Ehemalige Vertragsarbeiter:innen aus Vietnam haben Sachsen geprägt – ihre Geschichten sind jedoch kaum bekannt. Mit „Đức‑Việt. Deutsch‑vietnamesisches Leben in Sachsen“ machen wir ihre Erfahrungen aus DDR‑Zeit, Friedlicher Revolution, Wiedervereinigung und Gegenwart sichtbar. In Video‑Interviews kommen vietnamesische und deutsche Zeitzeug:innen zu Wort: Sie erzählen von Arbeit und Alltag, von Rassismus und Solidarität, von Neuanfängen und bleibender Verbundenheit. Ihre Biografien zeigen die DDR als Migrationsgesellschaft und lassen erkennen, wie eng deutsch‑vietnamesische Lebenswege bis heute verflochten sind. Auf dieser Seite findet ihr ausgewählte Hintergrundinformationen und Einblicke in unsere Oral‑History‑Arbeit – zweisprachig, barrierearm und offen für weitere Stimmen.


Frühjahr 2026: Projektleiter Hung Cao The ist auf Recherchereise in Vietnam, trifft ehemalige Vertragsarbeiter, Botschaftanagehörige oder Studierende in der DDR – und führt erste Zeitzeugen-Interviews.
Fotos: Hung Cao The
Worum geht es in „Đức‑Việt“
In „Đức‑Việt“ rücken wir Lebensgeschichten vietnamesischer Vertragsarbeiter:innen und ihrer deutschen Kolleg:innen in den Mittelpunkt. Sie berichten von ihrem Alltag in der DDR, von der Friedlichen Revolution, der Wiedervereinigung und den herausfordernden 1990er‑Jahren. Zeitzeugen-Interviews machen sichtbar, wie eng deutsch‑vietnamesische Biografien bis heute verflochten sind und welche Erfahrungen bislang im Schatten der offiziellen Geschichtsschreibung standen.
Wir dokumentieren in:
- in Video-Interviews,
- in Informationen zum Projekt (Website, Social Media)
Gemeinsam mit zehn bis zwanzig Zeitzeuginnen und Zeitzeugen holen wir die Erinnerungen und Alltagsrealitäten hervor und erweitern so das kollektive Gedächtnis. Im Zentrum stehen die Dokumentation und Archivierung deutsch-vietnamesischer Lebensgeschichten in Sachsen und in Vietnam (u.a. Hanoi, Dresden, Freital und Crimmitschau). Mithilfe von Zeitzeugen-Interviews (im Video- und Textformat) sichern wir einen Teil der mehr als 50-jährigen deutsch-vietnamesischen Beziehungen und Lebenswege. Zu den vietnamesischen Zeitzeugen zählen ehemalige Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter, Botschaftsangehörige, Studenten, Geschäftsleute, Heimkehrer. Zu den deutschen Zeitzeugen zählen unter anderem ehemalige Vorarbeiter und Heimbetreuer des VEB Kinderoberbekleidung Freital, eines Betriebs des VEB Textilkombinats Cottbus und der Volltuchfabrik Crimmitschau.
Mit der Thematisierung vietnamesischer Lebensgeschichten vor, während und nach der Friedlichen Revolution bis in die Gegenwart wollen wir die Ambivalenzen zwischen persönlichem Erfolg und Aufbauleistungen und dem erlittenen Unrecht sowie Fremdbestimmung durch die DDR und die SR Vietnam sichtbar machen.
Zeitzeugen erzählen: Stimmen aus Vietnam und Sachsen
In unseren Video‑Interviews kommen Menschen zu Wort, die die Geschichte aus erster Hand erlebt haben: ehemalige Vertragsarbeiter:innen, Studierende, Botschaftsangehörige, Vorarbeiter, Heimbetreuer und Geschäftsleute. Sie sprechen über Ankunft, Arbeit, Wohnen, Rassismus, Solidarität und den Aufbau eines neuen Lebens in Sachsen. Jede Biografie eröffnet einen eigenen Blick auf die deutsch‑vietnamesischen Beziehungen der letzten 50 Jahre.


