Personalisierung ist ein Sicherheitsschloss

Illustation: Nadine Wölk

Es muss mehr als 20 Jahre her sein, als wir uns in dieser IT-Bude dafür feierten, dass man Personalisieren kann. Die Dollarzeichen glänzten in den Augen bei personalisierter Werbung. Stell dir vor, jede und jeder und dazwischen und außerhalb bekommt das, was interessiert und nur das. Das spricht doch unsere Kunden an!!!!! Du hörst die Musik, die dich interessiert, siehst die Sendungen, die du willst, alles ist auf dich zugeschnitten, toll, oder?!

Heute funktioniert das noch besser, als wir damals ahnten. Alle haben ihre Playlisten und die entsprechenden Kopfhörer nahezu permanent in Betrieb, was sie zwar für alle anderen unansprechbar macht, aber das war wohl nicht relevant.

Wir pflegen unsere Kommunikationsblasen und haben uns darin eingerichtet. Wir wissen, was wichtig ist und die Leute bewegt. Alle reden ja drüber und diskutieren den heißen Scheiß der Community in der Community. Dafür sind wir ansprechbar.

Auch die Werbung tut, was sie kann. Blöd nur, wenn ich Onlineunterricht mache, eine Seite aufrufen möchte und kurz vorher bei triumph lingerie online shoppen war. Was mich ansprechen sollte, spricht Bände und anfangs war mir das peinlich. Diese Ansprache empfand ich als zu persönlich. Dabei hat das Unternehmen marketingtechnisch alles richtig gemacht. Doch ich kam mir vor, als würde ich wildfremde Wissenschaftler in meinen Wäscheschrank schauen lassen.

Es gibt schon Witze über diejenigen, die lineares Fernsehen sehen und keine Streamingdienste abonnieren. Gibt es auch schon Witze über diejenigen, die so gar nicht mehr über den Tellerrand schauen und sich mit entspannter Neugier bisher Unbekanntes präsentieren lassen?

Witze nicht. Selbsthilfegruppen gegen Einsamkeit. Wenn wir Türen erfinden, die man nicht mehr öffnen muss, können weder Frau noch Mann einer anderen Person mit einem freundlichen Wort selbige aufhalten. Wenn wir SB-Kassen entwickeln, kommst du rund um den Globus, ohne auch nur ein Wort in einer anderen Sprache lernen zu müssen, zu können oder zu dürfen.

Doch wenn du eine Sprache lernst, wo kannst du sie praktizieren? In der Öffentlichkeit? Nach dem Weg fragen – googlemaps, Einkaufen – SB oder online, Öffis- alle sind unter Kopfhörern. Wo soll man denn Leute kennenlernen? In der silence-Disco?

Wo sind Menschen ganz einfach, ganz alltäglich für mich ansprechbar?

Rosa Hauch


ANSPRECHBAR

Wir sind ANSPRECHBAR – für ein besseres Miteinander! Wir bringen Menschen ins Gespräch – unabhängig von Sprache, Kultur, Alter, Geldbeutel oder sozialer Stellung – bei kreativen Workshops, Ausstellungen und in einem Interview-Magazin mit einfühlsamen Porträts. Seid dabei und lasst uns gemeinsam Brücken bauen!

Gefördert durch

Das Projekt wird gefördert durch die Heidehof Stiftung GmbH und das Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Landesprogrammes Integrative Maßnahmen.