
Foto: Peter Zuber (2024)
Vor vier Jahren trafen sich einige Frauen aus der Ukraine unter dem warmen Dach von Kultur Aktiv, um gemeinsam den Schock des Krieges zu verarbeiten: die zerrissenen Verbindungen, die zerstörten und verlassenen Häuser, den Verlust von Vertrautem und Heimat. Wir begannen, aus Stoffresten Bilder zu nähen, die jede von uns auf ihre eigene Weise an ihr Zuhause erinnerten.
Doch jedes neue Treffen brachte nicht nur alte Erinnerungen zurück, sondern schuf auch neue Verbindungen. In den vergangenen vier Jahren haben viele Menschen an unserem Tisch gesessen, und jeder von ihnen hat seine eigene, einzigartige Geschichte mitgebracht. Manche kommen noch heute. Andere haben inzwischen Arbeit oder einen Ausbildungsplatz gefunden und können nicht mehr so regelmäßig dabei sein. Manche bleiben lange, manche nur für eine gewisse Zeit. Aber jeder Mensch, der an unserem Tisch gesessen hat, hat eine Spur in unseren Herzen hinterlassen und ist auf seine Weise Teil dieser neuen Gemeinschaft geworden.
Zunächst nannten wir das Ganze ein Näh-Café. Aber eigentlich nähen wir heute gar nicht mehr nur. Es ist ein Ort, an dem sich Lebenswege, Geschichten und Ideen begegnen und miteinander verweben und schließlich in ganz unterschiedlichen Formen von Kreativität ihren Ausdruck finden. Wir können nähen oder mit Wolle filzen, malen oder Figuren gestalten, schreiben, weben oder mit anderen Techniken experimentieren. Doch all das ist nur die Form. Das Wesentliche ist die Begegnung zwischen Menschen.
Deshalb verändert sich auch der Name. Wir nähen nicht mehr einfach die einzelnen Flicken unserer Leben zusammen. Wir weben gemeinsam ein neues Muster aus unseren Lebensfäden.
Und wie beim Weben verschiedene Fäden, Farben und Schattierungen zusammenkommen, so sind auch für unser Café die Menschen wichtig, die zu uns kommen – mit ihren unterschiedlichen Geschichten, Erfahrungen, Ideen und Fähigkeiten. Jeder bringt einen eigenen Faden mit. Manche Fäden bleiben lange im Gewebe, andere berühren es nur für eine Weile. Aber jeder einzelne Faden kann etwas zum gemeinsamen Muster beitragen.
Dabei möchten wir uns auch nicht auf eine bestimmte kreative Technik festlegen. Die Form darf sich verändern und frei aus unserer Fantasie, unserer Neugier und der Lust am gemeinsamen Gestalten entstehen. Das Café ist und bleibt ein offener Raum für Begegnung, in dem Menschen zusammenkommen, miteinander gestalten, erzählen, lachen, voneinander lernen und vielleicht für eine Weile den Alltag hinter sich lassen können.
Alle sind willkommen: Frauen und Männer, Menschen mit und ohne kreative Erfahrung, alte Bekannte und neue Gesichter. Wer möchte, kann eigene Materialien oder ein aktuelles Projekt mitbringen. Einige Materialien stehen vor Ort zur Verfügung.
Vielleicht passt deshalb Kreativ-Café „Lebensfäden“ so gut: Das Wort „Café“ verbindet uns mit dem, was über die Jahre entstanden ist, während „Lebensfäden“ beschreibt, was daraus geworden ist.
Wir weben nicht nur mit Stoffen, Wolle oder anderen Materialien. Wir weben Begegnungen. Wir weben Geschichten. Wir weben neue Verbindungen. Und aus vielen verschiedenen Fäden entsteht etwas, das keiner allein hätte schaffen können.
Kommt vorbei, macht mit und bringt euren eigenen Faden in das Lebensfäden-Café ein!
Die Teilnahme ist kostenfrei.

Foto: Peter Zuber (2024)
Offene Galerie
In unserer Ladengalerie Galerie nEUROPA präsentieren wir nicht nur Ausstellungen zeitgenössischer Fotograf:innen mit Bezug zu Ost- und Südosteuropa – – sondern der Raum steht auch für eure Workshops, Seminare, Begegnungstreffen, Kaffeerunden, Spieleabende und vieles mehr… zur Verfügung.
Zeitraum
seit 08.2022
Projektkoordination
Mitarbeiter:innen der Geschäftsstelle
Projektbeteiligte
Yuliya Firsova (Näh-Café, seit 2022), Viktoriia Borysiuk (Kunst und Meditation, seit 2023), Laura Schulze (Pilzwanderung, seit 2023) und weitere Freiwillige
Gefördert durch
Das Projekt wird gefördert durch das Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Förderprogramms »Wir für Sachsen«.

