ltnis zum Staat DDR und seiner Politik. Keine Zur\u00fcckhaltung zeigte ich, wenn es galt, Funktionen und Aufgaben in der Pionierorganisation oder der FDJ&nbsp;(Freie Deutsche Jugend)&nbsp;zu \u00fcbernehmen. Au\u00dferdem wollte ich in die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) eintreten. Meine Eltern waren in dieser Partei und sie waren meine Vorbilder. So einfach, wie ich mir das vorstellte, war der Eintritt in die SED aber nicht. Als Lehrer&nbsp;geh\u00f6rten meine Eltern der Intelligenz an, und die war in der f\u00fchrenden Arbeiter- und Bauernpartei gerade nicht gefragt. Mir wurde erkl\u00e4rt, dass erst wieder mehr Arbeiter und Bauern in die Partei eintreten m\u00fcssen, bevor ich einen Aufnahmeantrag stellen durfte. Das sah ich zwar ein, war aber trotzdem ver\u00e4rgert. Aus Protest wollte ich sogar in eine Blockpartei eintreten. Am besten in die CDU&nbsp;(Christlich Demokratische Union), denn die wollte auch das Gleiche wie die SED, nur dass sie eben den Kirchen nahestanden. Dann wurde die Partei auch noch als \u201eClub der Ungek\u00fcssten\u201c verspottet. Mein Protest blieb deshalb nur ein stiller.&nbsp;Das blieb so bis in die 1980er Jahre, obwohl bei mir zunehmend Zweifel an dieser oder jener Ma\u00dfnahme der Partei- und Staatsf\u00fchrung aufkamen. Sp\u00e4testens seit Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion erhoffte ich mir einen offeneren Umgang mit den gesellschaftlichen Problemen. Ich begehrte aber nicht offen auf, \u00e4u\u00dferte meine Kritik nur im vertrauten Kreis und wartete ab. \u201eZu lange gewartet, zu lange gehofft \u2026&#8221;, hei\u00dft es im Song der DDR-Band Pankow. Als mir das vollends klar wurde, existierte \u201emeine DDR\u201c nur noch wenige Monate.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"5\"><strong>Gestrandet \u2013 Eine Jugends\u00fcnde<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Es waren die letzten gro\u00dfen Schulferien vor dem Abitur. Ich war gerade 18 geworden, somit vollj\u00e4hrig, und durfte zum ersten Mal ohne Erlaubnis meiner Eltern allein verreisen. Gemeinsam mit einem befreundeten Klassenkameraden plante ich eine Woche Zelturlaub an der Ostseek\u00fcste. Unsere Fahrr\u00e4der wollten wir mitnehmen und uns auf dem Zeltplatz in Markgrafenheide bei Warnem\u00fcnde ein Zelt mieten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">An einem Augusttag bestiegen wir in Brandenburg an der Havel mit unseren R\u00e4dern den Zug nach Rostock. Ab Rostock ging es mit den Fahrr\u00e4dern weiter nach Warnem\u00fcnde und Markgrafenheide, das noch etwa 10 Kilometer entfernt lag. Bei der Zeltplatzverwaltung wurde uns mitgeteilt, dass f\u00fcr diesen Tag alle Zelte vermietet waren, aber am n\u00e4chsten Tag Zelte frei w\u00fcrden. Nun war guter Rat teuer, denn eine \u00dcbernachtung in einer Pension lie\u00df unser Urlaubs-Taschengeld nicht zu. Wir fuhren nach Warnem\u00fcnde zur\u00fcck und suchten nach einer \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit in einer Jugendherberge oder \u00c4hnlichem. Wir fanden kein freies Zimmer und es wurde immer sp\u00e4ter. Jetzt suchten wir drau\u00dfen nach einem geeigneten Platz zur \u00dcbernachtung.&nbsp;Den fanden wir auf der Warnem\u00fcnder Seepromenade, die, durch B\u00e4ume und Str\u00e4ucher abgeschirmt, gleich hinter dem Strand verlief. Auf den B\u00e4nken, die am Promenadenweg standen, lie\u00df es sich unserer Meinung nach gut \u00fcbernachten. Der Strand mit seinen bequemen Strandk\u00f6rben kam leider daf\u00fcr nicht in Frage. Dort durfte man sich nach 22 Uhr nicht mehr aufhalten, denn er befand sich im Grenzgebiet. Das wussten wir durch die Schilder, die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden aufgestellt waren. Bevor es dunkel wurde, fand jeder \u201eseine Bank\u201c, auf der er sich in seine Decke h\u00fcllte. Dass der Weg durch Laternen gut ausgeleuchtet war, st\u00f6rte mich nicht, denn ich war nach dem anstrengenden Tag sehr m\u00fcde. Au\u00dferdem gab mir das Licht auch ein wenig ein Gef\u00fchl der Sicherheit. Welch ein Irrtum!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich war noch gar nicht richtig eingeschlafen, da h\u00f6rte ich Ger\u00e4usche. Eh ich mich versah, standen mir zwei Bewaffnete gegen\u00fcber, die mich und meinen Freund aufforderten, aufzustehen und mitzukommen. Es waren Matrosen der Grenztruppen (der sogenannten Grenzbrigade K\u00fcste), die uns auf ihre Wache brachten. Dort wurden unsere Personalien festgestellt und es erfolgte eine Befragung. Die Grenzer wollten&nbsp;zuerst&nbsp;wissen, warum wir uns im Grenzgebiet aufhielten, und dort ausgerechnet auf dem Postenweg. Wir beteuerten unser Unwissen, besser gesagt unsere Dummheit. Die nahmen sie uns ab, das hei\u00dft, sie glaubten uns. Nach einer Verwarnung entlie\u00dfen sie uns in die k\u00fchle Nacht. Dabei h\u00e4tten wir gern in ihrem gem\u00fctlichen Klubraum noch einige Stunden geschlafen. Daran war nun nicht mehr zu denken. Auf dem Boden des geschlossenen Warteraums im Warnem\u00fcnder Bahnhof sitzend, konnten wir kein Auge mehr zumachen.&nbsp;Im Morgengrauen machten wir uns wieder auf den Weg zum Zeltplatz. Dort gab es dann schlie\u00dflich ein freies Zelt, in dem wir uns sofort&nbsp;schlafen legten. Wir reisten etwas fr\u00fcher als geplant wieder zur\u00fcck nach Hause, denn das Taschengeld wurde knapp. Au\u00dferdem hatte der schlechte Urlaubsstart uns die Laune vermiest.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Aus heutiger Sicht hatte diese \u201eJugends\u00fcnde\u201c auch etwas Gutes f\u00fcr meine sp\u00e4tere berufliche Laufbahn. Vielleicht bewahrte sie mich vor einem Dienst bei den Grenztruppen.&nbsp;Ich war als&nbsp;angehender Berufssoldat f\u00fcr die Ausbildung an einer Unteroffiziersschule der Grenztruppen&nbsp;der Nationalen Volksarmee&nbsp;vorgesehen, doch&nbsp;Monate vor Beginn meines Wehrdienstes teilte mir mein Wehrkreiskommando mit, dass ich zur Unteroffiziersschule in Wei\u00dfwasser\/Haide komme.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"6\"><strong>Aufgemuckt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im November 1969 begann meine Armeezeit.&nbsp;Am fr\u00fchen Vormittag des 4. November 1969 befinde ich mich mit vielen&nbsp;anderen jungen M\u00e4nnern am Hauptbahnhof Brandenburg\/Havel. Ein Personenzug steht bereit. Er wird mich und die anderen zu einer Kaserne der Nationalen Volksarmee in der Oberlausitz bringen. Am Nachmittag werden wir an einer Rampe am Rande eines Kiefernwaldes ankommen. Bis dahin ist&nbsp;alles&nbsp;ruhig und langsam verlaufen. Innerlich bin ich aber etwas aufgeregt und angespannt. Meine Anspannung wird noch etwas verst\u00e4rkt durch die Art und Weise des Empfangs durch die k\u00fcnftigen Ausbilder und Vorgesetzten. Laute Kommandos ert\u00f6nen, wir werden aufgerufen und zu Marschbl\u00f6cken formiert. Dann geht es im Laufschritt zu den Unterk\u00fcnften. Wir m\u00fcssen eine Weile auf der Betonstra\u00dfe laufen, an der sich mehrst\u00f6ckige Unterkunftsbl\u00f6cke aufreihen. Von den uns begleitenden Unteroffizieren werden wir immer wieder aufgefordert, das Tempo zu halten. Der Laufschritt wird in den n\u00e4chsten Tagen und Wochen eine vorherrschende Bewegungsform sein. Nach Erreichen der Unterkunft passiert alles weitere im gef\u00fchlten 5-Minuten-Takt. Ein Pfiff auf dem Flur k\u00fcndigt eine n\u00e4chste Ma\u00dfnahme an. Ihm folgt das Kommando \u201eFertigmachen zum Ausr\u00fcstungsempfang, Essen, Waschen,&#8221; usw. Ein kurz&nbsp;darauffolgender&nbsp;zweiter Pfiff bedeutet dann \u201eRaustreten zur angek\u00fcndigten Ma\u00dfnahme&#8221;. Unter der empfangenen Bekleidung und Ausr\u00fcstung ist auch eine Zeltbahn, in die alles andere eingewickelt werden kann. Mit diesem Sack geht es zur\u00fcck zur Mannschaftsunterkunft, einem Zimmer mit etwa 5 Doppelstockbetten und 10 Schr\u00e4nken. Jetzt m\u00fcssen die Zivilsachen ausgezogen und in den mitgebrachten Taschen verstaut werden. Sp\u00e4ter werden sie eingesammelt und eingelagert. Unsere erste milit\u00e4rische Bekleidung bis zum Abend ist der Trainingsanzug. Der f\u00fcr uns zust\u00e4ndige Unteroffizier zeigt uns, wie wir den Schrank einr\u00e4umen m\u00fcssen und wie das Bett gebaut wird. \u201eSchrank und Bettenbau\u201c hei\u00dft das nun in der Milit\u00e4rsprache. Ich betrachte meine neuen Uniformteile, bevor ich sie in den Schrank packe, und mir wird nun richtig bewusst, dass ich Soldat bin.