Frühjahr 2026: Projektleiter Hung Cao The ist auf Recherchereise in Vietnam, trifft ehemalige Vertragsarbeiter, Botschaftanagehörige oder Studierende in der DDR – und führt erste Zeitzeugen-Interviews.
Fotos: Hung Cao The
Die DDR als Migrationsgesellschaft
Die DDR war von Ab‑ und Zuwanderung geprägt – doch diese Migrationsgeschichte ist im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent. Zehntausende Vertragsarbeiter:innen aus sogenannten sozialistischen Bruderländern, darunter vor allem Menschen aus Vietnam, arbeiteten unter strengen Vorgaben und oft prekären Bedingungen in volkseigenen Betrieben. Unsere Projektarbeit zeigt, wie stark die DDR‑Gesellschaft von Migration beeinflusst war und welche Brüche und Kontinuitäten bis heute nachwirken.
Heute in Sachsen: Ankommen, bleiben, mitgestalten
Viele der ehemaligen Vertragsarbeiter:innen und ihre Familien leben heute in Sachsen – als Unternehmer:innen, Angestellte, Vereinsaktive und Nachbar:innen. Vietnamesische Geschäfte, Restaurants und Vereine prägen das Stadtbild und die lokale Zivilgesellschaft. Zugleich stehen ihre Erfahrungen von Unsicherheit, Ausgrenzung und rassistischer Gewalt im Spannungsfeld zu positiven Erinnerungen an Gemeinschaft und Aufbruch.
Unsere Methode: Oral History und biografisches Erzählen
Wir arbeiten mit Methoden der Oral History und Biografiearbeit, um persönliche Erfahrungen sichtbar zu machen, die in Akten und Statistiken nicht vorkommen. Im Mittelpunkt stehen die Erzählungen der einzelnen Menschen, ihre Erinnerungen, Brüche und Perspektiven. So entstehen vielschichtige Einblicke in die deutsch‑vietnamesische Geschichte, die sowohl wissenschaftlich nutzbar als auch für ein breites Publikum zugänglich sind.
Archivieren, bewahren, zugänglich machen
Die Interviews werden in Video‑ und Textform dokumentiert, zweisprachig aufbereitet und für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ergänzend sammeln wir private Fotos, Dokumente und Materialien, die Migrationswege und Transformationsprozesse sichtbar machen. Schritt für Schritt entsteht so ein wachsendes digitales Archiv der deutsch‑vietnamesischen Lebensgeschichten in Sachsen und Vietnam.
Ausblick: Mehr Geschichten, mehr Verbindungen
Ab 2027 planen wir ein Interview‑Magazin, öffentliche Veranstaltungen wie Filmvorführungen und Diskussionen sowie die systematische Digitalisierung der Materialien. Gemeinsam mit unseren Partnern, darunter der Weltclub / Afropa e.V., erweitern wir den Fokus auf ehemalige Vertragsarbeiter aus Mosambik und Angola. Unser Ziel ist es, die Erfahrungen der Zeitzeug:innen langfristig zu sichern und für neue Zielgruppen nutzbar zu machen.
Mitmachen, erinnern, weitertragen
Đức‑Việt lebt von Menschen, die ihre Geschichte teilen und Erinnerungsarbeit unterstützen möchten. Wir freuen uns über Zeitzeug:innen, Kooperationspartner und alle, die unsere Angebote in Bildung, Kulturarbeit und Forschung nutzen. Nehmen Sie Kontakt auf, wenn Sie sich beteiligen, Material zur Verfügung stellen oder Veranstaltungen mit uns entwickeln wollen.
Đức-Việt
Deutsch‑vietnamesisches Leben in Sachsen – Zeitzeugen zwischen DDR, Wiedervereinigung und Gegenwart
Zeitraum
01-12.2026
Projektbeteiligte
Dr. Verena Böll, Hung Cao The (Projektleitung)
Kooperationspartner:innen
Verein der Vietnamesen in Dresden e.V., Afropa – Verein für afrikanisch-europäische Verständigung e.V.
Gefördert durch
Das Projekt wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, durch die Ostsächsische Sparkasse Dresden und das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Förderprogramms »Wir für Sachsen«.



