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SUMMARY:Andrei Liankevich – Buchprojekt: Traditionelles Belarussisches In
 terior
DESCRIPTION:Buchvorstellung und Gespräch mit dem Fotografen über die mome
 ntanen Arbeitsbedingungen in Belarus.\n„In den letzten 60 Jahren hat Bel
 arus einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Die rasante Urbanisierung ha
 t das demografische und kulturelle Gefüge des Landes verändert und das t
 raditionelle belarussische Dorf an den Rand des Verschwindens gebracht. He
 ute leben nur noch 25 % der Bevölkerung auf dem Land\, und viele Dörfer 
 sind entweder entvölkert oder ganz verlassen. Dieses Projekt ist für mic
 h von großer persönlicher Bedeutung – es ist tief in den Erinnerungen 
 meiner Kindheit verankert\, die ich in diesen verschwindenden Dörfern ver
 brachte\, umgeben von der Wärme der Familie\, dem Duft von frisch gebacke
 nem Brot und den Farben traditioneller Textilien\, die jeden Winkel des Ha
 uses schmückten. Diese verschwindenden Innenräume sind nicht nur physisc
 he Räume\, sie sind lebendige Archive der Erinnerung\, des Erbes und der 
 Tradition. Sie sind die Essenz einer Welt\, die mich und unzählige andere
  geprägt hat\, einer Welt\, die nun vor unseren Augen verblasst.\n\nBei d
 iesem Projekt geht es um mehr als nur die Dokumentation des ländlichen Ni
 edergangs. Es geht um Gefühle. Es gründet in den Emotionen der Kindheit 
 und in der bittersüßen Nostalgie\, Orte wiederzusehen\, die sich einst l
 ebendig anfühlten\, voller Wärme und Verbundenheit. Es geht auch um die 
 Gefühle von Verlust und Hilflosigkeit\, die entstehen\, wenn man dieses V
 erschwinden im Laufe der Zeit beobachtet. Durch ein leeres Dorf zu gehen\,
  nichts als den Wind zu hören\, bedeutet\, die Last dessen zu spüren\, w
 as verloren geht – nicht nur Orte\, sondern auch das Gewebe dessen\, was
  uns als Menschen ausmacht. In diesem Projekt steckt Trauer\, aber auch Li
 ebe – ein tiefer Respekt für die Leben und Traditionen\, die diese Räu
 me geprägt haben.\n\nImmer wenn ich eines dieser Häuser betrete\, spüre
  ich die Gegenwart meiner eigenen Großeltern – derer\, die bereits vers
 torben sind. Die Stille dieser Häuser ist bedrückend\, erfüllt von den 
 Echos eines Lebens\, das einmal war. Ich erinnere mich an die Hände meine
 r Großmutter\, abgenutzt und stark\, die bis spät in den Abend hinein Ha
 ndtücher bestickten\, und an meinen Großvater\, der Geschichten erzählt
 e. Ihre Gegenwart erfüllte das Haus\, und ihre Liebe und Fürsorge schufe
 n eine Welt\, die sich ewig anfühlte. Doch jetzt\, wenn ich durch diese l
 eeren oder verfallenden Häuser gehe\, spüre ich einen Schmerz in meiner 
 Brust. Meine Großeltern trugen\, wie so viele\, die in diesen Dörfern le
 bten\, die Traditionen\, die Geschichten und die Seele der belarussischen 
 Landschaft in sich. Ihr Verlust fühlt sich nicht nur persönlich\, sonder
 n auch kollektiv an – ein Verlust für das Land selbst.\n\nDer Niedergan
 g des belarussischen Dorfes spiegelt globale Trends wider\, hat aber auch 
 seine Wurzeln in unserer einzigartigen Geschichte – geprägt von der sow
 jetischen Kollektivierung\, den Zerstörungen im Krieg und den Herausforde
 rungen der postsowjetischen Ära. Diese Dörfer verschwinden nicht nur phy
 sisch\; sie nehmen die Geschichten\, Werte und die Ästhetik einer Lebensw
 eise mit sich\, die nicht ersetzt werden kann. Jedes verlassene Haus\, jed
 es weggeworfene Foto erinnert daran\, wie zerbrechlich unser kulturelles E
 rbe tatsächlich ist.\n\nVor mehr als zehn Jahren\, während ich an meinem
  Buch „Pagan“ arbeitete\, begann ich das visuelle Verschwinden des bel
 arussischen Dorfes wahrzunehmen. Die Farben der Häuser und Innenräume\, 
 die täglichen Lebensrhythmen und die mit Familienfotos bedeckten Wände v
 erschwanden nach und nach. Fast jedes Haus\, das ich besuchte\, hatte sein
 e eigene Ikonostase aus Fotos – Bilder von Verwandten\, Ikonen\, handbes
 tickte Handtücher und Gemälde. An den Wänden hingen Damast- oder bemalt
 e Teppiche. Doch mit dem Ableben der älteren Generation gerät diese visu
 elle Kultur in Vergessenheit. Kinder und Enkel räumen die Häuser aus und
  werfen diese Symbole der Erinnerung weg\, oder sie renovieren die Häuser
  nach ihrem Geschmack und löschen die alte Ästhetik vollständig aus. Di
 e lebendige\, einzigartige Welt des belarussischen Dorfes verschwindet\, u
 nd mit ihr ein Stück unserer kollektiven Identität.\n\nDas belarussische
  Dorf wirkt wie eine Insel\, ein zerbrechlicher Archipel\, der langsam im 
 Meer versinkt. Aber es ist auch ein Ort von tiefer Schönheit und Widersta
 ndskraft\, geprägt von harter Arbeit\, der Verbundenheit mit dem Land und
  der Liebe zu den Menschen.\n\nDieses Projekt ist meine Art\, diese Gefüh
 le festzuhalten und das Wesen einer Welt zu bewahren\, die mich und so vie
 le andere geprägt hat. Es erinnert uns daran\, dass wir\, auch wenn sich 
 die Welt verändert\, nicht aus den Augen verlieren dürfen\, woher wir ko
 mmen.“\n\nAndrei Liankevich
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