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Aus irgendeinem Grund fehlt auf der Stube noch ein Bett und ich werde f\u00fcr eine \u00dcbernachtung in einer anderen Stube untergebracht. Es ist das Kraftfahrerzimmer, in dem Soldaten des 2. und 3. Diensthalbjahres untergebracht sind. Sie dienen nur 18 Monate und gelten schon als \u201ealte Hasen\u201c oder \u201eEK`s\u201c, was \u201eEntlassungskandidaten\u201c hei\u00dft. Kaum bin ich mit ihnen allein und will mich ins Bett legen, bekomme ich die Anweisung, ihre Kaffeebecher und Teller abzuwaschen. Einer von ihnen, ein Gefreiter, beruft sich auf seinen h\u00f6heren Dienstgrad, der ihn berechtige, mir Befehle zu erteilen. Im Fall meiner Weigerung drohen sie mir \u201en\u00e4chtliche Besuche\u201c an. Dann komme die \u201eschwarze Kuh\u201c oder so \u00e4hnlich. Ich bin ver\u00e4rgert, aber auch verunsichert. Was habe ich denen getan, dass die mich so behandeln? Widerwillig nehme ich ihr Geschirr und gehe in den Waschraum. Da schon Nachtruhe ausgerufen wurde, falle ich dem Unteroffizier vom Dienst (UvD) auf. Bei dem beschwere ich mich \u00fcber die Art und Weise, wie ich von meinen Zimmergenossen behandelt werde. Er folgt mir ins Zimmer und weist die drei zurecht.&nbsp;Nun sind sie w\u00fctend und k\u00fcndigen mir eine unruhige Nacht an. Ich lege mich ins Bett und warte auf das, was geschehen soll. Weil lange nichts passiert, schlafe ich ein. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In den folgenden Tagen und Wochen gew\u00f6hnte ich mich nur sehr langsam an das neue Leben. Besonders an den Umstand, dass ich offensichtlich nicht in der Einheit gelandet war, f\u00fcr die ich mich mindestens 10 Jahre verpflichtet hatte. Das Wehrkreiskommando hatte mich f\u00fcr einen Einsatz bei einer Einheit des Kommandantendienstes (KD) vorgesehen. Die KD-Einheiten der NVA&nbsp;(Nationalen Volksarmee)&nbsp;waren f\u00fcr den Streifendienst und f\u00fcr die Verkehrsregulierung zust\u00e4ndig. Sie sind mit den heutigen Feldj\u00e4gern der Bundeswehr vergleichbar.&nbsp;In meinen Augen war ich in diese Situation durch einen Vertragsbruch von Seiten der Armee gekommen und ich f\u00fchlte mich an meine Verpflichtung als Berufssoldat nicht mehr gebunden. Ein Berufsleben bei den Motorisierten Sch\u00fctzen, auch&nbsp;\u201eMucker\u201c genannt, konnte und wollte ich mir nicht vorstellen.&nbsp;Nach drei Wochen Grundausbildung kam die Gelegenheit, meine Sorgen&nbsp;vor dem Kommandeur loszuwerden. Vor der Vereidigung und der Ernennung zum Unteroffizierssch\u00fcler wurde mit jedem neuen Soldaten ein Personalgespr\u00e4ch gef\u00fchrt. Wohl zum ersten Mal im Leben akzeptierte ich einen \u201evon oben\u201c (im Sinne von staatlicher Verwaltung) gefassten Beschluss nicht. Meine Bedingung war: entweder Berufssoldat beim Kommandantendienst oder nur drei Jahre in einer Motorisierten Sch\u00fctzeneinheit. &nbsp;Wenige Tage sp\u00e4ter durfte ich mich zwei Etagen h\u00f6her im selben Block beim Chef der KD-Einheit als Neuer vorstellen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"7\"><strong>\u201eJe t`aime\u201c eingehakt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die ersten Wochen seit Beginn meines Wehrdienstes in der NVA waren vergangen und die Grundausbildung war beendet. Ab Dezember 1969 erfolgte die Spezialausbildung f\u00fcr den Kommandantendienst. Dazu geh\u00f6rte zum Beispiel der Unterricht in Kraftfahrzeugtechnik und milit\u00e4rischem Ordnungsdienst, sowie die praktische Ausbildung im Fahr- und Regulierungsdienst. Zum praktischen Teil des Ordnungsdienstes geh\u00f6rte auch der Milit\u00e4rstreifendienst im Standortbereich, meist am Wochenende. Zum Standortbereich geh\u00f6rten die Orte Kromlau, Gablenz, Krauschwitz und Bad&nbsp;Muskau. In diesen Orten gab es mindestens einen Gasthof, der von Armeeangeh\u00f6rigen im Ausgang aufgesucht wurde.&nbsp;Aufgabe einer Streife war es, Disziplin und Ordnung von Armeeangeh\u00f6rigen in der \u00d6ffentlichkeit zu kontrollieren und gegebenenfalls durchzusetzen. Kontrolliert wurde vor allem die G\u00fcltigkeit von Ausgangskarten, Dienstauftr\u00e4gen und Urlaubsscheinen. Wert legte eine Streife auch auf die Einhaltung der Bekleidungsordnung durch die Armeeangeh\u00f6rigen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">An einem Sonnabend im Dezember 1969 stand also Streife im Dienstplan. Streifenf\u00fchrer Feldwebel Voigt lie\u00df das Streifenfahrzeug, einen Robur LO, vorfahren, und au\u00dfer mir nahmen noch zwei weitere Unteroffizierssch\u00fcler&nbsp;als Streifenposten auf der Ladefl\u00e4che des LKW&nbsp;Platz. Es war schon fast dunkel, als wir einen Gasthof nahe Bad&nbsp;Muskau&nbsp;erreichten. Aus dem Lokal war&nbsp;Disko-Musik zu h\u00f6ren. Ein kurzer Blick durch die Eingangst\u00fcr gen\u00fcgte, um zu sehen, dass der Innenraum \u00fcbervoll war. Auf der Tanzfl\u00e4che dr\u00e4ngelten sich die Paare. Armeeangeh\u00f6rige waren fast in der \u00dcberzahl.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wie \u00fcblich postierte der Streifenf\u00fchrer je einen Mann rechts und links vom Eingang. Er stellte sich in ihre Mitte und lie\u00df seinen Blick \u00fcber die Menge schweifen. Die Masse befand sich auf der Tanzfl\u00e4che, im Halbdunkel wurde gerade \u201eJe&nbsp;t\u2018aime\u201c gespielt. Die Paare schmiegten sich aneinander, es war kaum Platz zwischen ihnen. Unseren Feldwebel schien das nicht zu beeindrucken. Mit Adleraugen ersp\u00e4hte er inmitten der verschlungenen Paare einen Gefreiten mit nicht ganz geschlossenem Kragen der Uniformjacke. Der Haken an einem Kragenende war nicht (mehr) eingehakt, so wie es die Dienstvorschrift 10\/5, die Bekleidungsvorschrift, vorschrieb. Ich, der neben dem Streifenf\u00fchrer stand, bekam den Befehl: \u201eUnteroffizierssch\u00fcler Scheder, gehen Sie zu diesem Gefreiten und fordern Sie ihn auf, den Kragen zu schlie\u00dfen\u201c. Mir blieb keine Zeit zum \u00dcberlegen. Mit einer Hand meine Pelzm\u00fctze und mit der anderen meine Pistolentasche haltend, dr\u00e4ngelte ich mich durch die eng umschlungen Tanzenden. Ich sp\u00fcrte nicht nur ihre&nbsp;Blicke,&nbsp;sondern auch ihre K\u00f6rper. Nachdem ich den Gefreiten erreicht hatte, sahen er und seine Partnerin mich an, als w\u00e4re ich aus einer anderen Welt. (Was ich ja in diesem Moment auch war.) Es bedurfte einer zweiten Aufforderung von mir, bevor er widerwillig den Kragen schloss. Nun konnte ich den R\u00fcckzug antreten, was f\u00fcr mich nicht weniger unangenehm war. Die ganze Sache war mir einfach peinlich, denn ich w\u00e4re am liebsten selbst unter den Tanzenden gewesen. Wahrscheinlich h\u00e4tte ich den Kragen die ganze Zeit auch nicht so eng geschlossen gehalten. Diesen Ort verlie\u00df ich mit einem wehm\u00fctigen Gef\u00fchl, denn ich war 19, lange nicht mehr zuhause gewesen und f\u00fchlte mich in diesem Moment sehr einsam.