🔊 | Bevor wir Nachbarn werden

Text: Rosa Hauch
Sprecher: Falk Goernert

Formal ist das schnell geschehen. Wohnungen werden vergeben. Mieter ziehen ein. Sie sind sich fremd als Nachbarn. Oft erkennt man sich außerhalb des Hauses nicht. Und in vielen FĂ€llen bleibt das jahrelang so. JĂ€hrlich meistern rund 20.000 bis 25.000 Menschen diese Situation als nationale und internationale Neuankömmlinge in Dresden.

Das physische und das emotionale Ankommen sind in Dresden oft zwei Paar Schuh und es soll sich zum konstruktiven, schöpferischen, angenehmen Miteinander entwickeln.

Aus diesem Grund stellte Roland Schwarz, Direktor der Technischen Sammlungen in Dresden, großzĂŒgig seine 5. Etage fĂŒr ein World CafĂ© zur Ideenfindung zur VerfĂŒgung. Es ist ja auch ein großes Thema. Viel wird darĂŒber diskutiert – in der Bahn, am Stammtisch, bei Demos. Laut wird es auch manchmal. Doch wenn Augen, Ohren und der Geist offen sind fĂŒr Fragen und Ideen, wenn Bundes- und Kommunalpolitiker da sind und sich Zeit nehmen, wenn Mikrofone und Stifte bereitliegen, sind nur wenige Nachbarn an Nachbarn interessiert.

FĂŒr JĂŒrgen Dudeck vom Runden Tisch fĂŒr Senioren und Menschen mit Behinderung ist Nachbarschaft wichtig fĂŒr Demokratie, weil es viele Spannungen gibt, die gelöst werden wollen. Das Rathaus ist oft nicht der geeignete Ort, Dinge anzusprechen, hört man aus dem Verein Pro Pieschen. Entweder hagelt es Ablehnungen oder man bekommt gar keine Antwort, weiß die Vertreterin und gibt auf, ein Sonnensegel fĂŒr den Sandkasten eines Spielplatzes zu beantragen.

Was seit 15 Jahren recht gut funktioniert, ist das Mehrgenerationenhaus des riesa efau. Ab 2023 gibt es ganz konkrete monatliche Nachbarschaftsaktionen, den Fördergeldern sei Dank. Dazu gehören KiezfrĂŒhstĂŒck mit Flohmarkt, Kiez-Ping-Pong, Pflanzentausch oder auch die ErzĂ€hlbank im Hof des riesa efau. Doch eins ist Fakt, sagt Beate Neuber: ”Das Problem der Einsamkeit wĂ€chst.”

Wenn man es nicht möchte, muss man mit niemandem reden, denn digitale Helfer gibt es ĂŒberall.

Kommuniziert wird ĂŒber soziale Medienplattformen, schriftlich und mit Icons, wenn’s mal intensiv werden soll, Einkaufen geht an der SB-Kasse schneller, im Haus geht’s auf und ab mit dem Aufzug. Doch wenn der mal defekt ist, spricht man durchaus auch lĂ€nger an und vor der HaustĂŒr. Jemanden zum Reden hineinbitten, etwa zum Tee oder Kaffee – eine ganz neue Option 😊


Dresdner Nachbarschaften – sichtbar, vernetzt, engagiert!

Nachbarschaften sind ĂŒberall – wir sind mittendrin. Mit StadtteilspaziergĂ€ngen, GesprĂ€chen im GrĂŒnen, Kreativ-Workshops, Ausstellungen u.v.m.

Gefördert durch

Das Projekt wird wird gefördert durch das Staatsministerium fĂŒr Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom SĂ€chsischen Landtag beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Landesprogrammes Integrative Maßnahmen.