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"8\"><strong>Der Steuermann<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Meine erste Fahrt am Steuer eines Pkw absolvierte ich im Winter 1969\/1970 auf der Fahrschulstrecke der Unteroffiziersschule der Landstreitkr\u00e4fte in&nbsp;Wei\u00dfkeisel. Als Unteroffizierssch\u00fcler und Angeh\u00f6riger der Aufkl\u00e4rungs- und Kommandantendienst-Kompanie sollte ich zum Milit\u00e4rstreifenf\u00fchrer und Regulierer ausgebildet werden. Ich hatte wie die meisten meiner Kameraden nur den Motorrad-F\u00fchrerschein. Unser Zugf\u00fchrer Oberleutnant Bochmann setzte trotzdem Fahrausbildung mit dem K\u00fcbelwagen Sachsenring P3 im Gel\u00e4nde an.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Fahrzeug nahmen der Zugf\u00fchrer und drei Fahrsch\u00fcler Platz, und nach kurzer Unterweisung begann jeweils einer von den dreien mit einer \u00dcbungsrunde. Ich war als zweiter oder dritter an der Reihe. An meinem Fahrstil hatte der Zugf\u00fchrer wenig auszusetzen, nur mit meiner Lenktechnik in Kurven war er nicht einverstanden. Als ich in der n\u00e4chsten Kurve wieder die H\u00e4nde vom&nbsp;Lenkrad nahm und &#8220;\u00fcbergriff&#8221;, korrigierte er mich, in dem er meine H\u00e4nde am Steuer fixierte. Dadurch verlor ich kurzzeitig die Kontrolle \u00fcber das Fahrzeug, das hei\u00dft, ich schaffte die Kurve nicht mehr. Ein Pfahl am Fahrbahnrand wurde umgefahren. Der Pfahl war aus Holz und so entstand kein Schaden am Fahrzeug.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Welche Fragen wirft diese Begebenheit auf?<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Warum hatte ich mein Lenkverhalten nach der ersten Kurve nicht ge\u00e4ndert?<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>War das \u201eEingreifen\u201c des Vorgesetzten ins Lenkrad gerechtfertigt?<\/em>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"9\"><strong>Westbesuche<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ostdeutsche verstanden und verstehen bis heute unter \u201eWesten\u201c nicht nur eine Himmelsrichtung, sondern auch \u201eWestdeutschland\u201c und \u201eWestberlin\u201c. &nbsp;F\u00fcr mich war schon als Vorschulkind \u201eWestberlin\u201c ein Begriff, mit&nbsp;dem sich bestimmte Erlebnisse und Ger\u00fcche verbanden. Der \u201eWesten\u201c roch f\u00fcr mich nach ger\u00f6stetem oder frisch gebr\u00fchtem Bohnenkaffee, also sehr angenehm. Ich hatte n\u00e4mlich eine Westberliner Urgro\u00dfmutter, die mal zu uns nach Plaue\/Havel kam, oder die meine Eltern gelegentlich besuchten. Bis zum 13. August 1961 war die Einreise oder Durchreise durch Berlins&nbsp;Westen f\u00fcr DDR-B\u00fcrger noch m\u00f6glich. Meine Eltern fuhren dann mit dem Personenzug nach Potsdam und stiegen dort in die Berliner S-Bahn. Am Grenzbahnhof Griebnitzsee gab es einen kurzen Aufenthalt und eine Kontrolle durch den DDR-Zoll. Danach ging es weiter, und schon waren sie in Westberlin.&nbsp;Als sie mich zum ersten Mal mitnahmen, war ich noch keine drei Jahre alt. Am S-Bahnhof Charlottenburg erwartete uns Hulda Sommer, so hie\u00df meine Urgro\u00dfmutter, und brachte uns zu ihrer kleinen Wohnung in der&nbsp;Knobelsdorffstra\u00dfe&nbsp;(Nr.13). Ihre Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung lag im obersten Stock eines Hinterhauses. Solche Bauten wurden auch \u201eMietskasernen\u201c genannt, mit Klo (Toilette) im Treppenhaus. Meine Eltern erz\u00e4hlten mir sp\u00e4ter von diesem ersten Besuch, denn ich probierte den Inhalt einer Dose NIVEA-Creme, den ich f\u00fcr Schlagsahne hielt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Beim n\u00e4chsten Aufenthalt in Berlin-Charlottenburg war ich vielleicht&nbsp;f\u00fcnf oder sechs&nbsp;Jahre alt, denn daran kann ich mich noch gut erinnern. Meine Urgro\u00dfmutter hatte ein Zimmer an eine Frau mit Sohn untervermietet. Frau H\u00fcbners Sohn ging schon zur Schule. Ich bewunderte sein Plastikspielzeug und sein verchromtes Fahrrad. Am meisten imponierte mir&nbsp;sein amerikanisches K\u00e4ppi, welches er von einem amerikanischen Soldaten geschenkt bekommen hatte. Ich musste es unbedingt aufsetzen und fand es schick, obwohl ich schon wusste,&nbsp;dass&nbsp;die \u201eAmis\u201c keine Guten sein konnten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">1972, also mehr als ein Jahrzehnt sp\u00e4ter, kam es wieder zu einem Zusammentreffen mit der Urgro\u00dfmutter.&nbsp;Diesmal war es ungeplant und f\u00fcr mich \u00fcberraschend, und das kam so: Als Offizierssch\u00fcler im zweiten Studienjahr, also ein Jahr vor meiner Ernennung zum Offizier, reichte ich einen Wochenendurlaub ein, der auch genehmigt wurde. Bei meiner Ankunft bemerkte ich zun\u00e4chst einen \u201eWestwagen\u201c vor dem Wohnhaus. Das war schon ungew\u00f6hnlich, aber ich konnte mir noch keinen Reim darauf machen. Erst als ich die Wohnung betrat, wurde mir alles klar. Im gro\u00dfen Wohnzimmer befanden sich au\u00dfer meiner Schwester, meinen Eltern und Gro\u00dfeltern noch weitere Personen. Das waren die Urgro\u00dfmutter, eine verwandte junge Frau und ein Herr, der das Auto fuhr. Als Armeeangeh\u00f6riger und angehender Offizier, also \u201eGeheimnistr\u00e4ger\u201c, waren mir \u201eWestkontakte\u201c strikt verboten. Ich war in einer verzwickten Lage, aber wieder umzukehren, kam&nbsp;mir nicht in den Sinn, denn alle Anwesenden freuten sich \u00fcber mein Erscheinen.&nbsp;Ab hier galt f\u00fcr mich: \u201eAugen auf und durch\u201c. Die Stimmung im Raum wurde noch besser, als Urgro\u00dfmutter ihre Schuhe&nbsp;auszog und aus ihnen mehrere 100-Mark-Scheine zog, also DDR-Mark, die sie an meine Eltern und Gro\u00dfeltern verteilte. Der Umtauschkurs von Westmark in Ostmark betrug zu der Zeit in den Westberliner Wechselstuben etwa 1:10, was meiner Urgro\u00dfmutter mit ihrer gewiss nicht hohen Rente zu einen vorteilhaften Gesch\u00e4ft verhalf. Schlie\u00dflich kaufte sie ihre Lebensmittel so oft wie m\u00f6glich in Ostberlin ein, wie sie selbst sagte. Unser Westbesuch musste noch am selben Tag abreisen, denn die Besuchserlaubnis galt nur bis 24 Uhr, dann musste der Grenz\u00fcbergang passiert sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sowohl die Westberliner als auch ihre \u201eOstverwandten\u201c hatten Besuche rechtzeitig in Berlin und Brandenburg anzumelden und zu beantragen. In Brandenburg war daf\u00fcr das Volkspolizei-Kreisamt zust\u00e4ndig. Man kann auch davon ausgehen, dass der ABV (Abschnitts-Bevollm\u00e4chtigter der Volkspolizei) in Plaue informiert war, aber so weit ging die Kontrolle doch nicht, dass er nachschauen ging, obwohl er gleich um die Ecke wohnte. &nbsp;Bis zur R\u00fcckkehr in meine Dienstelle hatte ich noch einen Tag Zeit, um mir zu \u00fcberlegen, ob ich das Treffen vorschriftsm\u00e4\u00dfig melden wollte oder nicht. Ich tat es nicht und es passierte in der Folgezeit auch nichts!<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"10\"><strong>Volle Drehung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der \u201eLO\u201c, wie der robuste Robur-LKW aus Zittau in der DDR auch hie\u00df, &nbsp;wurde auch in der NVA in verschiedenen Varianten eingesetzt. Als Pritschenfahrzeug, als Bus oder mit Spezialaufbauten. Dieses Fahrzeug lernte ich schon am Anfang meiner Armeezeit als Transportfahrzeug der Milit\u00e4rstreife kennen, zu der ich geh\u00f6rte. Sp\u00e4ter befehligte ich als Batterieoffizier einen kleinen Wagenpark dieses Typs, denn die \u201eElos\u201c dienten als Transport- und Zugmittel f\u00fcr die Granatwerfer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Einmal musste ich diesen LKW f\u00fcr den Zeitraum einer \u00dcbung selbst fahren. Das kam so: Mein neu&nbsp;zuversetzter&nbsp;Kfz-Gruppenf\u00fchrer hatte noch keine sogenannte Typenberechtigung f\u00fcr den LO und durfte deshalb nicht ans Steuer. So wurde mir die Aufgabe gestellt, das erste Fahrzeug meines Zuges selbst zu steuern. Eine Granatwerferbedienung (1 Unteroffizier&nbsp;und 5 Soldaten) und ein angeh\u00e4ngter Granatwerfer mussten sicher durch sehr schwieriges Gel\u00e4nde transportiert werden, teilweise unter angelegter Schutzausr\u00fcstung. Au\u00dferdem musste die Technik auf einem Flachwagen der Eisenbahn aufgefahren und wieder abgeladen werden. Diese Aufgabe meisterten Fahrer und Fahrzeug ohne Probleme. Ich wusste nun, dass man sich auf dieses Fahrzeug verlassen konnte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dass ich mich auf meine Milit\u00e4rkraftfahrer verlassen konnte, hatte ich schon vorher erlebt. Meist waren sie im Zivilberuf Kfz-Schlosser, oder sie waren Berufskraftfahrer. Einmal, als ich mit meinem Kfz-Gruppenf\u00fchrer, einem \u00e4lteren Gefreiten, auf einer wenig befahrenen Stra\u00dfe durch einen Truppen\u00fcbungsplatz unterwegs war, fragte er mich, ob er mir ein Kunstst\u00fcck zeigen d\u00fcrfe. Er behauptete, dass er den LKW einmal um seine Vorderachse, also um 360 Grad drehen lassen k\u00f6nne, denn es war Winter und die Asphaltstra\u00dfe war glatt. Ich z\u00f6gerte einen Augenblick und versuchte das Risiko zu kalkulieren. &nbsp;Der Gefreite war schlie\u00dflich mein bester Fahrer. Au\u00dferdem wollte ich nicht kneifen und war auch neugierig. Nachdem er meine Zustimmung hatte, beschleunigte er kurz, schlug das Lenkrad etwas ein und zog die Handbremse. Der LO machte eine volle Drehung und kam wieder in Fahrtrichtung&nbsp;zum Stehen. Ich war erst einmal sprachlos, zun\u00e4chst \u00fcber sein K\u00f6nnen, aber dann auch \u00fcber meinen Leichtsinn.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"11\"><strong>Toccata und Fuge d-Moll<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der DDR fehlte immer etwas oder es war knapp. Vor allem fehlten Arbeitskr\u00e4fte in Industrie und Landwirtschaft. Dieser Mangel wurde regelm\u00e4\u00dfig durch die Einberufung junger M\u00e4nner zum Dienst in Armee und Bereitschaftspolizei, die sogenannten \u201ebewaffneten Organe\u201c, verst\u00e4rkt. Die Wortsch\u00f6pfung \u201ebewaffnete Organe\u201c war, glaube ich, \u201emade&nbsp;in DDR\u201c und ist bis heute in ihrer poetischen Sch\u00f6nheit unerreicht.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Nationale Volksarmee war also mit Arbeitskr\u00e4ften und Technik gut ausgestattet. Sie war sozusagen der gr\u00f6\u00dfte Transportbetrieb der DDR. W\u00e4hrend sie f\u00fcr die Rettung des Weltfriedens nur eine Nebenrolle spielte, so spielte sie f\u00fcr die Rettung der DDR-Volkswirtschaft oft eine Hauptrolle.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Herbst 1977, im Oktober, war es wieder mal so weit. Die Zuckerr\u00fcbenernte musste eingebracht werden. Ich diente derzeit in einem Oranienburger Regiment und bekam den Auftrag, ein Erntekommando zu f\u00fchren. Mir wurden \u00fcber 30 Armeeangeh\u00f6rige mit geeigneter Berufsausbildung und zwei&nbsp;LKW-Typ&nbsp;\u201eUral\u201c unterstellt. Der Marschbefehl lautete: Kfz-Marsch von Oranienburg \u00fcber Magdeburg nach Oschersleben. Die Kreisstadt Oschersleben ist Zentrum einer Landschaft, die man \u201eMagdeburger B\u00f6rde\u201c nennt und die an der DDR-Staatsgrenze zu Niedersachsen liegt. Vom dortigen Rat des Kreises Abteilung Landwirtschaft wurden wir schon erwartet. Nach Begr\u00fc\u00dfung durch den 1. Vorsitzenden (der Abteilung Landwirtschaft) wurden meine Soldaten auf vier landwirtschaftliche Betriebe aufgeteilt. Die Vorsitzenden bzw. Leiter der Betriebe standen schon bereit, um sie zu \u00fcbernehmen. Ich durfte ein Zimmer nahe dem Dienstzimmer und Sekretariat des 1.Vorsitzenden in einer Baracke beziehen. Auf seine Unterst\u00fctzung und die seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war ich in den n\u00e4chsten drei Wochen angewiesen, denn wie sollte ich denn sonst meine \u201eTruppe f\u00fchren\u201c? Mit einem verbliebenen Kraftfahrer und&nbsp;einem Lastkraftwagen? Vom Grenzregiment in Oschersleben wurden mir zus\u00e4tzlich noch 20 Soldaten und 10 LKW zugeteilt. Meine Gastgeber halfen mir aber, wo sie nur konnten. Meine Meldungen, Weisungen und Berichte wurden im Sekretariat abgetippt. Au\u00dferdem bekam ich ein Motorrad, um in den Einsatzorten wenigstens einmal t\u00e4glich mit den Soldaten und den Bauern vor Ort Kontakt aufnehmen zu k\u00f6nnen. Es gelang mir sogar, eine Art sozialistischen Wettbewerb der FDJ-Gruppen (DDR-Jugendverband) zu f\u00fchren. Von den mir unterstellten Soldaten kannte ich nur einige Personaldaten und wusste, dass sie alle in der FDJ waren. Ansonsten musste ich ihnen vertrauen und darauf hoffen, dass sie sich an den arbeitsfreien Sonntagen keinen Kurzurlaub genehmigten.&nbsp;In der Woche waren sie von fr\u00fch bis abends besch\u00e4ftigt und dann gab es f\u00fcr sie Freibier. Teilweise wohnten sie sogar \u00fcber der Dorfgastst\u00e4tte. Gro\u00dfe Sorgen wegen Trinkgelagen wie ich sie vom Kasernenleben kannte, musste ich mir hier nicht machen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">An den Sonntagen aber nahm ich mir f\u00fcr die \u201eBesuche\u201c in den Arbeitsorten mehr Zeit. An einem Sonntag, ich glaube, dass ich an diesem Wochenende meinen 2. Offizier in Kurzurlaub geschickt hatte, waren in einer der Unterk\u00fcnfte nur f\u00fcnf von sechs Soldaten anwesend. Von den \u00fcbrigen bekam ich die Auskunft, dass der fehlende in der Kirche sei.&nbsp;Dagegen war nichts einzuwenden, doch wollte ich es genau wissen.&nbsp;Ich fuhr also zur Kirche, die nach meiner Erinnerung ziemlich gro\u00df war. Als ich sie betrat, schien sie mir leer zu&nbsp;sein, doch dann erklang die Orgel. Nachdem ich zu ihr hinaufgestiegen war, sah ich den Soldaten beim Orgelspiel. Er hatte die Jacke seiner Ausgangsuniform \u00fcber einen Stuhl geh\u00e4ngt und sa\u00df da im lang\u00e4rmligen wei\u00dfen Unterhemd. Was er da spielte, kannte ich nicht, aber er spielte sicher und es gefiel mir. Von den Schallplatten meiner Eltern kannte ich einige Orgelwerke von Johann Sebastian Bach und ich h\u00f6rte sie auch gern. Ich fragte ihn zun\u00e4chst, wo er das Orgelspielen gelernt habe. In seiner kirchlichen oder Pfarrersfamilie, antwortete er mir, so genau wei\u00df ich das nicht mehr. Nun bat ich ihn, mir ein bestimmtes Bach-Orgelwerk vorzuspielen, Toccata und Fuge d-Moll. Bevor er damit begann, ging ich hinunter, setzte mich in eine der ersten Reihen der Kirchenb\u00e4nke und genoss die folgenden Minuten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Den Namen des Soldaten habe ich vergessen, sein Orgelspiel nicht. Ehrungen und Auszeichnungen nach dem Ernteeinsatz waren erwartbar, aber \u00fcber dieses unerwartete Geschenk freute ich mich besonders.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"12\"><strong>Augen auf und durch<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dabel ist ein mecklenburgisches Dorf s\u00fcd\u00f6stlich von Schwerin. Neben dem Dorf stand eine Kaserne der Armee und eine Wohnsiedlung f\u00fcr die Berufssoldaten und ihre Familien. Im Sommer 1980 wurde ich nach Dabel versetzt und bezog eine kleine Wohnung, denn ich war noch unverheiratet. Um das zu \u00e4ndern, suchte ich mit einer Annonce in der Kreiszeitung nach einer Partnerin.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In meinem Briefkasten waren nach einiger Zeit mehrere Briefe. Ich wei\u00df nicht mehr, mit welchen jungen Frauen ich mich alles getroffen habe, aber eine Begegnung habe ich nicht vergessen.&nbsp;Eine Einladung zum Abendessen bekam ich aus der etwa 20-30 Kilometer entfernten Stadt Parchim. Von Dabel nach Parchim kam man nur mit dem Bus, der nur einmal in der Stunde fuhr, oder mit dem eigenen Fahrzeug gelangen. Ein Auto besa\u00df ich nicht, aber einen Motorroller \u201eTroll\u201c.&nbsp;Es war inzwischen Winter geworden und ich trat an einem&nbsp;Wochentag nach dem Dienst die Fahrt nach Parchim in Winter-Dienstuniform an, also in Wintermantel, Stiefeln und Stiefelhose. Als Gep\u00e4ck f\u00fchrte ich einen Beutel mit Schallplatten und nat\u00fcrlich Blumen mit mir. Den Beutel h\u00e4ngte ich an einen Haken unterhalb des Lenkers.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bei Fahrtbeginn hatte es schon geschneit und die Stra\u00dfe wurde von einer d\u00fcnnen Schneeschicht bedeckt. Ich&nbsp;musste&nbsp;also vorsichtig sein und durfte nicht zu schnell fahren. Nach einigen Kilometern Fahrt fing es noch st\u00e4rker an zu schneien, sodass ich im Scheinwerferlicht kaum 5 Meter weit sehen konnte. Au\u00dferdem wurde es langsam dunkel. Am rechten Stra\u00dfenrand tauchten pl\u00f6tzlich mehrere Wildschweine&nbsp;auf. Sie liefen eng beieinander und \u00fcberquerten die Stra\u00dfe.&nbsp;Mein Abstand zu ihnen betrug nur noch wenige Meter und bremsen&nbsp;h\u00e4tte bei dem Stra\u00dfenzustand auch nicht mehr geholfen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dann ging alles sehr schnell. Vor dem Vorderrad meines Rollers tauchte ein Schweinekopf auf, dann gab es einen Ruck und ich fand mich auf der glatten Stra\u00dfe wieder. Ich war etwas benommen, aber unverletzt. Mein Roller lag einige Meter entfernt auf der Stra\u00dfe und noch etwas weiter lag ein Wildschwein. Vorsichtig n\u00e4herte ich mich dem Tier, darauf gefasst, dass es wieder aufsprang und mich angriff, aber es bewegte sich nicht mehr. Nun ging ich zum Motorroller und begutachtete ihn. Er hatte keine Beulen und sichtbare Schrammen, sogar die Schallplatten im Beutel waren noch unversehrt, ebenso die Blumen. Nach&nbsp;mehreren&nbsp;Versuchen lie\u00df sich der Roller wieder starten und ich konnte die Fahrt fortsetzen. Nach wenigen Minuten erreichte ich ein Betonwerk, das direkt an der Stra\u00dfe lag. Dem Pf\u00f6rtner berichtete ich vom Unfall und bat ihn, den F\u00f6rster anzurufen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In Parchim kam ich mit leichter Versp\u00e4tung an und wurde schon von Mutter und Tochter in der Wohnung erwartet. Beim Ablegen meines Mantels berichtete ich von meiner unfreiwilligen Stra\u00dfenbekanntschaft. Zu meiner Verwunderung l\u00f6ste mein Bericht bei beiden Frauen nicht nur Mitgef\u00fchl, sondern auch Heiterkeit aus. Sie sahen n\u00e4mlich, dass am Ges\u00e4\u00dfteil meiner Stiefelhose ein markst\u00fcckgro\u00dfes Loch war, durch das die nackte Haut schien,&nbsp;denn meine Unterhose hatte auch ein solches Loch. Mein Wintermantel hatte nur Schleifspuren an der Innenseite.&nbsp;Noch vor 22 Uhr trat ich die R\u00fcckfahrt nach Dabel an. Das Wildschwein lag nicht mehr auf der Stra\u00dfe und mein Besuch in Parchim blieb auch einmalig.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"13\"><strong>\u00dcberfahren<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich kann mich bei der folgenden Episode nur an wenige Augenblicke und &nbsp;Details erinnern, das Meiste habe ich vergessen oder teilweise verdr\u00e4ngt. &nbsp;Es muss im Sommer 1981 auf einem Artillerie-\u00dcbungsgel\u00e4nde im Norden der DDR gewesen sein. Ich war w\u00e4hrend einer Regiments\u00fcbung eines Artillerie-Regiments als Kontrolloffizier bei einer Artilleriebatterie eingesetzt. In einem Zeitraum von mehr als 24 Stunden wurde die Feuerleitung ge\u00fcbt und schlie\u00dflich wurde auch scharf geschossen. Die Kommandos wurden vom Regimentskommandeur an die Kommandeure der Abteilungen und Batterien mittels Funk \u00fcbermittelt und dann kam es darauf an, dass die Gesch\u00fctze in k\u00fcrzester Zeit feuerbereit waren.&nbsp;Das wurde zun\u00e4chst stundenlang ge\u00fcbt, wobei auch mehr oder weniger lange Pausen zwischen den Kommandos entstanden. Man konnte eigentlich nur warten bis etwas von \u201eoben\u201c kam, aber dann musste alles sehr schnell gehen. Bei diesem Verfahren stellte sich auch recht bald eine gewisse Erm\u00fcdung ein, besonders als die Nacht einbrach. Ich&nbsp;wusste, dass bis zum Morgen kaum noch Handlungen zu erwarten waren, deshalb sah ich mich nach einem geeigneten Schlafplatz um. Nur wenige Meter hinter dem Stand des Batterieoffiziers (BO) fand ich eine Mulde im hohen Gras, in die ich mit meinem Schlafsack gut hineinpasste. Es war schon nach Mitternacht, als ich einschlief.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Durch das Brummen eines Motors wachte ich wieder auf. Es war schon hell, aber noch etwas dunstig. Das Motorger\u00e4usch kam mal n\u00e4her, mal schien es sich zu entfernen und mal verstummte es. Aha,&nbsp;dachte ich, das ist der LKW, der die Granaten zu den Gesch\u00fctzen transportiert. In meiner Schlafmulde in etwa 20 Metern Entfernung von den Gesch\u00fctzstellungen und wenige Meter hinter dem BO-Stand w\u00e4hnte ich mich in Sicherheit. Ich konnte mir noch etwas Zeit zum Aufstehen lassen.&nbsp;Das war ein Irrglaube, denn das Motorbrummen kam immer n\u00e4her und eh ich mich versah, tauchte \u00fcber meinem Kopf ein gro\u00dfes LKW-Rad auf. Instinktiv drehte ich mich auf die rechte Seite und zog den Kopf ein. Der gro\u00dfe Durchmesser des Rades und seine Breite bewirkten, dass meine Mulde mehr \u00fcberfahren als durchfahren wurde und ich kaum etwas sp\u00fcrte. Auch als die hinteren Reifen der Doppelachse \u00fcber meinen linken Oberschenkel rollten. Die schmaleren Reifen des Anh\u00e4ngers hinterlie\u00dfen bei mir einen deutlich schmerzhafteren Eindruck.&nbsp;Ich&nbsp;sprang aus meiner Mulde,&nbsp;raffte meinen Schlafsack zusammen und bewegte mich humpelnd in Richtung der Gesch\u00fctze. Mein linker Oberschenkel leuchtete noch Wochen danach in fast allen Farben und einige Tage hatte er Muskelkater. Weder der LKW-Fahrer noch irgendjemand anderes hatten von allem etwas mitbekommen. Dar\u00fcber war ich froh, denn dieses Vorkommnis h\u00e4tte f\u00fcr mich disziplinarische Konsequenzen gehabt. Au\u00dferdem war mir das Ganze peinlich, deshalb behielt ich das Erlebte lange Zeit f\u00fcr mich.&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"14\"><strong>Mutter und Vietnam<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1783\" height=\"1046\" src=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/scheder.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-54206\" srcset=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/scheder.jpg 1783w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/scheder-1536x901.jpg 1536w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/scheder-1320x774.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1783px) 100vw, 1783px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Lehrerin Marianne Scheder (*28.10.1923) aus Brandenburg an der Havel mit jungen Vietnamesen und deutschem Betreuer. 1980er Jahre ?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Es ist wahrscheinlich, dass dieses Foto noch kurz vor oder nach ihrem Renteneintritt 1983 entstand. Bis zur Rente arbeitete sie in der Sonderschule der Orthop\u00e4dischen Klinik&nbsp;Kirchm\u00f6ser. In&nbsp;Kirchm\u00f6ser&nbsp;k\u00f6nnte diese Aufnahme auch entstanden sein. Dort befanden sich das Werk f\u00fcr Gleisbaumechanik und das Reichsbahn-Ausbesserungs-Werk (RAW).<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"15\"><strong><strong>Eine Frage an den Genossen Wolf<\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im November oder Anfang Dezember 1989 hie\u00df es f\u00fcr die Kommandeure und ihre Stellvertreter der in der Beelitzer Kaserne vorhandenen Einheiten: \u201eAntreten am Kasernentor!\u201c Anlass war die Verleihung des Namens \u201eFriedrich-Wolf-Kaserne\u201c.&nbsp;Den Namen des Kommunisten und Schriftstellers Friedrich Wolf hatte das Panzerregiment-1 getragen, f\u00fcr das die Kaserne urspr\u00fcnglich gebaut&nbsp;worden war. Im Zuge der Reduzierung von Personal und Technik der NVA, im Januar 1989 von Erich Honecker verk\u00fcndet, wurde das Panzerregiment&nbsp;Beelitz aufgel\u00f6st und sein Personal in eine Ausbildungsbasis \u00fcberf\u00fchrt. Die Angeh\u00f6rigen dieser ABAS genannten Einheit wurden dann die meiste&nbsp;Zeit in der Volkswirtschaft eingesetzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auf der Stra\u00dfe vor dem Kaserneneingang stand nun eine Gruppe von etwa 15 bis 20 Offizieren und wartete auf den angek\u00fcndigten Besuch von&nbsp;Markus Wolf, durch den die Namensgebung erfolgen sollte. Der kam nicht in seiner Uniform, sondern in Zivilkleidung. Ich stand in der angetretenen Reihe nur etwa drei Meter von ihm entfernt und konnte ihn gut h\u00f6ren und beobachten. Nach meiner Erinnerung trug er einen langen, grauen bis beigefarbigen Mantel und redete ohne Manuskript. In seiner kurzen Rede erw\u00e4hnte er die Briefe, die ihm sein Vater geschrieben hatte, in denen es um die \u201eZivilcourage\u201c ging. Er sprach davon, wie wichtig diese Zivilcourage gerade jetzt in dieser Phase der gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR sei. So habe ich ihn jedenfalls verstanden und ich formulierte in Gedanken eine Frage an ihn, die lautete: \u201eWelche Rolle spielte die Zivilcourage in deinem Leben?\u201c Da ich nicht die M\u00f6glichkeit hatte, anschlie\u00dfend direkt auf ihn zuzugehen, blieb es nur eine fiktive Frage. Ich erinnere mich nicht mehr an die Namenstafel, welche dann enth\u00fcllt wurde, und in den folgenden Wochen und Monaten habe ich sie auch nicht weiter beachtet. Ich vermute, dass sie sp\u00e4testens im M\u00e4rz 1990 wieder abgenommen wurde.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"16\"><strong>Das Jahr 1989 \u2013 ein pers\u00f6nlicher Bericht<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gef\u00fchle die mich im Verlauf des Jahres 1989 bewegten:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bis Oktober zun\u00e4chst der Glaube an die Reformierbarkeit von Partei und Staat.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hoffnung auf einen Personal- und Politikwechsel (Glasnost) an der Parteispitze.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Entt\u00e4uschung \u00fcber ausbleibende Reaktionen der Parteif\u00fchrung auf Massenflucht und Demonstrationen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zweifel an der Handlungs- und Reformf\u00e4higkeit der Parteif\u00fchrung unter E.H.&nbsp;(Erich Honecker).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00c4rger \u00fcber&nbsp;Machtmissbrauch&nbsp;und ungerechtfertigte Privilegien einiger Parteifunktion\u00e4re.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an der Umgestaltung (Perestroika) der DDR.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Verunsicherung \u00fcber die weitere politische Entwicklung der DDR (besonders ab dem 9.11.)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Pers\u00f6nliche Zukunfts\u00e4ngste<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"17\"><strong><strong>Wie ich den 4. November 1989 erlebte<\/strong>&nbsp;<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Appell, auf welchem der Abteilung der Einsatz als Hundertschaft zur Absicherung des friedlichen Verlaufs der Gro\u00dfdemonstration am 4. November auf dem Berliner Alexanderplatz bekanntgegeben wurde, fand nach meiner&nbsp;Erinnerung&nbsp;kurz vor dem Einsatz statt. Vielleicht war es sogar der 3. November (ein Freitag).&nbsp;Einsatzgrundlage war der Befehl des Ministers f\u00fcr Nationale Verteidigung Nr. 105\/89 vom 27. September 1989. Zur Unterst\u00fctzung der Sicherheitsorgane, also von VP&nbsp;(Volkspolizei)&nbsp;und MfS&nbsp;(Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit),&nbsp;entschloss&nbsp;sich die Armeef\u00fchrung Anfang Oktober 1989, nichtstrukturm\u00e4\u00dfige Hundertschaften der Armee zu bilden, die allerdings in der zweiten Reihe stehen sollten. &nbsp;Insgesamt hielt die SED-F\u00fchrung&nbsp;(Sozialistische Einheitspartei Deutschlands)&nbsp;in der Zeit vom 4. Oktober bis zum 11. November 1989 zeitweise bis zu 183 NVA-Hundertschaften mit einer Personalst\u00e4rke von rund 20.000 Mann einsatzbereit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mein Kommandeur Oberstleutnant Junghans verlas den Einsatzbefehl. Er sprach auch von einer Sicherheitspartnerschaft zwischen den Demonstranten, der VP und den Hundertschaften der NVA. Das fand ich&nbsp;zu mindestens&nbsp;beruhigend, schlie\u00dflich hatten wir Angeh\u00f6rige der Abteilung bis dato keine Erfahrungen mit Demonstrationen bzw. Demonstranten. Trotzdem blieb noch ein Gef\u00fchl der Unsicherheit. Die Anzugsordnung war f\u00fcr alle Dienstuniform. Es wurden keine Waffen mitgef\u00fchrt,&nbsp;nur die Offiziere erhielten ihre Pistole mit 2 Magazinen (je 6 Patronen). Auf dem LKW des Hauptfeldwebels befanden sich aber in versiegelten Kisten Teleskopschlagst\u00f6cke &nbsp;f\u00fcr&nbsp;die Selbstverteidigung (wie es hie\u00df).&nbsp;Der Kolonnenmarsch begann im Objekt Beelitz am fr\u00fchen Morgen und f\u00fchrte uns \u00fcber Teltow, Sch\u00f6nefeld, Berlin Adlershof zum&nbsp;Werderschen&nbsp;Markt im Berliner Zentrum. Aus dem UAZ&nbsp;(Uljanowski&nbsp;Awtomobilny&nbsp;Sawod, kurz UAZ)&nbsp;des Kommandeurs sah ich kurz vor unserer Ankunft schon die ersten Demonstranten&nbsp;gegen\u00fcber der Stadtbibliothek an der Ecke des Staatsratsgeb\u00e4udes. Unter ihnen waren Ordner mit gelben Sch\u00e4rpen, auf denen deutlich \u201ekeine Gewalt&#8221; zu lesen war. An einem Funkstreifenwagen der VP, der vor dem Staatsratsgeb\u00e4ude stand, hielten sich Volkspolizisten auf, die die gleichen gelben Sch\u00e4rpen trugen.&nbsp;Unmittelbar neben der&nbsp;Friedrichwerderschen&nbsp;Kirche bezogen wir mit unseren Fahrzeugen, mehreren Tatra-LKW vom Typ 815 und dem UAZ des Kommandeurs, unseren Bereitstellungsraum. Diesen Platz gegen\u00fcber dem Au\u00dfenministerium teilten wir uns mit einer Hundertschaft Bereitschaftspolizei, zu der auch eine Hundestaffel geh\u00f6rte. Um den Verlauf der Gro\u00dfdemonstration verfolgen zu k\u00f6nnen, kamen zwei Kofferfernseher zum Einsatz. Die Ger\u00e4te wurden so auf unsere Fahrzeuge gestellt,&nbsp;dass&nbsp;m\u00f6glichst viele Armeeangeh\u00f6rige etwas h\u00f6ren und auch sehen konnten, denn dieses Ereignis wurde vom Fernsehen der DDR direkt \u00fcbertragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als die ersten Bilder vom Alexanderplatz gesendet wurden, war ich von den Menschenmassen sehr beeindruckt. Dieser Eindruck verst\u00e4rkte sich noch, als ich in Richtung Staatsrat blickte und den Platz davor (Marx-Engels-Platz) mit Demonstranten gef\u00fcllt sah. Falls Demonstranten in Richtung Brandenburger Tor (also in unsere Richtung) marschieren wollten, sollten unsere Soldaten die Schleusenbr\u00fccke besetzen, um ihnen den Weg zu versperren.&nbsp;Diese Situation trat in dem Moment ein, in dem wir gerade beim Essensempfang an der mitgef\u00fchrten Feldk\u00fcche waren. Zun\u00e4chst aber besetzten die jungen Bereitschaftspolizisten die Br\u00fccke, dann bildeten&nbsp;unsere Soldaten eine zweite Reihe hinter ihnen. Das ganze Man\u00f6ver dauerte nur wenige Minuten, denn es stellte sich schnell heraus,&nbsp;dass&nbsp;die Zahl der Demonstranten auf dem Marx-Engels-Platz derartig gewachsen war,&nbsp;dass&nbsp;sie in Richtung Schleusenbr\u00fccke ausweichen mussten. Die Aktivit\u00e4ten der Polizisten und NVA-Soldaten wurden von Demonstranten mit Pfiffen quittiert. Bis zum Ende der Demonstration gab es keine weiteren Vorkommnisse.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zwei Begebenheiten sind mir noch in besonderer Erinnerung geblieben.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Noch vor dem offiziellen Demonstrationsbeginn bekam ich von meinem Kommandeur den Auftrag, einen Umschlag (vermutlich St\u00e4rkemeldung) im Stab der Volkspolizei abzugeben. Der provisorische Stab befand sich im alten Palais am Bebelplatz. Auf dem Weg dorthin passierte ich mehrere bewaffnete Kontrollposten des MfS-Wachregiments und der VP. Ich hatte den Eindruck, dass der Weg zum Brandenburger Tor gut gesichert war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die zweite Begebenheit, die mich nachdenklich machte, ereignete sich, nachdem wir den Bereitstellungsplatz bezogen hatten und uns dort \u201eeinrichteten&#8221;. Aus Richtung des uns gegen\u00fcberliegenden ZK-Geb\u00e4udes n\u00e4herte sich uns ein junger Offizier im Rang eines Unterleutnants. Er meldete sich mit Dienstgrad und Namen bei meinem Kommandeur und stellte sich vor als \u201eZugf\u00fchrer (oder Wachhabender) des MfS-Wachzugs&nbsp;beim ZK&nbsp;(Zentralkomitee)&nbsp;der SED&#8221;. Nach meiner Erinnerung bat er meinen Kommandeur um eventuelle Weisungen bzw. Informationen. Oberstleutnant Junghans sch\u00e4tzte die Lage ihm gegen\u00fcber als entspannt bzw. beherrschbar ein. Scheinbar beruhigt trat der junge Zugf\u00fchrer den R\u00fcckweg zum ZK-Geb\u00e4ude an. In diesem Moment und auch sp\u00e4ter stellte ich mir die Frage, ob er der einzige Offizier im ZK-Geb\u00e4ude war.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"18\"><strong><strong>5 DM f\u00fcr einen Stadtplan<\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Grenze zwischen Ost- und Westberlin und zwischen Ost- und Westdeutschland existierte am Jahresende 1989 noch, aber sie war durchl\u00e4ssig geworden. B\u00fcrger der DDR durften sie nun jederzeit passieren. Einige meiner Mitgenossen in Beelitz waren schon in Westberlin gewesen. Nun wollte auch ich wissen, wie es auf dem Kurf\u00fcrstendamm aussieht. Ein gesch\u00e4ftst\u00fcchtiger Beelitzer Taxiunternehmer bot bereits Ende November 1989 Fahrten nach Westberlin an, die man in Ostmark&nbsp;bezahlen konnte, denn Westgeld f\u00fcr \u00fcber 100 km Strecke Hin- und R\u00fcckfahrt hatten zu der Zeit die wenigsten Beelitzer. Ich besa\u00df gerade einmal 5 D-Mark, die ich mir irgendwo eingetauscht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mit dem Taxifahrer vereinbarte ich eine Fahrt zum Westberliner Zentrum. Stra\u00dfenbezeichnungen kannte ich nicht, denn auf DDR-Karten war da, wo Westberlin sein sollte, nur graue Fl\u00e4che. Nach Dienstschluss zog ich meine Zivilsachen an und bestieg wenig sp\u00e4ter das Taxi. Die Fahrt dauerte vielleicht weniger als eine Stunde, dann hielt der Wagen in Sichtweite einer Kirche. Nach Auskunft des Fahrers befanden wir uns am Breitscheidplatz. Das sagte mir erst einmal nichts und ich orientierte mich an der Kirche, um nur eine kleine Runde zu laufen. In etwa 50 Metern Entfernung sah ich einen Zeitungskiosk, der Platz wurde durch eine Vielzahl von Leuchtreklamen erhellt. Auf dem Weg zum Kiosk passierte ich mehrere Schaufenster. Vor einem mit der \u00dcberschrift \u201eYesterday\u201c sa\u00df ein junger Mann auf dem B\u00fcrgersteig. Vor ihm stand ein Pappschild, auf dem stand: \u201eIch habe Hunger\u201c. Ich lief unbeirrt weiter, aber ich fand in diesem Moment alle meine Vorurteile \u00fcber den \u201eWesten\u201c best\u00e4tigt. Am Kiosk kaufte ich dann f\u00fcr genau 5 DM einen \u201erichtigen\u201c Stadtplan von Berlin. Mit schnellen Schritten ging es wieder zum Taxi zur\u00fcck. Ich war erleichtert, als ich wieder im Taxi sa\u00df und es wieder in Richtung Heimat fuhr. Das war noch nicht \u201emeine Welt\u201c. Bis sie es werden konnte, musste noch einige Zeit vergehen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"19\"><strong><strong><strong>Wie das Jahr 1989 f\u00fcr mich endete und wie das Jahr 1990 f\u00fcr mich begann<\/strong>&nbsp;<\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Stimmung in meiner Parteiorganisation im November und Dezember 1989 war vor allem von den Oktober-Ereignissen in Berlin und vom Einsatz unserer Abteilung bei der Gro\u00dfdemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989 gepr\u00e4gt. Wir geh\u00f6rten zu den 14 Hundertschaften der 1. MSD (motorisierte Sch\u00fctzendivision), welche in der Hauptstadt zum Einsatz kamen. Soweit ich mich erinnere, sollten wir in Zusammenwirken mit der Volkspolizei den friedlichen Verlauf der Demonstration gew\u00e4hrleisten.&nbsp;Auf der letzten Parteiversammlung am 29. November 1989 beschlossen wir die Aufl\u00f6sung der Go 881&nbsp;(Grundorganisation 881)&nbsp;im TT&nbsp;(Truppenteil)&nbsp;und die Gr\u00fcndung einer Parteiorganisation im Wohngebiet. Die letzte Sitzung der Parteileitung fand dann am 27. Dezember 1989 statt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als hauptamtlicher Parteisekret\u00e4r hatte ich nun keine Perspektive mehr, hing in der Luft. Mein Kommandeur OSL (Oberstleutnant) Bernd Junghans wusste Rat. Ab Januar 1990 wurde ich auf eine gerade freie operative Planstelle im Stab der Abteilung gesetzt. Im Verlauf des Monats Februar erfolgte meine Kommandierung zum Verband der Berufssoldaten (VBS) in Potsdam. Mein Kalender dokumentiert den ersten Kontakt mit dem Leiter der gerade erst geschaffenen Kreisgesch\u00e4ftsstelle Potsdam des VBS der DDR, OSL Joachim&nbsp;Pribbenow&nbsp;am 17. Februar 1990. Wie ich war auch er als ehemaliger Angeh\u00f6riger eines Politorgans der NVA hierher kommandiert worden. Nach meinem Urlaub Ende Juli f\u00fchrte ich praktisch allein die Gesch\u00e4fte, da Joachim seinen Resturlaub nahm und sich auch noch auf seine Entlassung vorbereiten wollte.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"20\"><strong>Meuterei? <strong>Beelitz \u201eFriedrich-Wolf-Kaserne\u201c 2. Januar 1990<\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nach dem Silvesterwochenende traf ich wieder in Beelitz ein und begab mich zur Kaserne. Sie lag an der Stra\u00dfe nach Beelitz-Heilst\u00e4tten und war von meiner Wohnung in ca. 15 Minuten zu Fu\u00df zu erreichen. Noch vor der Einfahrt zur Dienststelle fielen mir einige teilweise noch brennende Kerzen auf, die am rechten und linken Stra\u00dfenrand standen. Auf dem Parkplatz vor dem Kasernentor hielten sich viele Armeeangeh\u00f6rige auf. Sie trugen ihre Felddienstuniformen (Watteuniformen) und standen meist an kleinen W\u00e4rmefeuern. Als ich mich bei meinem Kommandeur im Unterkunftsblock meldete, meinte er nur: \u201eZieh die Felddienst an und mische dich unter die Soldaten vor der Kaserne\u201c. Dort traf ich auch einige Offiziere und Unteroffiziere aus meiner Abteilung, die mich \u00fcber die Lage informierten. Ich erfuhr, dass alle Vorgesetzten des Regiments, der Division und der Landstreitkr\u00e4fte, die bisher vor Ort waren, bei den streikenden Soldaten und Unteroffizieren kein Geh\u00f6r gefunden&nbsp;hatten. Sie wurden von ihnen einfach ignoriert. Davon konnte ich mich beim Auftritt von Generalleutnant&nbsp;Skerra&nbsp;vor ihnen selbst \u00fcberzeugen. Das hatte ich in meiner fast 20-j\u00e4hrigen Dienstzeit noch nicht erlebt. Trotzdem war ich davon nicht wirklich \u00fcberrascht. Die Stimmung unter den Angeh\u00f6rigen meiner Abteilung war schon seit Wochen nicht gut. Die Berufssoldaten hatten Sorgen um ihre berufliche Zukunft und die Soldaten sahen nicht ein, dass sie nicht mehr Ausgang und Urlaub bekamen. Stattdessen wurde ein Teil von ihnen wochenlang in der Volkswirtschaft eingesetzt. Nach einigen \u201eAusschreitungen\u201c in der Silvesternacht hatten sich \u201eSoldatenr\u00e4te\u201c gebildet, die dann auch durch ihre Vorgesetzten und Kommandeure unterst\u00fctzt wurden. Die sorgten zum Beispiel daf\u00fcr, dass ihre schon schriftlich formulierten Forderungen abgetippt und vervielf\u00e4ltigt wurden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Eine zentrale Forderung war, dass der Minister f\u00fcr Nationale Verteidigung pers\u00f6nlich erscheinen sollte. Nach langem Warten kam er dann auch. Ein gro\u00dfer Wagen hielt noch auf der Stra\u00dfe vor dem Kasernentor. Ein Marineoffizier \u00f6ffnete Admiral Theodor Hoffmann die Wagent\u00fcr. Der Minister&nbsp;ging,&nbsp;ohne zu z\u00f6gern auf die Menge vor dem Tor zu. Ich erinnere mich, dass sich sofort ein Spalier f\u00fcr ihn bildete und ihm auch vereinzelt Beifall gespendet wurde. Dann ging er weiter in den Regimentsklub, wo er schon von einer Delegation aus Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren erwartet wurde. Nach einiger Zeit kam er wieder aus dem Klubgeb\u00e4ude, bestieg einen Anh\u00e4nger, der als eine Art Trib\u00fcne neben dem Tor stand, und wandte sich an die Wartenden. Nachdem er zum Ausdruck gebracht hatte, dass er die aufgestellten Forderungen f\u00fcr berechtigt halte und sie umgesetzt werden, gab es erkennbare Zustimmung. Der Beifall f\u00fcr ihn war diesmal deutlich st\u00e4rker. Seine abschlie\u00dfenden Worte haben sich mir besonders tief eingepr\u00e4gt. Er sagte: \u201eUnd nun bitte ich Sie, meine Herren, gehen Sie in die Kaserne und nehmen den Dienst wieder auf\u201c. Unmittelbar danach bewegten sich alle Anwesenden wieder zu ihren Unterk\u00fcnften in der Dienststelle.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-transparent-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\" id=\"21\"><strong>Wanzen k\u00f6nnen n\u00fctzlich sein<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Kennt jemand von euch den Liedreim-Anfang \u201eAuf der Mauer auf der Lauer sitzt&nbsp;ne&nbsp;kleine&nbsp;Wanze \u2026\u201c ? Wenn nicht, dann ist die folgende Begebenheit trotzdem gut zu verstehen.&nbsp;Meine Tochter zog 2014 von Neustadt an der Weinstra\u00dfe (Rheinland-Pfalz) nach Havelberg&nbsp;(Sachsen-Anhalt). Nat\u00fcrlich half ich ihr bei der Reinigung der neuen Wohnung, die in einem DDR-Plattenbau-Viertel lag. Die Wohnung&nbsp;muss&nbsp;nach 1990 modernisiert worden sein, was am Bad, am Bodenbelag und an den Fenstern gut zu erkennen war. Ich nahm mir die Reinigung der Heizk\u00f6rper in allen R\u00e4umen vor, denn sie waren innen und an ihrer Hinterseite stark verschmutzt und verstaubt. In der K\u00fcche und im Wohnzimmer fielen mir beim Wischen hinter der Heizung jeweils zwei kreisrunde magnetische Pl\u00e4ttchen mit 9 mm Durchmesser auf. Dem schenkte ich jedoch keine weitere Beachtung, bis ich hinter der Heizung eines weiteren Raumes einen zylinderf\u00f6rmigen magnetischen Gegenstand von 10 mm Durchmesser fand. Sp\u00e4tere Recherchen best\u00e4tigten meine Vermutung, dass es sich hierbei um eine elektronische Wanze handelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In dem besagten Havelberger Wohnviertel lebten schon seit DDR-Zeiten vor allen Angeh\u00f6rige der&nbsp;Kreisverwaltung sowie der Polizei und der Nationalen Volksarmee. Ich wohnte dort mit Frau und&nbsp;Kindern von 1982 bis 1985. Ab Oktober 1990 \u00fcbernahm die Bundeswehr die nahe gelegene NVA-Kaserne und damit auch einen Teil des bisherigen Personals.&nbsp;Fazit: Wanzen k\u00f6nnen f\u00fcr Geheimdienste n\u00fctzlich sein, aber auch f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Erkenntnisgewinn.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-background has-palette-color-6-background-color has-palette-color-6-color is-style-default\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-palette-color-6-background-color has-background tw-shadow is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-left has-small-font-size\"><strong><em>Pers\u00f6nliche Erinnerungen an DDR-Leben und Geschichten mit DDR-Bezug<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-small-font-size\"><em>Unsere Erinnerungs-Bibliothek darf weiterwachsen. Habt Ihr ebenfalls Erinnerungen an das Leben in der DDR oder Geschichten mit DDR-Bezug, die Ihr hier ver\u00f6ffentlichen m\u00f6chtet? Gerne k\u00f6nnt Ihr uns diese per E-Mail (<a href=\"mailto:info@kulturaktiv.org\">info@kulturaktiv.org<\/a>) oder per Post (Kultur Aktiv e.V., Bautzner Stra\u00dfe 49, 01099 Dresden) zuschicken.<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-background has-palette-color-6-background-color has-palette-color-6-color is-style-default\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Das Projekt <\/em><strong><a href=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/en\/treffpunkt-ostzone-remember-and-shape\/\"><em>Treffpunkt ostZONE. Erinnern und gestalten<\/em><\/a><\/strong><em>&nbsp;wird gef\u00f6rdert durch das&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.hor-dresden.de\/\"><em>House of Resources Dresden&nbsp;+<\/em><\/a><em>.&nbsp;Diese Ma\u00dfnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom S\u00e4chsischen Landtag beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Landesprogrammes&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.willkommen.sachsen.de\/IntM_Flyer.htm\">Integrative Ma\u00dfnahmen<\/a>.<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-d0b3c9c8 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.hor-dresden.de\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/LebensBILD_HORDDplus_Logo_-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43537\" width=\"283\" height=\"114\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.willkommen.sachsen.de\/IntM_Flyer.htm\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1942\" height=\"604\" src=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/darstellungseinheit-logos-intm-300dpi-002.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-49433\" srcset=\"https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/darstellungseinheit-logos-intm-300dpi-002.jpg 1942w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/darstellungseinheit-logos-intm-300dpi-002-1536x478.jpg 1536w, https:\/\/kulturaktiv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/darstellungseinheit-logos-intm-300dpi-002-1320x411.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1942px) 100vw, 1942px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>At Treffpunkt ostZONE. 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